Ein goldener Tag – Malerweg (3. Etappe)

Jeder Mensch hat diese besonderen Tage, die er mit einem bestimmten Datum in Verbindung bringt. Tage an denen man etwas Außergewöhnliches, Besonderes und/oder Wichtiges erlebt hat. Diese Tage will man dann auch jedes Jahr mit etwas Besonderem verbringen. Mir geht es da nicht anders. Und heute war so ein Tag. Für mich sind Tage in der Natur immer etwas Besonderes. Draußen zu sein. Fernab von vielen Menschen und der Hektik des Alltags. Also wollte ich auch heute eintauchen in die Stille des Waldes. Was bietet sich da besser an, als in der Sächsischen Schweiz eine weitere Etappe des Malerweges zu gehen. Eigentlich wollte ich dieses Jahr die ganzen 112 km wandern, aber so wie es aussieht, wird das wohl nichts. Aber eine weitere Etappe kann ich diese Jahr schon noch dazu packen 😉

Bisher bin ich von Lohmen bis zur Ostrauer Mühle ca. 40 km gewandert. Und weil ich pro Wandertag mit etwa 20 km mein Wohlfühllimit erreiche, sollte es heute von der Ostrauer Mühle bis zur Buschmühle gehen. Eigentlich hatte ich an diese Etappe des Malerweges keine so großen Erwartungen. Nicht, dass diese Strecke nicht landschaftlich reizvoll wäre! Ganz im Gegenteil! Führt sie doch über die Schrammsteine und vorbei an der Breiten Kluft und den Affensteinen, genau durch das (neben der Bastei) bekannteste Gebiet des Nationalparks. Und das wiederum bedeutet, dass dort normalerweise Horden von Menschen unterwegs sind… was so überhaupt nicht mein Ding ist 🙁 Normalerweise meide ich solche Wanderhotspots. Um es aber gleich vorweg zu nehmen: Heute war es herrlich! Die Saison ist am vergangenen Wochenende (04.11.2018) zu Ende gegangen und somit haben auch schlagartig die Touristenströme abgenommen. Und weil heute auch noch Dienstag ist, war gleich überhaupt nichts los 😉 Perfekt!

Wie immer bei der Etappenwanderung auf dem Malerweg ist die größte Herausforderung die Frage, wie komme ich zum Startpunkt und wie vom Etappenziel wie zurück? Ein Blick auf den Busfahrplan machte mir klar, dass die Mitfahrgelegenheiten heute ziemlich dünn gesät sind und ich den letzten Bus der Linie 241 um 16.27 Uhr nicht verpassen durfte, wenn ich nicht im Wald übernachten wollte 😉 Mein Glück war, dass sich Start und Ziel der heutigen Etappe im Kirnitzschtal direkt an der Kirnitzschtalstraße befinden. So gibt es wenigstens eine Wanderbuslinie, die direkt zwischen beiden Punkten fährt. Also habe ich mein Auto auf dem Zeltplatz der Ostrauer Mühle abgestellt und los gings auf den Malerweg.

Die Sonne zeigte sich schon sehr früh und ließ einen tollen goldenen Herbsttag erahnen. Vom Zeltplatz an der Ostrauer Mühle ging es gleich bergauf und brachte den Kreislauf in Schwung … war mir vorher kühl, änderte sich das sehr schnell. 😉 Der Weg war breit, aber ganz schön zerklüftet.

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Heute würde der Tag der Felsen auf dem Malerweg werden. Und schon bald konnte ich einen ersten Blick auf die Gellchensteine (die ein Teil der Gipfelkette rund um die Hohe Liebe sind) und den Falkenstein werfen.

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Mein erstes Ziel waren die Schrammsteine, …

Ich bin richtig …

… die von der Schrammsteinaussicht natürlich phantastisch aussehen. Aber auch schon auf dem Weg dahin, z. B. kurz vor dem Schrammsteintor, kann man die beeindruckenden Felsformationen von unten bewundern.

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Bis hierher war der Weg – bis auf den Anstieg von der Ostrauer Mühle – ziemlich eben. Aber es ist völlig klar, dass das so nicht bleibt, denn die Schrammsteinaussicht ist nun mal oben und da musste ich hin.

Es gibt zwei Wege, um vom Malerweg hinauf auf die Schrammsteine zu gelangen, einmal den Wildschützsteig (den ich auf einer früheren Tour schon einmal gegangen bin) und den Jägersteig, den man nimmt, wenn man dem Malerweg folgt. Ich erinnere mich, das der Wildschützsteig ein ordentlich steiler und sehr schmaler Weg ist, den man auch nur im Aufstieg nutzen soll. Über den Jägersteig muss man zwar genau die gleiche Höhenmeter bewältigen, aber der Weg ist etwas langgezogener.

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Ist man oben am Jägersteig und somit auf dem (Schrammstein)Gratweg angekommen, führt der Malerweg leider gar nicht bis zur Schrammsteinaussicht, was eigentlich schade ist. Entgeht einem dadurch doch ein phantastischer Ausblick. Natürlich bin ich zur Schrammsteinaussicht abgebogen. Ich werde mir doch nicht die Gelegenheit entgehen lassen, an so einem herrlichen Tag die beinahe vereinsamte Schrammsteinaussicht zu genießen. Und es hat sich wirklich gelohnt! Ich hätte den ganzen Tag hier bleiben können.

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Doch ich musste weiter, denn ich hatte auf meine heutigen Malerwegetappe noch einige Kilometer vor mir. Über sonnendurchflutete Waldwege führte mich mein Weg weiter bis zur Breiten Kluft.

Ich musste ziemlich grinsen, als ich mal wieder an dieser Stelle ankam. Ich erinnerte mich, das ich vor vielen Jahren, als ich mit dem Wandern anfing und noch überhaupt keine Orientierung in der Sächsischen Schweiz hatte, dachte, diese Stelle wäre der Carolafelsen. Damals war ich total stolz, dass ich wandere und draußen unterwegs bin… jedoch so völlig ohne eine Ahnung, wo ich mich denn nun eigentlich wirklich befand (trotz eine Wanderkarte 😉 ) … Unschuld der Anfänger 😉 . Inzwischen weiß ich es besser. Nichts desto trotz ist die Aussicht an der Breiten Kluft einfach immer wieder ein Erlebnis… auch heute!

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Wer schmale verborgene einsame Pfade sucht, ist auf dem Malerweg sicherlich nicht so ganz richtig. Aber das heißt natürlich nicht, dass der Malerweg keine Abwechslung bietet Ich habe die Strecke jedenfalls sehr genossen … und zwischendrin sorgten auch immer mal Treppen dafür, dass der Kreislauf wieder etwas mehr in Schwung kam und die Kälte keine Chance hatte 😉

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Eine Überraschung ist für mich auch immer wieder das Aussichtsplateau am Spies. Inzwischen hat man den Schrammsteingratweg verlassen und wandert auf dem Zurückesteig. Kurz nachdem die Obere Affensteinpromenate abzweigt, landet man völlig unvermittelt auf einem Aussichtsplateau, dass auch ein richtig guter Rastplatz ist. Lang habe ich heute dort jedoch nicht verweilt.

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Und dann musste ich den Malerweg schon wieder verlassen. Ich hatte mir vorgenommen, heute so viele Highlights wie mögliche „mitzunehmen“. Und bei der Tourvorbereitung hatte ich auf der Karte gesehen, dass der Carolafelsen als Teil der Affensteine ganz in der Nähe vom Malerweg ist, dieser aber nicht dort lang führt. Das ist wirklich schade, denn ich finde diesen Aussichtspunkt echt toll.

Leider unterschiedliche Richtungen – Malerweg und Carolafelsen

Selbstverständlich habe ich einen Abstecher zum Carolafelsen gemacht (auch wenn das ein Umweg ist) und es kein bisschen bereut!

Aussicht vom Carolafelsen

Zurück auf dem Malerweg führt die Obere Affensteinpromenade vorbei an tollen Sandsteinfelsen und Aussichten, so wie hier an der Domerkeraussicht mit Blick auf den Falkenstein und die Schrammsteine.

Domerkeraussicht

Doch dann hieß es die Höhe mit den vielen schönen Aussichten verlassen. Die Kleine Domstiege führte mich hinab auf die Zeughausstraße, die an den beeindruckenden Felsen der Affensteine vorbeiführt. Ich habe diese Felsen schon oft auf meinen Wanderungen und Radtouren gesehen, und doch nutzt sich dieser Anblick für mich nie ab.

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Und dann war ich wieder an der Kirnitzschtalstraße. Ich habe es ja schon oft geschrieben: immer wenn ich aus dem stillen Wald auf eine befahren Straße oder einen Gasthof o.ä. stoße, brauche ich immer einen Moment, bis ich mich damit anfreunden kann. Das ist immer so ein kleiner Kulturschock, wenn ich nach der Stille des Waldes wieder auf die Wuseligkeit der Zivilisation treffe. So auch in dem Moment, als ich am Parkplatz am Beuthenfall ankam.

Ich habe mich immer schon gefragt, ob es den Beuthenfall tatsächlich gibt. Allerdings hatte ich bisher auch noch nie wirklich danach gesucht. Das wollte ich heute ändern. Und ich habe tatsächlich ein Rinnsal gefunden, dass (wenn man die Bilder im Internet als Vergleich heranzieht) der Beuthenfall genannt wird.

Beuthenfall

Versteckt zwischen zwei ziemlich unattraktiven Gebäuden und hinter Maschendrahtzaun plätschert er so vor sich hin… Irgendwie war das ein trauriger Anblick.

Ich bin dann ziemlich schnell weitergelaufen, wobei auch der jetzt folgende Streckenabschnitt nicht wirklich Wanderlust hervorruft. Der Malerweg führt vom Beuthenfall bis zum Lichtenhainer Wasserfall wenig einladend an der Kirnitzschtalstraße entlang 🙁

Malerweg entlang der Kirnitzschtalstraße

Eine kleine, wenn auch eher traurige Ablenkung von der Straße bietet da nur die Heidemühle, die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts noch als Schneidemühle und Raststätte genutzt wurde.

Haidemühle

Auf diesem Streckenabschnitt merkte man ganz deutlich, dass die Wandersaison zu Ende war. Hier, wo normalerweise Heerscharen von Leuten rumwuseln, um einen künstlich angelegten Wasserfall zu sehen, war heute absolut nichts los … irgendwie sah alles gleich noch viel grauer aus… auch das Gelände um den Lichtenhainer Wasserfall.

Lichtenhainer Wasserfall – außerhalb der Saison

Nicht weit hinter dem Lichtenhainer Wasserfall konnte ich endlich wieder in den Wald hinein; weg von der Straße … und mein nächstes Ziel – den Kuhstall – ansteuern. Das ist ein riesiges Felsentor, dass in viel früheren Jahren den Bauern der Umgebung in Kriegszeiten als Unterstellmöglichkeit für ihr Vieh gedient hat, damit es den Soldaten nicht in die Hände fiel.

Um zum Kuhstall zu gelangen, muss man aber erstmal 150 Höhenmeter absolvieren. Ich hatte inzwischen schon mehr als 15 km in den Beinen und es brauchte schon ein wenig Sonnenschein, Herbstfarben und solche lustigen Steinmännchen, damit ich bei Laune blieb 😉 Ich habe mich immer schon gefragt, was die Ansammlung dieser Steintürmchen eigentlich soll. Ursprünglich sind sog. Steinmännchen als Wegweiser in wenig erschlossenen Gegenden gedacht. Doch in letzter Zeit hat sich daraus so etwas wie ein Touristengaudi entwickelt… was nicht immer etwas Gutes ist.

Steinmännchen in der Sächsischen Schweiz

Und dann war ich am Kuhstall. Nicht mein erster Besuch – wie so vieles hier in der Kernzone der Sächsischen Schweiz. Aber das ist ja nicht weiter schlimm. Auch hier war heute statt wuseliger Geschäftigkeit einfach nur Stille. Toll! 😉

Kuhstall

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Wenn man will, kann man über eine super schmale Treppe, die sog. Himmelsleiter, sogar hinauf auf den Felsen gelangen, aber das habe ich mir heute geschenkt. Mein Weg führte jetzt nicht weniger spektakulär zwischen riesigen und völlig gerade Felswänden abwärts.

Abstieg über den Malerweg am Kuhstall

Und so startete ich meine letzte Strecke bis zur Neumann- bzw. Buschmühle – dem Ziel meiner heutigen Malerwegetappe.

Inzwischen war ich schon ein bisschen müde. Ich habe heute so viele schöne Orte gesehen und besondere Momente erlebt, dass ich viel mehr nicht mehr wirklich wahrnehmen und verarbeiten kann 😉 … Daher habe ich mich auf dem verbleibenden Wegstück nicht mehr groß aufgehalten. Allerdings wurde ich aufgehalten 😮 … Knapp 700 m vor der Neumannmühle war der Malerweg wegen Forstarbeiten gesperrt. 🙁

gesperrter Malerweg 🙁

Klar lässt sich das nicht vermeiden, aber für meine müden Beine bedeutete das, ich musste etwa zwei Kilometer mehr laufen! … Na ja, es nutzte ja nichts. Einen Schritt nach dem anderen und dann würde auch das bald geschafft sein.

So langsam neigte sich der Tag dem Ende entgegen und das weiche Licht der Nachmittagssonne tauchte den Wald immer wieder in wunderbare Farben.

nachmittägliche Herbstsonne

Und dann war hatte ich die Neumannmühle an der Kirnitzsch erreicht. Mein Tagesziel war zwar die Buschmühle, aber die Neumannmühle grenzt praktisch daran. Die Neumannmühle diente als Sägewerk und wird heute als technisches Museum und in der Saison (etwa von Ende März bis Ende Oktober) als Gasthaus mit Übernachtungsmöglichkeit betrieben.

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Das letzte kleine Stück bis zur Buschmühle führte leider noch einmal direkt an der Straße entlang, aber das war dann auch sehr schnell geschafft.

ein letztes Mal die Straße Entlang – von der Naumann- zur Buschmühle

Und obwohl das Gasthaus – so wie alle anderen in der Gegend – bereits die Saison beendet und geschlossen hatte – durfte ich mich auf der Terrasse ausbreiten und in Nachbarschaft der Haus- und Hofkatze die Tour ausklingen lassen, bevor es mit dem Bus zurück zum Zeltplatz an der Ostrauer Mühle ging, wo ich am Morgen mein Auto abgestellt hatte.

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Ein schöner und für Anfang November wirklich sonniger angenehmer … besonderer Tag neigte sich dem Ende. Es war eine gute Entscheidung, heute, mitten in der Woche, diese wohl bekannteste Etappe des Malerwegs zu wandern.

Und das war die ganze Strecke … samt den kleinen Abstechern zur Schrammsteinaussicht und zum Carolafelsen.

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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