Zweimal aufwärts

Eine Dienstreise hat mich an den Alpenrand geführt. Und weil das von Dresden aus gesehen, nicht mal gerade um die Ecke ist, habe ich mich entschlossen, anschließend einfach noch ein paar Tage im Berchtesgadener Land, genauer gesagt in Bayerisch Gmain, zu verbringen. Und wenn ich schon so nah an den Bergen bin, muss ich natürlich auch einen Ausflug in die Berge machen und Wandern.

Bayerisch Gmain liegt im Lattengebirge, dem nördlichen Rand der Berchtesgadener Alpen. Und einer der Hausberge in Bayerisch Gmain ist der Predigtstuhl. Auf den kann man mit einer Seilbahn fahren, oder wandern. Ich hatte mir vorher eine Route rausgesucht, die auf der Karte auch ganz vernünftig aussah. OK, von Bayerisch Gmain (liegt auf ca. 550 m) bis zum Predigtstuhl (liegt auf reichlich 1.600 m) sind es immer hin über 1.000 Hm, aber wenn ich zeitig genug aufbreche, würde ich das schon schaffen. So war jedenfalls mein Plan.

Allerdings vor Ort, mit einer Wanderkarte vom Hotel und einen Blick auf den Berg musste ich dann doch einsehen, dass ich mich da etwas überschätze. Die 1.000 Hm zwischen Predigtstuhl und Bayerisch Gmain, die ich über den Wappachkopf, den Dötzenkopf und den Spechtenkopf hinter mich bringen wollte, hätten sich auf relativ kurze 6 km verteilt. Für manchen ist das vielleicht nicht so tragisch, aber da ich in letzter Zeit nicht so viel draußen und auf dem Berg war, war mir das dann doch etwas zu viel 😉 Hinzu kam, dass auf der Wanderkarte vom Hotel – anders als in meinem Wanderführer – gar kein Verbindungsweg vom Spechtenkopf hinauf zum Predigtstuhl eingezeichnet war. Hinterher habe ich auch noch erfahren, dass der (tatsächlich existierende Pfad) wegen einer Gerölllawine gesperrt war. Also alles richtig gemacht! 😉

Mein Tourenplan stand und bei herrlichem Sonnenschein ging es relativ früh am Morgen los (für meine Verhältnisse 🙂 ).

Los gehts…

Schon nach nur ein paar Minuten hatte ich mein Ziel vor Augen. Da hoch sollte es also gehen.

Blick auf den Spechtenkopf und Predigtstuhl

Ab dem Wanderzentrum von Bayerisch Gmein ging es hinein in den Wald und auch gleich ziemlich steil aufwärts. Das die Anstiege in den Alpen um einiges steiler sind, als bei mir daheim in der Sächsischen Schweiz, würde ich heute den ganzen Tag merken. Der Ausdruck in den Routenbeschreibungen „gute Kondition erforderlich“ ist da durchaus wörtlich zu nehmen 😉

Mein erster angesteuerter Aussichtspunkt war der Wappachkopf. Um diesen zu erreichen, ging es erstmal über die Wappach …

Über die Wappach

… und dann einfach nur bergauf. Die Wege sind super gut ausgeschildert und nicht zu verfehlen. Auch wenn es relativ steil hinauf ging, wird man zwischendrin immer wieder von den tollen Ausblicken auf die umliegenden Bergformationen entschädigt (und zum Verweilen „verführt“ 😉 ).

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Und es dauerte wirklich nicht lange, bis ich den Wappachkopf erreichte und einen super Blick ins Tal und auf den gegenüberliegenden Berchtesgadener Hochthorn genießen konnte.

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Nach einer Minipause ging es aber schnell weiter, denn so viel hatte ich ja noch nicht geschafft und der nächste Gipfel wartete: der Dötzenkopf…

Auf zum Dötenkopf und Spechtenkopf

So langsam gewöhnte ich mich an den Aufstieg. Das Geheimnis liegt wohl darin, in ruhigem gleichmäßigem Tempo nach oben zu gehen. Anstatt schnell und dann mit vielen Pausen zu wandern, ist es wesentlich angenehmer, wenn man ein gleichmäßiges Tempo wählt … vielleicht dauert es dann ein wenig länger, aber ich zumindest kann mich dabei viel schneller regenerieren.

Auch wenn die steilen wurzeligen Pfade so einige Anstrengung von mir verlangten, so wandere ich solche Pfade allemal lieber, als breite Forstwege. Ich habe dann immer das Gefühl, ich würde mir den Gipfel richtig „erarbeiten“ 😉

wurzelig steile Pfade

Außerdem hat man bei etwas langsamerem Tempo immer wieder Zeit, seine Umgebung zu „sehen„… so wie hier: eine kleine freie Lücke bietet einen Blick hinaus aus dem Wald auf einen südlich gelegenen Berggrat.

Und dann hatte ich meine nächste Etappe erreicht. Noch bevor ich auf dem Dötzenkopf (1.001 m) war, konnte ich das Gipfelkreuz sehen.

Dötzenkopf mit Gipfelkreuz

Ich gebe ja zu, dass ich nicht gerade federleicht auf den Dötzenkopf geschwebt bin 😉 … doch gerade als ich die letzten Meter bis zum Gipfel zurücklegen wollte, merkte ich, wie sich hinter mir eine Trailrunnerin näherte. Joggend den Berg hinauf! Ufff … ich war froh, dass ich in Ruhe und ohne all zu laut zu schnaufen den Berg hoch komme! Respekt … die Joggerin schien das mit einer Leichtigkeit zu absolvieren, die mich schwer beeindruckte. Na ja, ich jedenfalls war nun auch oben und jetzt war erst mal wieder Pause und Zeit für einen ausgiebigen Rundumblick.

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Um genau zu sein, ist das Gipfelkreuz nicht direkt auf dem Dötzenkopf. Der eigentliche Gipfel vom „Dötzenkopf“ ist leicht versetzt neben dem Plateau mit dem Gipfelkreuz und 1.007 m hoch.

Dötzenkopf

Die Dötzenkopfrunde hätte damit ihren Höhepunkt erreicht und ich einfach wieder zurück Richtung Bad Reichenhall und Bayerisch Gmain wandern können. Und doch liebäugelte ich mit einem Ausflug auf den Spechtenkopf (1.285 m). Es war noch relativ früh am Tag und ich hatte Lust noch ein wenig weiter am Berg rumzukraxeln.

Ich musste mich nicht gleich entscheiden. Der Weg zum Sprechtenkopf oder zurück nach Bayerisch Gmain war erstmal der Gleiche. Auf schöne schmalen Pfaden ging es einfach weiter am Berg entlang. Und wenn es zu schmal wurde, oder es neben dem Pfad recht steil abwärts ging, gab es auch eine Seilsicherung, damit nichts passiert.

Schmale Pfade durch das Lattengebirge

Und dann war er da, der Abzweig zum Spechtenkopf … natürlich habe ich den genommen. Wenn ich schon mal hier bin 😉 … An dieser Stelle habe ich auch zum ersten Mal bewusste den Hinweis auf die schwarze Route zum Hochschlegel wahrgenommen. Das ist die Strecke hoch zum Predigtstuhl, die ich auf den Karten gesehen hatte. Also eine schwarze Route traue ich mir dann doch nicht zu! Aber das Stück bis zum Spechtenkopf (rote Route) würde gehen!

Abzweig zum Spechtenkopf

Jetzt wurde der Weg aber durchaus auch knifflig. Nicht nur, dass es steil(er) aufwärts ging. Nein! Hinzu kamen auch Passage über Felsen. Nicht nur einmal habe ich beim hochkraxeln gedacht „… und wie kommt man hier wieder runter?!

Herausforderung 😉

Aber letztlich war das alles zu schaffen. Es braucht einfach Ruhe und man muss sich genau ansehen, wohin man tritt. Und dann näherte ich mich langsam dem Spechtenkopf. Lt. meiner Karte und dem Navi müsste der Gipfel samt Gipfelkreuz eigentlich direkt links neben mir sein. Wo war denn nur der Abzweig?

Pfad direkt neben dem Spechenkopf

Dann sah links etwas so aus, wie ein Pfad hoch zum Gipfel. Zugegeben; ein bisschen abenteuerlich, aber das würde ich nun auch noch schaffen. So kurz vor dem Ziel lasse ich mich doch von so ein „bisschen“ Felsen nicht abschrecken! 😉

Ist das der Pfad zum Spechtenkopf-Gipfelkreuz?

Nachdem ich mich diese Felsenpartie hochgekämpft hatte, stand ich zwar auf dem Spechtenkopf mitten in einem wilden Durcheinander von Latschenkiefern … mit einem herrlichen Blick auf die umliegenden Gebirgszüge …. ABER kein Gipfelkreuz! 😮

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Und jetzt? Dieses Kreuz musste doch irgendwo sein. Ich hatte es doch gesehen! Auf meiner Karte gab es noch einen zweiten Zugang hoch zum Spechtenkopf. Mal sehen ob ich den finde. Dazu musste ich aber die Felspartie erstmal wieder runter! Mehr oder weniger auf dem Hosenboden habe ich das auch geschafft. Einmal mehr bewahrheitet sich, dass aufwärts oft besser geht, als wieder runter …

Ein Stück zurück

Nachdem ich wieder auf dem normalen Wandersteig (Hochschlegelsteig) war, hieß es also den „Rückwärtsgang“ einlegen und Ausschau nach einem anderen Abzweig halten. Und tatsächlich … ich habe ihn gefunden. Etwas unscheinbar, aber immerhin ein Pfad ohne Felsengekraxel …

Abzweig hoch zum Spechtenkopf

Allerdings bin ich auch auf diesem Weg nicht bis zum Spechtenkopf-Gipfelkreuz gekommen. Ich konnte es zwar sehen, aber keinen für mich gangbaren Weg.

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Also habe ich es mir bequem gemacht und einfach den Anblick auf den Spechtenkopf und das Panorama genossen. Und das war einfach traumhaft.

Panorama vom Spechtenkopf ins Tal nach Bad Reichenhall

Doch dann wurde es Zeit für den Abstieg. Der Weg bis zurück auf den Dötzenkopfweg war nicht immer ganz so einfach, aber wenn es doch mal zu steil oder die Stufen zu hoch wurden, habe ich mich tatsächlich wie ein Kind auf den Hosenboden gesetzt und so die Stufen überwunden … zum Glück hat mich keiner gesehen. 😉

Leider habe ich dann irgendwann im Wald den Abzweig nach Bayerisch Gmein verpasst und bin am Ufer vom Saalachsee in der Nähe der Staumauer gelandet.

Staumauer Kibling am Saalachsee

Das war zwar nicht mein Plan, aber nun war ich schon mal hier und musste weiter nach Bad Reichenhall. Ein Blick auf die Karte verriet mir, dass gar nicht weit entfernt die Talstation der Predigtstuhl-Seilbahn war. Es war erst kurz vor 15 Uhr. Da konnte ich auch die Gelegenheit nutzen und mit der Seilbahn hoch auf den Predigtstuhl fahren. So käme ich dann doch noch auf den Gipfel – wenn auch nicht zu Fuß 😉

Mein Weg führte mich vorbei am Salzburger Wehr (welches für die Holztrift große Bedeutung hatte) …

Salzburger Wehr in Bad Reichenhall

… hin zur Talstation. In knapp 9 Minuten (und für 27 Euro Berg- und Talfahrt) schwebt man in den seit 90 Jahren (seit Eröffnung) genutzten Kabinen hinauf zum Predigtstuhl.

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Für mich war das schon deshalb großartig, weil ich auf diese Weise aus einer ganz anderen Perspektive sehen konnte, wo ich heute gewesen bin. Ich bin quasi seitlich am Spechtenkopf vorbei geschwebt.

Mit der Seilbahn vorbei am Spechtenkopf

Oben auf dem Predigtstuhl ist es relativ unspektakulär. Mit einem kleine Spaziergang gelangt man zur Schlegelalm. Ich bin da auch hin und habe mir als Belohnung eine Zitronenlimo gegönnt 😉

Schlegelalm auf dem Predigtstuhl

Aber länger aufhalten mochte ich mich hier oben nicht… zu viele Menschen. Zu touristisch. Mir reichte es so langsam auch für heute. Eingeklemmt mit 24 anderen Touristen webte ich in der Kabine wieder hinab ins Tal und den Rückweg von Bad Reichenhall bis nach Bayerisch Gmain habe mit der Regionalbahn zurückgelegt. Zum Laufen hatte ich einfach keine Lust mehr.  😉

Und hier gibt es die ganze Strecke … zweimal hoch auf den Gipfel und dann noch mit der Bahn zurück. Für mich eine schöne erlebnisreiche, wenngleich auch fordernde Tour.

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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