Irgendwie immer Lilienstein – Malerweg (2. Etappe)

Sehr lange hat es gedauert, bis ich wenigstens mal meine zweite Etappe des Malerwegs in der Sächsischen Schweiz in Angriff genommen habe. Eigentlich wollte ich dieses Jahr ja den ganzen Weg wandern, aber es sieht so aus, als ob daraus nichts wird. Na wenigstens habe ich mehr als eine Etappe geschafft. 😉

Der Malerweg wird offiziell mit 8 Tagesetappen empfohlen. Aber da mir die ersten Etappen etwas zu kurz sind, habe ich meine eigene Streckenlänge gewählt. Ostern 2018 bin ich von Lohmen bis zur Hocksteinschänke meine erste Etappe über reichlich 20 km gewandert. Und heute soll es weiter von der Hocksteinschänke, über Hohnstein, die Brandaussicht, Waitzdorf, die Kohlmühle bis zur Ostrauer Mühle gehen. Auch dieses Etappe wird etwa 20 km lang werden. Mein Ziel ist es, den Malerweg mit insgesamt 6 Etappen zu absolvieren. Mal sehen wie lange ich dazu brauche 😉

Normalerweise wandere ich Rundtouren, so dass bei meiner Planung Start und Ziel identisch sind. Wandert man den Malerweg (112 km), dann ist das nicht möglich. Geht es ja gerade darum, den Fernwanderweg in Etappen zu absolvieren. Start und Ziel sind also zwingend unterschiedlich. Die einzelnen Abschnitte müssen also so gewählt werden, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Das ist machbar … aber schon ein Akt 😉 … Um kurz nach 9 Uhr auf der Strecke an der Hocksteinschänke zu sein, musste ich um 7 Uhr aus dem Haus … am Sonntag! Und das, wo ich doch ein ausgesprochener Nicht-Frühaufsteher bin 😮 … Aber es nutzt ja nichts. Ich wusste, dass ich zwischen 6 und 7 Stunden brauchen werde und da durfte und wollte ich einfach nicht zu spät starten.

Der Tag versprach strahlend schön zu werden. Der Himmel präsentierte schon am Morgen herrlichstes Hellblau.

Hocksteinschänke im strahlenden Morgenhimmel

Und gleich zu Beginn der Tour an der Hocksteinschänke grüßte der Lilienstein.

Lilienstein

Im Laufe des Tages würde ich feststellen, dass der Lilienstein fast die gesamte Strecke immer irgendwie zu sehen war. Quasi wie ein großer Wegweiser. Und sieht man sich unten den Streckenverlauf an, dann ist das auch einleuchtend. Die Tour führte einfach wie eine Linie am Lilienstein vorbei, der sich in dieser markanten Elbschleife befindet.

Also los. Auf in den Wald! Auf breitem Forstweg ging es bei ziemlich frischen Temperaturen, aber unter strahlender Sonne, Richtung Hockstein und weiter nach Hohnstein.

Ein strahlender Herbstmorgen

Ich war schon öfter in und um Hohnstein. Entweder Wandern oder mit dem Rad. Aber über den Malerweg und den Hockstein habe ich mich Hohnstein noch nie genähert. Um so überraschter war ich, als ich plötzlich auf dem Hockstein stand und die grandiose Aussicht nach Hohnstein und tief hinein in das Polenztal sah. Echt toll.

Auf dem Hockstein

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Von der Hocksteinaussicht führt der Malerweg nun steil und abrupt abwärts durch die Wolfsschlucht ins Polenztal. Ich musste tatsächlich einen kleinen Moment durchatmen, als ich den relativ schmalen Durchgang sah. Natürlich weiß ich, dass da nichts passieren kann, aber wenn Felswände so eng an mich rankommen, werde ich leicht klaustrophobisch 😉 .

Durch die Wolfsschlucht ins Polenztal

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Im Polenztal angekommen, führt der Malerweg jedoch gleich wieder aus dem Tal raus. Eigentlich schade, denn das Polenztal mit seinen Wächtern ist echt schön. Ist auf jeden Fall immer eine eigene Tour wert.

Mein Weg aber schlängelte sich auf direktem Weg durch den Bärengraben hinauf nach Hohnstein. Wieder einmal umfing mich dieses tiefe Dickicht mit seinen Felsformationen, bei dem ich immer das Gefühl bekommen irgendwie in der Zeit zurück zu purzeln. Ich kann das nur mit Wilder Wildnis ausdrücken. Und vor allem für mich unverkennbar Sächsische Schweiz! Ich finde, so sieht es nur hier aus!

Hinein ins Dickicht!

Typisch Sächsische Schweiz

Oben angekommen, lässt der Malerweg die Burg Hohnstein und den Ort Hohnstein quasi „links liegen“ und wendet sich nach Rechts in Richtung Brandaussicht. Hier startet auch die offizielle 3. Etappe des Malerwegs.

 

Aber auch wenn die Burg Hohnstein nicht direkt in den Malerweg integriert ist, so sieht man sie doch majestätisch oben auf dem Felsen thronen.

Burg Hohnstein

Hatte ich zu Beginn der Tour noch ordentlich gefroren, war mir inzwischen reichlich warm. Vom Polenztal hinauf nach Hohnstein sind es schon ein paar Höhenmeter. Da kommt der Kreislauf in Schwung! 😉

Auf breiten bequemen Forstwegen …

geht es nun – vorbei an der Gautschgrotte …

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… bis zur Brandbaude. Obwohl es noch nicht einmal 12 Uhr war, war sie schon ordentlich bevölkert.

Brandaussicht mit Brandbaude

Vermutlich liegt das auch daran, dass man diese wunderbare Aussicht von Hohnstein in relativ kurzer Zeit und sehr bequem auf Forstwegen, die sogar für Kinderwagen geeignet sind, erreichen kann. Der Blick von hier oben ist aber auch traumhaft … und er lädt ein, innezuhalten und Pause zu machen … was ich auch gemacht habe 😉

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Allerdings wurde mir der Trubel sehr schnell zu viel und ich habe mich wieder auf den Weg gemacht. Vor allem war ich auch neugierig, auf den nun folgenden Streckabschnitt. Hier war ich nämlich noch nicht. Es ging von der Brandaussicht nach Waitzdorf und weiter zur Kohlmühle.

Ich hatte es da erstmal komfortabel, denn die Brandstufen führen – wenn man von der Brandaussicht kommt – schön abwärts. Die Wanderer, die mir vom Tal entgegen kamen, sahen alle ziemlich mitgenommen aus. Das sind schon einige Stufen. In kürzester Wegstrecke müssen reichlich 100 Hm absolviert werden.

Brandstufen abwärts

Aber meine Entspannung währte nur kurz. Denn all die Höhenmeter, die ich hier lächelnd die Brandstufen abwärts zurücklegte, musste ich auf der anderen Seite vom Tal wieder hinauf! … „Im Zweifel aufwärts“ (diesen Spruch habe ich schon öfter beim MTB Fahren gehört … scheint beim Wandern auch zu gelten 😉 )

Nach einer kurzen, aber ziemlich unangenehmen Strecke auf der Landstraße …

 

… ging es den Dorfgrund hinauf nach Waitzdorf. Und natürlich bekam ich jetzt meine Portion Stufen 😉

Stufen den Dorfgrund hinauf nach Waitzdorf

 

In Waitzdorf verlässt man kurz den Wald. Aber nicht lang, und schon bald darf man zwei herrliche Aussichten genießen. Während die eine keinen wirklichen Namen hat (ich nenne Sie einfach mal Waitzdorfaussicht 😉 ) … natürlich mit Lilienstein! …

Blick auf den Lilienstein in der Nähe von Waitdorf (Aussichtspunkt)

 

… nennt sich die andere Ochelaussicht, die mit ihren Bänken zum Verweilen und Genießen des Lilienstein-Ausblicks einlädt.

Bänke auf der Ochelaussicht

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Danach ging es noch ein kleines Stückchen auf breiten Forstwegen weiter, bevor der Weg enger wurde und hinunter in den Kohlichtgraben führte. Nach der lichten Weite oben bei den Aussichten in Waitzdorf, war das wieder ein ganz anderes Gefühl. Enger. Gedrungener. Als ob der Wald zusammenrückt … etwas umschließen will.

Im Kohlichtgraben steht eine Informationstafel, auf der man lesen kann, dass sich das heutige Elbsandsteingebirge (Sächsische Schweiz) vor vielen Millionen Jahre einmal auf dem Meeresboden befand. Für mich ist das schon ein komischer und nicht fassbarer Gedanke. … Da wird einem klar, dass ein Menschenleben in der Zeitgeschichte wirklich nichts weiter ist als ein Wimpernschlag … und dass sich alles und immer verändert.

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Apropos Veränderung:
Unten in der Kohlmühle angekommen, kann man sehr eindrucksvoll einen Zeitzeugen der Veränderung sehen: In Kohlmühle gibt es eine alte Linoleumfabrik, die nach der Wende einfach verlassen wurde.

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Ich war da mal bei einem Lost-Places-Fotoworkshop drin und erinnere mich noch gut, dass mir das beim Fotografieren manchmal unheimlich war. In einigen Räumen lagen noch Ordner und Papiere quasi seit 1991 aufgeschlagen auf dem Tisch (natürlich verstaubt und langsam verrottend). Das war irgendwie surreal…

Lost Places – Kohlmühle

 

Nach Kohlmühle führt der Malerweg ein relativ langes Stück einfach an Bahngleisen lang. Das ist nicht wirklich spannend… eher ungewöhnlich.

Malerweg an den Bahngleisen entlang

 

Und selbst dann, als der Weg von den Schienen wegführt, ist erstmal bis hinauf nach Altdorf nichts Spannendes zu berichten. Da heißt es einfach durchhalten und einen Fuß vor den anderen setzen. Schattenspiele von Sonne und Wald waren da immer eine willkommene Abwechslung.

Schattenspiele

In Altdorf endet die offizielle dritte Etappe des Malerwegs. Von hier aus kann man mit dem Bus in Richtung Sebnitz oder Bad Schandau fahren.

Für mich war jedoch noch nicht Schluss. Ich wollte noch bis hinunter ins Kirnitzschtal zur Ostrauer Mühle. Allerdings merkte ich so langsam, dass es mir dann doch reichte. Im Laufe der Jahre habe ich für mich festgestellt, dass ich einfach nicht mehr als 20 km am Tag wandern mag. Danach beginnt für mich so etwas wie Stress. Na ja, und langsam aber sicher näherte ich mich der 20 km – Marke 😉 .

Noch ein letzter (zugegeben unerwarteter) enger Abstieg durch die Dorfbachklamm…

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… und dann hatte ich meine 2. Etappe des Malerwegs über reichlich 20 km von der Hocksteinschänke zur Ostrauer Mühle „geschafft“. Eine schöne Strecke. Abwechslungsreich. Und ich war überrascht, wie wenig Menschen an diesem strahlen sonnigen und milden Herbstsonntag auf diesem Abschnitt des Malerwegs waren. Mir ist das ja immer sehr recht 😉

Vielleicht bleibt das auch auf der nächsten Etappe so. Wer weiß … vielleicht schaffe ich dieses Jahr ja noch die dritte Tour. Die wird dann wahrscheinlich von der Ostrauer Mühle über die Schrammsteine bis zur Räumichtmühle führen. Für mich bekanntes Gebiet, und doch immer wieder schön.

Für heute aber war es gut und ausreichend Erlebnis. Der Bus schaukelt mich jetzt zwei Stunden lang zurück nach Hause und ich habe Zeit, um den Tag mit seinen tollen Momenten in Gedanken noch einmal zu genießen.

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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