Höhen und Tiefen …

Ein Blick in den Tourenplan sagte mir, dass es heute von Ludwigshafen bis nach Mainz gehen sollte. Ich hoffte darauf, dass der Tag und vor allem die Strecke ein wenig spannender wird als in den letzten Tagen. Ich will endlich mal ein bisschen mehr, als nur von Pausen schreiben 😉

Das morgendliche Wuseln vor dem Hotel in Ludwigshafen war ziemlich stressig. So direkt an der Hauptverkehrsstraße machte das keinen richtigen Spaß und wir haben uns beeilt, so schnell wie möglich aus dem Stadtstress herauszukommen.

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Der Plan war, dass wir Worms für den nächsten größeren Halt ansteuern, denn wir wollten uns in aller Ruhe den Wormser Dom ansehen.

Doch zunächst ging es – wie schon am Tag zuvor – einfach nur den Rhein nordwärts entlang. Nichts Spektakuläres. Einfach ein bisschen Zeit um Radeln.

Strecke, einfach nur Strecke

Nach 25 km begrüßte uns dann in Worms der Nibelungenturm an der Nibelungenbrücke.

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Allerdings haben wir uns nicht weiter an der Brücke aufgehalten, sondern sind gleich in die Stadt gefahren. Auf dem Weg ins Zentrum ist mir sofort aufgefallen, dass es wirklich viele mittelalterliche Stadtschlösser und Prachtbauten gibt.

Worms

Zu Fuß in die Wormser Innenstadt

Aber der Wormser Dom, als einer der drei Kaiserdome, ist das Kernstück der historischen Bauten in Worms. Also nichts wie rein in den Dom auf Besichtigungstour.

Wormser Dom

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Auch innen ist der Dom beeindruckend. Wir hatten Glück, weil heute ein sonniger Tag war, so dass das Licht den Innenraum super schön ausgeleuchtet hat.

Wormser Dom

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Und dann haben wir uns noch auf die Suche nach einem kleinen schlappohrigen Dackel gemacht, der sich irgendwo am Südportal des Wormser Doms befinden soll. 😉 Selbstverständlich haben wir ihn gefunden!

Dackel am Wormser Dom

Die Geschichte besagt, dass es sich bei dem Dackel um einen treuen Begleiter des in den 1920er Jahren mit Restaurierungsarbeiten betrauten Dombaumeisters handelt. Weil der Dackel dem Dombaumeister quasi das Leben gerettet hat und dabei selbst umgekommen ist, hat ihn der Dombaumeister zum Dank am Südportal verewigt.

Nach diesem ausgedehnten Kulturprogramm gab es – natürlich 😉 – noch ein Eis und dann hieß es, wieder in die Pedale treten. Leider führt der offizielle Rheinradweg jetzt durch nicht wirklich interessantes Industriegebiet.

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Aber auch da müssen wir eben durch. Der Sinn unserer jährlichen Flussradtouren ist ja nicht, den kürzesten Weg von A nach B zu wählen, sondern die offiziellen Flußradrouten zu erleben. Und da gibt es eben auch mal nicht so attraktive Industriegebiete.

Und dann ist es passiert. Etwa 10 km hinter Worms – wir fuhren gerade alle auf einer Umleitung des Radweges – fand ich mich ziemlich unvermittelt auf dem asphaltierten Boden wieder und in meinem Kopf schepperte es gewaltig! 🙁 🙁 🙁

Was war passiert?
Der Umleitungsradweg war eigentlich gut hergerichtet. Asphaltiert. Allerdings war die Kante zum Feld nicht auslaufend, sondern einfach eine 5 cm hohe Kante. Ich bin beim Fahren vom Radweg runter und aufs Feld gekommen (ich glaube, ich musste ausweichen). Und als ich wieder hoch auf den Radweg wollte, habe ich wohl den Lenker nicht weit genug eingeschlagen und bin von der Kante wieder runtergerutscht. Hab die Kontrolle über den Lenker verloren und bin mit der Nase und Kinn voran auf den Asphalt hingeschlagen. Uff … in meinem Kopf und Gesicht hat es sich angefühlt, als wäre ich gegen eine Wand gelaufen (bin ich ja irgendwie auch). Ich lag auf dem Boden wie ein angeschlagener Käfer und meine erste Sorge war (nicht lachen!), ob meine Zähne noch an Ort und Stelle sind! 😉 … Ich hatte nämlich das Gefühl, dass meine Zähne verstreut neben mir liegen. Aber es war alles gut. Dieses Gefühl kam wohl daher, dass Unter- und Oberkiefer beim Aufprall heftig aufeinander geschlagen sind.

Nachdem ich mich ein bisschen beruhigt und die erste Bestandsaufnahme hinter mir hatte (ich glaube das letzte mal, dass ich mal so richtig vom Fahrrad gefallen bin, war im Teenageralter!), war erstmal klar, dass nichts Schlimmeres passiert war. Am Kinn hatte ich einen ordentlichen Schmiss und der Aspahlt hat anständige Schleifspuren auf meiner Haut hinterlassen. Aber ansonsten war alles heil. Mein Helm hat da wohl Schlimmeres verhindert. Zum Glück war „Schwester“ Gabi da, die mir mein Kinn professionell mit Steri-Strips versorgte (gelernt ist eben gelernt 😉 ). Nach einer Weile fühlte ich mich wieder soweit, dass ich aufs Rad konnte (auch wenn ich ziemlich weiche Knie hatte). Es stellte sich aber heraus, dass mein Rad auch einiges abbekommen hat. Der Schalthebel für das Ritzelpaket war abgebrochen und ich konnte nur mit einem großen Gang fahren. Nicht gerade das, was ich jetzt brauchte. Aber Thorsten hat sich erbarmt und wir haben die Räder getauscht. So konnte ich halbwegs normal bis zum nächsten größeren Ort, Oppenheim, mitradeln. Dort hoffte ich darauf eine Fahrradwerkstatt zu finden, die mir mein Rad kurzfristig wenigstens soweit repariert, dass ich die Tour weiterfahren kann. Das wäre echt tragisch, wenn ich jetzt aufhören müsste. 🙁

Ich hatte Glück. Erwin Menges vom Fahrradladen in der Mainzer Straße in Oppenheim, ein super sympathischer Fahrradexperte, hatte geöffnet. Mittwoch Nachmittag ist das in einer Kleinstadt nicht selbstverständlich! 😉  Er hat echt gezaubert! Innerhalb kürzester Zeit hat er einen Schalthebel für 8 Gänge auf mein 10er Ritzelpaket so synchronisiert, dass ich die Tour zu Ende fahren konnte. Yuhuuu! Die Gänge, die mir fehlten, brauchte ich nicht wirklich. Die Tour war gerettet!

Da die anderen in der Zwischenzeit schon weiter Richtung Mainz geradelt sind, hab ich die restlichen Kilometer der Tagesetappe bei Fred, der bei mir geblieben ist, im Bus absolviert. War ganz gut so … ein bisschen „Wunden lecken“. 😉 Habe dann zur Sicherheit (und weil sich mein Kiefer irgendwie leicht verschoben anfühlte) am Abend doch noch einen Arzt in der Uniklinik aufgesucht. Nach zwei Stunden warten und 10 Minuten Untersuchung hatte ich dann die offizielle Bestätigung: im Kopf ist alles in Ordnung … sag ich doch 😉

Diese frohe Botschaft wurde jedoch gleich wieder getrübt. Während ich nämlich so in der Klinik vor mich hin warte, bekomme ich mit, wie ein Mitradler eingeliefert wird! Auch er ist, als er Manuela, die heute zu uns stoßen wollte, mit dem Rad vom Bahnhof abholen wollte, ebenfalls gestürzt. 🙁 Leider ist es bei ihm nicht ganz so glimpflich ausgegangen. Wie sich erst nach der Tour herausstellte, hatte er sich den Kiefer angebrochen. Was ist das heute nur für ein Tag?! 🙁

Wird schon wieder 😉

Jetzt war ich aber auch erledigt. Es wurde Zeit, endlich in unserem heutigen Quartier, dem Bristol Hotel Mainz, zwischen die Kissen zu krabbeln, den Tag abzuhaken und eine Mütze Schönheitsschlaf zu nehmen. Für heute hatte ich genug Höhen und Tiefen und Abenteuer… 😉

Zum Schluss gibts aber noch schnell meine Streckenaufzeichnung von Ludwigshafen bis nach Oppenheim. Die ganze Tagesetappe ging natürlich bis Mainz.

Download

Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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