Col de la Schlucht – Panoramawandern

Gestern habe ich die Wanderschuhe stehen gelassen und bin mit dem Auto einmal durch die Vogesen auf der Route des Crete, also über die Vogesenkammstraße gefahren um quasi im Schnelldurchlauf das Panorama oben auf dem Kamm zu erleben. Die Route des Crete verläuft ziemlich parallel zu meiner für heute geplanten Wanderung am Col de la Schlucht und somit passte das gut. Und da die Sonne gestern so viel mehr Lust am Arbeiten hatte, schmuggle ich hier gleich zu Beginn ein paar schöne sonnige Panoramaschnappschüsse rein, um mich für die später folgenden und ziemlich grauen Fotos von meiner heutigen Wanderung zu „entschuldigen“ 😉

Hier also erstmal in voller Pracht ein paar Eindrücke vom Rundblick oben auf dem Vogesenkamm. Für mich ist so ein Fernblick immer wieder ein magischer Moment…

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Während ich am Montag am Rand der Vogesen unterwegs war, ging es heute mitten rein in die Vogesen. Am Col de la Schlucht verläuft ein Fernwanderweg und eben auch eine schöne Rundwanderung mit herrlichen Panoramaaussichten. Die Hälfte meiner Rundtour würde heute somit direkt auf dem Fernwanderweg GR5 verlaufen, der im Ganzen über 2.000 km lang ist.

Leider hat sich das Wetter heute total verändert. 🙁 Gab es in den letzten Tagen noch herrlichen Sonnenschein und warme Temperaturen, war es heute Morgen kalt und grau. Max. 7 Grad sollten es oben auf dem Kamm werden! Aber da es ja kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung gibt, habe ich alles an Wanderklamotten angelegt bzw. eingepackt, was ich dabei habe. Dazu eine heiße Kanne Tee und so war ich gut präpariert 😉 .

Um von Riquewihr zum Col de la Schlucht zu kommen, muss man erstmal eine knappe Stunde Autofahrt absolvieren, bevor es losgehen kann. Der Parkplatz war mitten in der Woche und relativ früh am Morgen noch total verwaist.

Los gehts am Col de la Schlucht … winterlich verpackt 😉

Eigentlich ist die Wanderung ausgeschrieben als „…entspanntes Wandern über sanfte Hügel„, trotzdem ging es erstmal ordentlich bergauf … durch einen Zauberwald 😉 . Das zarte Grün an den Buchen hatte selbst bei diesem tristen Grau etwas Magisches.

Buchenwald – auch bei tristem Wetter irgendwie magisch

Und was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: diese so unmotiviert in der Gegend rumliegenden Felsbrocken würden mich praktisch die gesamte Strecke begleiten. Ich war schon jetzt froh, dass ich die knöchelhohen Wanderschuhe mit richtig fester Sohle anhatte. Dieses Rumgeeiere über Geröll und Felsen ist für die Füße echt anstrengend. 😉

Nach einigen Höhenmetern war es dann soweit! Auf freier Fläche hatte ich meinen ersten Panoramamoment des Tages. Weiter Blick in östlicher Richtung über die Vogesen … trüb und trotzdem atemberaubend frei.

Der erste freie Panoramablick des Tages

Ich bin ja so einen Frostbeule und hier oben auf dem Kamm war es echt zugig. Die Aussicht auf einen Tag, an dem mir ständig kalt ist, war nicht berauschend … also musste ich erstmal eine weitere winddichte Lage Stoff anlegen… war gleich viel besser 😉

Nun ging es einfach immer weiter entlang der Baumgrenze. Vereinzelt standen noch einige Nadelbäume, aber viel war hier oben nicht mehr mit Vegetation. Und es war witzig zu sehen, dass man an den Bäumen genau sehen konnte, woher üblicherweise der Wind weht 😉

Die vorwiegende Windrichtung ist eindeutig 😉

Der nächste markante Punkt auf meiner Tour war der Wurzelstein, der mit dem Le Tanet ein Doppelgipfelgebiet bildet.

Wurzelstein

Weiter gings über freies und windiges Passgebiet. Immer wieder auf und ab … und vor allem mit viel Geklettere über die allgegenwärtigen Felsbrocken. Aber das Panorama entschädigte für alles.

Panoaramablick entschädigt für Felsgerkraxel

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Über den Ringelbuhlkopf hinweg …

Auf dem Ringelbuhlkopf

… hatte ich dann gegen Mittag die Hälfte meiner Tour geschafft. Ich war auf dem Gazon du Faing mit seinem markanten Taubenklangfelsen, dessen steile Abbruchkante die westliche Flanke des Lac Noir (Schwarzer See) bildet.

Blick auf den Taubenklangfelsen

Hier wurde es Zeit, meinen Rückweg anzutreten und vor allem die hohe Passlage zu verlassen und zum Lac Noir abzusteigen. Von oben hat man einen wunderbaren Blick auf den See (der ein Teil eines Pumpspeicherwerks ist) und den Verlauf meines weiteren Weges.

Blick auf den Lac Noir (Schwarzer See) vom Gazon du Faing

Nach einer ausgiebigen Pause am See ging es wieder zurück, wobei sich der Weg nun gänzlich anders gestaltete. Fast romantisch verlief er immer im Wald und es gab kaum noch Fernsicht. Aber das war nicht weiter schlimm, denn Fernblicke hatte ich heute schon eine Menge genießen dürfen.

Fast schon romantischer Rückweg durch den Wald

Am Lac Vert hatte ich einen spannenden Moment. Den See hatte ich schon einige Stunden zuvor oben von meinem Passweg aus gesehen. Jetzt unten am See zu stehen und hinauf zu blicken, wo ich vor noch nicht allzu langer Zeit langgewandert bin, war ein gutes Gefühl … da hatte ich doch heute schon so einiges geschafft 😉

Blick vom Lac Vert hoch auf den Vogesenkamm

So langsam merkte ich meine schweren Beine, aber noch konnte ich mich nicht ausruhen, denn ein gutes Stück des Weges lag noch vor mir. Zum Glück kam am Nachmittag wenigstens ab und an die Sonne heraus, so dass ich mich wieder einiger Klamottenschichten entledigen und leuchtendes Grün genießen konnte.

Wenigstens ein bisschen Sonne am Nachmittag

Der Rückweg verlief, anders als die erste Hälfte der Tour, auf ständig wechselndem Höhenniveau. Ständiges Auf- und Absteigen. Und der letzte ordentliche Aufstieg bündelte sich dann ziemlich heftig auf den letzten 4 km. Ich gebe zu, dass ich zu dieser fortgeschrittenen Tour schon etwas kämpfen musste und über jede Pause / Ablenkung … wie hier am Hirschstein … dankbar war 😉

Hirschstein mit tollem Talblick

Nach sieben Stunden war ich dann (nach knapp 20 km und gar nicht so spektakulären 650 Hm in den Beinen) wieder zurück am Ausgangspunkt. Auch wenn sich meine Beine anfühlten, als wäre ich heute das Doppelte an Höhenmetern gelaufen, war es eine wunderbare Tour mit tollen Ausblicken, die ich so schnell nicht vergessen werde.

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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