Stiegentour – felsig, steil, wunderbar!

Schon vor einiger Zeit hat sich der Plan entwickelt, mal einen Schritt weiter zu gehen und nicht „nur“ zu wandern, sondern zu klettern. OK … einfach mal so die Felsen hochkrabbeln geht nicht (und will ich auch nicht 😉 ). Aber es gibt Stiegentouren, d.h. Wandern über Klettersteige. So ein Klettersteig ist ein am Felsen langführender Wanderpfad, der mit Eisenleitern und Eisenklammern (Trittstufen) ausgestattet und überwiegend mit Sicherungsseilen versehen ist. Natürlich geht es immer noch ziemlich luftig hoch hinaus, aber man kann sich durch den Einsatz von Klettersteigsets sehr gut absichern.

Soweit so gut die Theorie. Aber einfach mal so alleine losziehen und die Stiegen der Sächsischen Schweiz erobern, entspricht dann doch nicht meinem Naturell. Schön wäre, wenn ein Guide dabei wäre, der einem sagt, was und wie man was tun soll. Und da fiel mir ein, dass das AktivZentrum in Bad Schandau solche geführten Stiegentouren anbietet. Der Rest war schnell erledigt: anfragen, Termin finden und warten, bis die Tour beginnt. 🙂

Heute war es endlich soweit … und ehrlich: mir ging heute morgen dann doch der Puls etwas (sehr viel) schneller 🙂 … Ich war ziemlich gespannt, wie sich das anfühlen würde, am Felsen rumzukraxeln. Bisher bin ich ja immer nur drumrum gelaufen! Leider zeigte sich der Himmel überhaupt nicht von seiner charmanten Seite. Grau. Mit Wolken bedeckt und ich hoffte sehr, dass die WetterApp Unrecht hat und das angekündigte Gewitter einen schönen weiten Bogen um mein Klettergebiet machte.

9:30 Uhr war Treffen am AktivZentrum in Bad Schandau und ich war super erfreut, als ich hörte, dass Alrun, mit der ich in der Vergangenheit schon zwei geführte Touren gehen durfte, mein heutiger Guide auf der Stiegentour ist. Es folgte ein Transfer bis zum Beuthenfall und schon waren wir mitten drin im dichten Wald. Der Aufstieg über einen wurzeligen Weg ohne Namen, hoch zu den Affensteinen, hat meinen Kreislauf schon ganz schön in Schwung gebracht 😉

Aufstieg zu den Affensteinen

Am Bloßstock angekommen, gönnten wir uns eine kleine Pause zum Durchatmen, um dann zügig in die Affensteine „einzutauchen“. Diese hoch aufragenden schmalen Felsformationen (die ich schon so oft gesehen habe) faszinieren mich immer wieder.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Und dann war er schon da, der Eingang zur Häntzschelstiege.

Einstieg zur Häntzschelstiege

Während ich bis jetzt meine Nervosität ganz gut im Griff hatte, spürte ich nun doch dieses flaue Gefühl im Magen … was würde mich erwarten? Würde ich die Stiege schaffen? Ich hatte mir vorher im Internet einige Videos vom Durchstieg der Häntzschelstiege angesehen und gehörigen Respekt!

Am Anfang erfolgt der Zustieg über normale Stufen.

Zustieg zur Häntzschelstiege … noch ist alles normal

Doch recht schnell steht man dann vor dem eigentlichen Eingang in die steile Passage. Die Häntzschelstiege hat einen unteren und einen oberen Teil. Man kann quasi in der Mitte erstmal Rast machen und sich erholen 😉 Da vor uns noch eine kleine Gruppe Kletterer war, hatte ich genügend Zeit, um mir anzusehen, wie die sich am Felsen bewegten.

 

Beginn der Kletterpassage (Untere Häntzschelstiege)

Ich war hin und weg, denn in der Gruppe waren zwei Kinder, die mit einer scheinbaren Leichtigkeit die Tritteisen meisterten – natürlich unter Absicherung durch einen Erwachsenen und ein Klettersteigset. Und das brachte mich dann auch zu den ganz praktischen Dingen zurück … ich musste mein Klettersteigset anlegen und mir durch Alrun ausführlich erklären lassen, wie man mit dem Ding umgeht.

Na ja, und dann hieß es für mich: „Los gehts!“. Ich kann mich nicht mehr ganz genau an meine ersten Höhenmeter erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich heftig angespannt war und dass ich erstaunlich gut zurecht kam. Alrun war direkt vor mir und hat mir bei Bedarf immer wieder Tipps gegeben, wohin ich meine Füße setzen und mit den Händen greifen soll.

Es geht los! Die ersten Höhenmeter durch die Untere Häntzschelstiege

Ich weiß noch, dass ich über das ganze Gesicht wie ein Honigkuchenpferd gegrinst habe, als ich den ersten Absatz erreicht hatte.

Der erste Abschnitt ist geschafft!

Schon nach diesen relativ wenigen Metern bekam ich eine Ahnung davon, was der Lohn der ganzen Mühe ist: unglaublich schöne Aussichten, wie hier auf die Brosinnadel!

Blick aus der Unteren Häntzschelstiege auf die Brosinnadel

Bis zur ersten Plattform und damit zur Verschnaufpause galt es noch eine kleinere Stiegenpassage zu überwinden und dann erwartete uns dieses herrliche Panorama:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Aber wir waren ja noch nicht fertig mit der Häntzschelstiege. Der obere Teil wollte ja auch noch geschafft werden. Und der hatte es in sich! Während es bisher außen am Felsen lang ging, galt es nun, sich durch eine Felsspalte zu quetschen. Von weitem sah das für mich so aus, als ob ich da nie durchkomme … schon gar nicht mit Rucksack! Aber es geht irgendwie … OK, wirklich dick darf man da nicht sein! 😉

Ja! Da musste ich durch!

Und hat man (Frau) sich da durchgequetscht, erwartet einen dieser „nette“ Aufstieg … ein schmaler Kamin, der über Tritteisen nach oben führt … klaustrophobische Anwandlungen sollte man da echt nicht haben! 😮

 

Kaminaufstieg in der Oberen Häntzschelstiege

Stück für Stück habe ich den Felsen erklommen und dank der wunderbar ruhigen Anleitung von Alrun hatte ich auch keine Angst.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Es hat – trotz der Anspannung – echt Spaß gemacht. Und sich DAS Panorama vom Langen Horn so verdient zu haben, macht mich schon etwas stolz 😉

Rundblick vom Langen Horn

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Jetzt hatte ich „Blut geleckt“ … ich wollte so gern noch eine Stiege bewältigen! Und da wir bisher recht zügig durchgekommen sind, hat Alrun vorgeschlagen, dass wir noch zur Rübezahlstiege wandern und diese erklimmen. Ich fand den Plan toll. 😉 Also haben wir uns in Ruhe auf den Weg zur Rübezahlstiege gemacht. Nach einem ziemlich geraden Stück ohne Höhenunterschied ging es auf der Heiligen Stiege eine Menge Höhenmeter abwärts…

Abstieg über die Heilige Stiege

… und danach über einen schmalen Pfad mit tollen Ausblicken und herrlichen Heidekrautflächen bis zur Rübezahlstiege. Leider hatte es zwischenzeitlich angefangen zu regnen, aber da ich meine Regenausstattung dabei hatte, war das nicht weiter tragisch.

Romantischer Pfad zur Rübezahlstiege

Und dann stand ich vor dem Felsgewusel, von dem Alrun sagte, dass es dort einen Aufstieg, nämlich die Rübezahlstiege, gibt! Ich gebe zu: ich war mehr als skeptisch 😉 Von Weitem habe ich einfach nur ein Gewimmel von Felsbrocken gesehen. Wo bitte sollte es denn da für jemanden wie mich hoch gehen? 😮

Rübezahlstiege

Aber Alrun hatte natürlich Recht 🙂 … geht man etwas näher ran, erkennt man die Tritteisen im Fels.

Wo ist denn hier der Pfad?

Leider gibt es an der Rübezahlstiege kein Sicherungsseil, so dass man die Sicherung des Klettergurts nur in die Trittstufen einklinken kann. Aber das geht. Die größte Herausforderung war für mich, erstmal bist zum ersten Tritteisen zu kommen. Da ist nämlich in den ersten drei Metern nichts. Da muss man die natürlichen Tritte und Griffe des Felsen nutzen. Ich als Anfänger habe aber von Alrun noch eine zusätzliche Schlinge bekommen, so dass ich es leichter hatte 😉

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Kaum hatte ich den Einstieg geschafft, wartete die nächste Überraschung auf mich. In der Mitte der Stiege muss man durch einen ziemlich dunklen Bereich klettern… der ist fast wie einen Höhle. Ich konnte unten nicht sehen, wohin es oben ging.

höhlenartige Passage in der Rübezahlstiege

Und obwohl Alrun vor mir langsam vorgestiegen ist und ich jeden ihrer Schritte genau beobachten konnte, fühlte es sich bei mir irgendwie ganz anders an. Ich hatte plötzlich das Gefühl, gerade gar nicht zu wissen, wie und wohin ich Hände und Füße setzen soll. 😮 Da half nur kurz innehalten, durchatmen … und Alrun fragen 😉 Und wieder einmal war ich sehr froh, dass ich einen zusätzliche Schlinge zum Hochziehen und Sichern bekam! Also allein sollte man da als Anfänger echt nicht durchsteigen! 🙂

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Danach war es nur noch ein kurzes und relativ einfaches Stück und auch der zweite Klettersteig des Tages war bezwungen! Ein tolles Gefühl …

Geschafft! Blick vom oberen Ende der Rübezahlstiege

Jetzt war mein Bedarf an Klettersteigen für heute aber ausreichend gedeckt. Für den Anfang war das erstmal genug … auch wenn ich schon jetzt weiß, dass ich das nicht das letzte Mal gemacht habe. 😉

Während unserer Tour hatte ich Alrun erzählt, dass ich vor reichlich einem Jahr am Frienstein war und es nicht geschafft hatte, bis zur Idagrotte (einer ziemlich großen Schichtfugenhöhle) zu kommen. Ich hatte damals nämlich Schiss, den schmalen Grat bis zur Grotte zu gehen. Es ging mir neben dem Pfad einfach zu sehr abwärts. Und weil uns unser Rückweg zum Beuthenfall relativ nah am Frienstein vorbei führte, haben wir beschlossen, diesen kleinen Schlenker noch zu machen, meine „mutige“ Phase von heute auszunutzen und diesmal bis hinter zur Idagrotte zu gehen.

Und was soll ich sagen?! Natürlich habe ich es heute durchgezogen! 🙂

Heute kein Problem! Weg zur Idagrotte

Wenn ich mir das heute so ansehe, weiß ich gar nicht recht, warum ich damals so einen Schiss hatte. Aber vielleicht hat jedes Ding einfach seine Zeit … und gerade bin ich wohl soweit, auf schmalen Pfaden zu „wandeln“ 😉

Blick vom Fienstein und zur Idagrotte

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nachdem ich nun auch noch die Idagrotte, ok .. den Weg dahin 😉  „bezwungen“ hatte, war es aber auch gut für heute. Schnell war der Rückweg zum Beuthenfall geschafft, denn der Regen war inzwischen echt heftig. Wir hatten heute also richtiges Glück mit dem Wetter während der Tour gehabt.

Und das waren meine tollen 10 km der heutigen Stiegentour, die man nicht ohne Klettersteigset nachwandern sollte. Ich weiß aber ganz sicher, dass ich wieder auf eine Stiegentour gehen werden. Sicher noch nicht allein, aber super gern mit einem Guide.

 

Download

 

Und hier gibt es noch ein Video vom Durchstieg der Häntzschelstiege … nein; nicht von mir 😉 – Quelle: Wikipedia / Häntzschelstiege

Es gibt nicht viel zu hören, aber dafür schöne Bilder

Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

Das könnte Dich auch interessieren...

4 Antworten

  1. Jana sagt:

    Hallo Anja,
    sehr schöne Tour. Supi schön beschrieben.
    Wir wollten sie auch so machen. Sind aber leider an dem Rübezahleinstieg gescheitert. Mit Kind und wir blos Anfänger. Schade.
    Bei der Idagrotte waren wir vor 5 Jahren.

    • Anja Keller sagt:

      Liebe Jana, es freut mich, dass ich mit meinem Bericht schöne Erinnerungen bei dir wecken konnte. Und ich glaube nicht, dass man es „scheitern“ nennen kann, wenn ihr die Rübezahlstiege nicht gegangen seid. Ohne meinen Guide hätte ich da als Anfängerin niemals hochkraxeln können. Toll, dass ihr solche Touren mit euren Kids macht! Alles Gute für euch.

  2. Pit sagt:

    Hallo Anja,
    na das ist ja eine Tour. Du hast Mut!! Ich glaube, den habe ich nicht. Ob das auch für mich zu schaffen wäre, wenn ich die Alrun dabei hätte? Und was ist mit den Sicherungsgurten? Bringt den der Guide mit oder muss ich mich selber kümmern? Die Idagrotte hatte ich vor etwa zwei Jahren gemacht. Das war eigentlich kein Problem. Aber die Häntzschelstiege ist schon ein ganz anderes Ding. Sieht gruselig aus! Dein Fotos lassen mich neugierig werden, und vielleicht mache ich das auch einmal.
    Die besten Grüße aus Dresden – Pit

    • Anja Keller sagt:

      Pit, ich bin mir sicher, dass du das auch schaffst … nur würde ich das als Anfänger nicht allein machen. Das AktivZentrum organisiert den Guide und auch das Kletterset. Du musst nur Lust auf die Tour mitbringen. Vielleicht ist das ja auch eine schöne Tour im Freundeskreis (dann ist es auch pro Person günstiger 😉) … Durch die Sicherung kann eigentlich nichts Dramatisches passieren. Das hat mir viel Sicherheit gegeben. Das meiste „Grummelige“ hat in meinem Kopf stattgefunden, aber durch das ständige Kommunizieren mit Alrun hab ich das sehr gut in den Griff gekriegt. Und der Moment, wenn man es geschafft hat, ist einmalig! Probiere es ruhig mal aus!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.