Hotspot-Tour

Ja, ich gebe es zu. Seit ich vor reichlich einer Woche mitten in der Nacht zu meinem ersten Sonnenaufgang in der Sächsischen Schweiz unterwegs war, hat es mir das frühe Aufstehen und loslaufen angetan. Ich wollte so gern, gerade jetzt in dieser tollen Sommerzeit, noch einmal einen Sonnenaufgang genießen. Da kam es gerade recht, dass ich mit Doreen einen Mädels-Wander-Quasseltag geplant hatte. Ich hatte den Tipp bekommen, dass man auf dem Gamrig ganz wunderbar den Sonnenaufgang beobachten kann. Na ja und von dort ist es nicht weit bis nach Rathen, zu den Schwedenlöchern und zur Bastei … und weil das eine recht kurze Tour wäre, kann man ja noch zum Lilienstein laufen 😉 … Ich bin wirklich oft in der Sächsischen Schweiz unterwegs, aber ich bin noch nie durch die Schwedenlöcher gelaufen und auf dem Lilienstein war ich auch noch nicht. Es wurde also Zeit! Zugegeben, wir würden nicht wirklich versteckte Pfade laufen, aber das ist auch normal, wenn man diese markanten Hotspots der Sächsischen Schweiz ansteuert.

Wir hatten also einen Plan und musste natürlich mitten in der Nacht raus aus den Federn, um zum Wanderparkplatz am Gamrig in Waltersdorf zu fahren. Die Sonne sollte um 5.30 Uhr aufgehen. Zum Glück liegt der Parkplatz direkt am Gamrig, so dass wir nicht so weit durch den im Morgengrauen doch recht dusteren Wald stapfen mussten.

Kurz vor 5 Uhr … noch sehr duster

Der Aufstieg zur Gamrig-Aussicht ist wirklich sehr touristisch ausgebaut. Da braucht man keine Angst haben, dass man auch im dusteren Morgengrau irgendwie einen falschen Tritt erwischt. Ich war zwar mit Taschenlampen bis unter die Zähne ausgerüstet (irgendwie doch ein Schisser 🙂 ), aber die hat es dann wirklich nicht gebraucht … eigentlich haben die sogar gestört und wurden schnell ausgemacht und wieder im Rucksack verstaut.

gut ausgebauter Aufstieg zum Gamrig

Wir waren so rechtzeitig auf dem Gamrig, dass wir genügend Zeit hatten, uns das beste Plätzen zu suchen, es uns gemütlich zu machen und noch ein wenig die sog. Blaue Stunde (so nennt man die Zeit unmittelbar vor Sonnenaufgang bzw. direkt nach dem Sonnenuntergang) zu genießen.

Morgendämmerung auf dem Gamrig

Sitzt man oben auf dem Felsen, hat man eine wunderbare Fernsicht nach Rathen, die Basteifelsen, auf die Festung Königstein, den Lilienstein und natürlich auch Richtung Südosten über die Sächsische und Böhmische Schweiz (die ja beide zusammen das Elbsandsteingebirge bilden).

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zunächst waren wie auf dem Gamrig völlig allein. Das war richtig schön und ein sehr stilles friedliches Gefühl. Kurz bevor die Sonne aufging, bekamen wir aber doch noch durch zwei andere Wanderer Gesellschaft. Ich muss gestehen, dass ich fast ein wenig enttäuscht war, wegen der „Störung“ 😉

Doch dann bahnte sich der Tag bzw. die Sonne ihren Weg und schob sich Stück für Stück über die Richtung Osten liegende Hügelkette … zwar mit 30 Minuten Verspätung, also erst gegen 6 Uhr, aber was macht das schon, bei dem Anblick?! Erst sieht man ganz lange den immer heller werdenden Lichtschein am Horizont und dann steigt der Feuerball der Sonne nur innerhalb von 2-3 Minuten komplett am Horizont auf. So faszinierend!

Der Tag kündigt sich an

Durch die inzwischen etwas herangezogenen Wolken (es hatte zwischendrin sogar etwas getröpfelt! 😮 ) gab es am Himmel eine tolle Szenerie!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Und heute war uns der Sonnen- oder Wetter- oder Wolkengott besonders hold, denn nach dem Sonnenaufgang konnten wir dieses herrliche Streiflicht beobachten. Einfach wunderbar!

Sonnenaufgang auf dem Gamrig

Aber irgendwann war es dann auch Zeit, uns auf die Wandertour zu begeben. Einfach nur auf dem Felsen sitzen und Wolken beim Schieben zugucken war dann ja doch nicht Ziel des Tages 😉

Auf direktem Weg führte unser breiter Forstweg abwärts nach Rathen und weiter am (zum Glück noch völlig still daliegenden) Amselsee vorbei…

Amselsee

… bis unser Weg links durch die Schwedenlöcher zur Bastei abzweigte.

Wir sind richtig!

Bei den Schwedenlöchern handelt es sich um eine klammartige Felsengasse zwischen dem Basteimassiv und dem Amselgrund. Dabei geht es auf einem Höhenunterschied von ca. 160 Metern über fast 700 Stufen und zwei Eisenleitern. Wir hatten also etwas vor uns 😉

Schwedenlöcher – klammartige Felsengasse vom Amselgrund hinauf zur Bastei

Der Pfad war an manchen Stellen so eng und dabei aber von so hohen Felswänden und Bäumen umgeben, dass wir den Himmel kaum sehen konnten. Und dann wurde es plötzlich über uns auch noch sehr sehr dunkel. Das sah nach einem heftigen Gewitter aus! 😮 So war das aber nicht geplant! Meine Wetterapp hatte für den ganzen Tag strahlenden Sonnenschein gemeldet! Von Regen oder gar Gewitter war da absolut nicht die Rede. Wir waren gerade mitten in so einer von sehr hohen Felsen und Hängen umgebenen Stelle und ich muss gestehen, dass mir die Vorstellung eines Gewitters so gar nicht behagte. Das Grollen vom Donner musste an dieser Stelle vom Widerhall an den Felswänden ohrenbetäubend sein … schnell zur Sicherheit die Regenjacke übergezogen und weiter gings.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Während es auf den letzten Metern durch die Schwedenlöcher nur heftig windete und nur ganz wenige Regentröpfchen vom Himmel fielen, änderte sich das schlagartig, als wir oben am Ende der Schwedenlöcher an der Schutzhütte ankamen. Auf den Punkt genau fing es an wie aus Eimern zu schütten, aber uns hat das nicht gestört … JETZT saßen wir ja im Trocknen 😉

Lange hat der Regen aber nicht gedauert und wir konnten zum nächsten Hotspot, der Pavillonaussicht laufen. Ich war zwar schon auf der Bastei, aber den Blick von diesem Aussichtspunkt kannte ich nicht. Als wir da ankamen, hat mir ernsthaft kurz der Atem gestockt (nein nicht aus Überanstrengung! 😉 )… was für ein Blick über den Wehlener Grund zum Basteimassiv!

Blick von der Pavillon-Aussicht

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Danach ging es zur Bastei, wo wir uns endlich Zeit für eine Rast nahmen … mein Magen knurrte inzwischen ziemlich auffällig 😉 Zum Glück war es noch nicht mal 9 Uhr und auf der Bastei herrschte noch herrliche Ruhe, die wir – neben der wunderbaren und schon ´zig tausendfach fotografierten Aussicht – ausgiebig genossen.

Basteiaussicht

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wieder hinunter nach Rathen haben wir dann den unspektakulären Basteirundweg genommen und so langsam merkte man auch die fortschreitende Tageszeit, denn die Anzahl der wanderlustigen Touristen nahm sprunghaft zu.

Auch wenn wir gerade auf der Bastei unsere Frühstückspause hatten, gönnten wir uns an der Elbpromenade in Rathen doch noch einen Kaffee auf einer Sonnenterrasse. Die inzwischen echt kräftigen Sonnenstrahlen gaben uns einen Vorgeschmack auf die für heute angekündigten heißen 34 Grad 😮

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nach dieser Trödelei ( 😉 ) hatten wir nun etwas Arbeit vor uns. Unser nächstes Ziel, der Lilienstein, ist etwa 5 km Fußmarsch von Rathen entfernt, wobei knapp 300 Hm zu überwinden sind. Wir waren heilfroh, dass die Strecke größtenteils durch Wald oder zumindest am Waldrand entlang führte. In der prallen Sonne wäre dieser Weg echt eine Quälerei geworden.

Lilienstein … da wollen wir hinauf

Schatten spendender Wald

Wir haben die Nordroute für unseren Aufstieg gewählt. Dies war eher Zufall, aber im Nachhinein die bessere Wahl. Sie führte zwar auf einer längeren Strecke, aber dafür relativ stetig, bergan. Bei der Südroute muss man das letzte Stück über sehr steile Treppen und direkt am Felsen (also ungeschützt vor der Sonne) nehmen. Das wäre heute nicht besonders angenehmen gewesen.

Aber dafür hat der Ausblick oben auf dem Lilienstein voll und ganz für den schweißtreibenden Aufstieg entschädigt.

Ausblick vom Lilienstein

Der Lilienstein ist der wohl markanteste Tafelberg in der Sächsischen Schweiz, auf dem es im Mittelalter auch eine Burg gegeben hat. Während der Aufstieg über die Nordroute natürliche Gegebenheiten nutzt (die evtl. nur abgesichert wurden), hat August der Starke für seinen Aufstieg 1708 über die Südseite extra Stufen in den Fels schlagen lassen. Oben auf dem Plateau kann man im Biergarten des Rasthauses gemütlich sitzen und sich stärken (was wir natürlich getan haben 🙂 ) Und dort habe ich auch die folgende nette Geschichte gefunden 😉

… was für eine nette Geschichte

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mit dem Lilienstein hatten wir somit den letzten Hotspot unserer Wandertour für heute erreicht und wollten nun in aller Ruhe und gemütlich zurück nach Waltersdorf zum Gamrig-Parkplatz laufen. Doch ich hatte nicht damit gerechnet, dass mir meine Routenplanung mal wieder eine lange Nase zeigt 😉

Wenn ich auf Tour gehe, suche ich mir die Strecke vorher immer raus und plane den Weg für mein Navi. Ich war felsenfest der Überzeugung, dass ich genau die richtigen Wege gewählt hatte … bis; ja bis ich im Wald stand, meine Routenplanung anstarrte und mantraartig vor mich hinbrabbelte: „…aber da muss ein Weg sein! Ich habe da einen Weg geplant! Also muss da auch ein Weg sein“ 😉 🙂  Na ja, dann fängt eben das Rumsuchen nach Alternativen an … und natürlich haben wir auch was gefunden. Hat eben nur etwas gedauert. 😉

Ist das nun der Weg?

Auf den letzten zwei Kilometern wurde unser Weg dann leider etwas zäh, denn kurz vor Waltersdorf mussten wir aus dem Wald raus in offenes Gelände und da haben wir erstmal gemerkt, wie heiß es heute wirklich ist! Schlagartig hörte unsere lustiges und über den ganzen Tag gehendes Mädelsgequassel auf! Bei diesen Temperaturen haben selbst wir Mädels mal keine Lust zum Reden 🙂 Im Schneckentempo und mit schweren Beinen waren wir dann irgendwann wieder am Auto und haben die Wanderschuhe erstmal gegen schöne leichte FlipFlops getauscht. Was für eine Wohltat! 😉

Und das waren unsere 20 km entlang einiger der bekanntesten Hotspots der Sächsischen Schweiz. Eine Tour, die zwar etwas Ausdauer braucht, aber deren Wege immer breit und gut zu bewältigen sind.

Download

Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

Das könnte Dich auch interessieren...

2 Antworten

  1. Pit sagt:

    Hallo Anja,
    na Du machst ja Touren. Das wird immer spannender!! Aber sehr schöne Fotos!! Besonders gefällt mir die „Basteiaussicht“ und der „Sonnenaufgang auf dem Gamrig“. Da hat sich das zeitige aufstehen aber gelohnt.
    Viele Grüße aus Dresden – Pit

    • Anja Keller sagt:

      Pit, das stimmt … ich werde noch zur Frühaufsteherin 😉 … Hätte nie gedacht, dass auch eine Tour zu den allseits bekannten Punkten letztlich so schön wird. Es hat einfach einen Grund, dass diese Hotspots so beliebt sind. … Auf zur nächsten (Entdecker)Tour!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.