Tolle Ausblicke und eine Einsicht

Endlich ist Sommer. Hat lange genug gedauert und da muss ich einfach die Tage nutzen und raus in die Natur. Wieder einmal hatte ich Lust die Wanderschuhe anzuziehen und in die Sächsische Schweiz zu verschwinden. Und eine Tour hatte ich auch schon länger im Kopf … nämlich die, die ich eigentlich letzte Woche zum Sonnenaufgang machen wollte und dann doch ein wenig Schiss bekommen habe, weil ich so allein durch den finsteren Wald musste 😉 … Quer durch den Großen Zschand zum Teichstein, vorbei an den Thorwalder Wänden und rauf auf das Hintere Raubschloss (Winterstein).

Also los. Wenn auch nicht mitten in der Nacht, aber doch so, dass ich eine möglichst lange Zeit mehr oder weniger allein auf meiner Tour bin. Leider haben mir so einige Baustellen auf meiner Fahrt zur Neumannmühle (meinem heutige Startpunkt) meinen Plan verhagelt und ich war erst um 8 Uhr unterwegs. Der Parkplatz war schon richtig gut gefüllt. Da hatten wohl noch mehr die Idee, heute das gute Wetter für eine Wanderung zu nutzen.

Neumannmühle – mein Startplatz der heutigen Tour

Auch wenn ich heute mehr auf breiten Forstwegen statt versteckten Pfaden unterwegs sein werde, umfing mich bereits nach wenigen Metern diese tiefe wohltuende Stille, die ich jedesmal empfinde, wenn ich die ersten Schritte im Wald unterwegs bin. Die Felsformationen rechts und links vom Weg stimmten mich so richtig schön auf meine heutigen Erlebnisse ein.

Typische Felsformationen in der Sächsischen Schweiz

Nach ein paar Metern entdeckte ich am Wegrand abgestellte Räder neben diesem Felsdurchbruch, und hab mich gefragt, was das denn für einen Sinn macht? Der breite Forstweg war m.E. der einzige Weg hier und auch auf meiner Navi-Karte gab es nichts „Verborgenes“.

Warum lässt man hier sein Rad stehen?

Erst einmal konnte ich das Rätsel für mich nicht lösen. Doch viel später, auf dem Weg von der Hickelhöhle zurück zum Zeughaus, gab es das noch viel öfter. Und durch Zufall wurde ich durch einen Radlerin genau nach diesen Rädern gefragt (sie suchte ihren Mann, der zum Klettern unterwegs war). Ha! Das war also des Rätsels Lösung: die Kletterer fahren so weit wie möglich mit dem Rad an den Kletterfelsen und denn geht es quasi seitlich „in die Büsche“ 😉

Schnell war ich am Zeughaus und konnte von unten mein heutiges erstes großes Ziel sehen: den Teichstein. Da oben wollte ich hin und mein Frühstück in Ruhe genießen … nur die Sonne könnte die Wolken noch ein bisschen vertreiben!

Teichstein … da will ich rauf

Der Wegweiser versprach eine Zielankunft in 30 Minuten. Na dann los … erst auf breitem Forstweg und dann auf schmaleren Pfaden. Und auf dem Pfad kurz vor dem Teichsteinplateau hatte ich dann auch meine Einsicht des Tages: diesen Weg wollte ich vor einer Woche mitten in der Nacht gehen, um den Sonnenaufgang oben auf dem Teichstein zu erleben! NEIN, das wäre im Dunkeln, besonders weil ich den Weg nicht kannte, einfach nicht gut gegangen. Der war echt schmal und gespickt mit Wurzeln, Steinen und kniffligen Stellen:

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Selbst mit einer Taschenlampe hätte ich mir hier durchaus einige Problem einhandeln können. So war es dann doch gut, dass ich wegen der Dunkelheit Schiss gekriegt und mich für einen andere Tour entschieden hatte. So hat letztlich doch alles sein Gutes 😉 Bei Tag ist dieser Pfad aber auf jeden Fall machbar. Wie überall auf solchen schmalen Pfaden muss man eben sehen wo man hintritt, vernünftige Schuhe anhaben und sich einfach immer irgendwo festhalten, wenn einem komisch ist 😉

Dafür ist aber der Ausblick oben einfach umwerfend. Man ist noch gar nicht hinten am Aussichtspunkt, da wird man in Richtung Norden schon von diesem Panorama festgehalten:

Panorama vom Teichstein Richtung Norden

Sich da loszureißen ist echt schwer!

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Aber natürlich musste ich noch bis zum Ende des Pfades und die Aussicht dort in Richtung Süd-Westen bleibt auf keinen Fall hinter der nördlichen zurück. Einfach schön…

Blick vom Teichstein über die Kernzone der Sächsische Schweiz

Teichsteinaussicht

Da unten, an dem Häuschen mit dem roten Dach habe ich vorhin gestanden und sehnsüchtig nach oben geschaut … jetzt stehe ich oben und finde dieses Plätzchen einfach nur fabelhaft 😉

Da unten, beim Zeughaus (rotes Dach), habe ich vorhin gestanden

Und die frühe Morgenstunde hat mir doch tatsächlich die Gelegenheit verschafft, oben auf dem Teichstein in aller Ruhe und ungestört mein Frühstück zu genießen. Kein weiterer Wanderer mit Aussichtsambitionen da 😉

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Nach einer ausgiebigen Rast und Trödelzeit ging es dann wieder hinab, denn ich wollte ja noch viel mehr entdecken. Auf dem Weg hinunter sind mir dann auch tatsächlich zwei Wanderinnen begegnet. Sollten die auch das Vergnügen einer ungestörten Aussicht haben 😉

Mein nächstes Ziel waren die Thorwalder Wände. So richtig hatte ich noch keine Vorstellung davon, was mich da erwartet, würde es aber bald sehen. Nach einem Wegstück auf breitem Forstweg und vorbei an einem vom Borkenkäfer ziemlich mitgenommen Stück totem Wald (so etwas kenne ich in dieser Art großflächig nur aus dem Harz) …

der Borkenkäfer attackiert die Fichten

… ging es auf den Reitsteig und Richtung Hickelhöhle.

Reitsteig … führt die Thorwalder Wände entlang

Erst habe ich die Felsformationen im dichten Wald gar nicht gesehen, aber dann wurden es immer mehr und selbst ich konnte die dann nicht mehr übersehen 😉

Thorwalder Wände

Thorwalder Wände

Den ganzen fast 4 km langen Weg gab es einen ständigen Wechsel zwischen dunklen fast undurchdringlich dichten und dann wiederum lichtdurchfluteten Stellen. Natürlich wusste ich, dass es einfach nur Felsen sind, die da in der Gegend rumliegen, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich hinter jeder Wegkurve eine neue Welt auftat. Das war wirklich sehr … einnehmend. Ich glaube ich habe vor lauter Trödelei fast zwei Stunden gebraucht, bis ich die Thorwalder Wände und den Reitsteig passiert hatte.

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Am Ende dieses Wegabschnittes trifft man auf die Hickelhöhle. Das ist eine riesige überhängende Felsformation. Mich gruselt es ja immer irgendwie, wenn ich mir vorstelle, nachts (allein) hier drunter zu kampieren. Ich krabbel ja auch nicht gern in Höhlen rum … das ist mir irgendwie nichts … Schisser eben 😉 Aber beeindruckend sieht es schon aus, was die Natur da so fertig gebracht hat. Wie viele Geschichten der Fels wohl schon erlebt hat?!

Hickelhöhle

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Danach war erstmal wieder gemütliches Wandern angesagt. Von der Hickelhöhle ging es ein paar Höhenmeter abwärts und dann zurück zum Zeughaus. Keine besonderen „Vorkommnisse“ … was auch gar nicht so schlecht war, musste ich doch erstmal meine Eindrücke vom Reitsteig und den Thorwalder Wänden ein bisschen verarbeiten 😉

Am Zeughaus musste ich dann ziemlich schmunzeln. Da gab es einen Wegweiser, der den Weg zum Hinteren Raubschloss mit einer Stunde angibt.

Erster Wegweiser zum Hinteren Raubschloss: 1 Stunde

Keine 20 Meter weiter hat sich die Strecke auf wundersame Weise eben mal halbiert 😉 … so wünsche ich mir das manchmal auch auf meinen sonstigen Strecken. Wenn ich noch weitere 40 Meter gehe, bin ich womöglich schon da 😉

auf wundersame Weise beträgt nach weiteren 20m die Zeit nur noch 30min

Na ja, tatsächlich habe ich vom Zeughaus noch etwa 40 Minuten gebraucht, bis ich am Fuße des Winterstein (oder auch Felsenburg, oder auch Hinteres Raubschloss) stand. Da wollte ich heute noch hinauf … mir meine zweite Portion Panoramaaussicht abholen.

Winterstein … da will ich noch hinauf

Ich war da vor fast einem Jahr schon mal und es war ein Erlebnis! Damals waren wir an einem völlig vernebelten Tag unterwegs, aber gerade als wir oben waren, rissen die Nebelschwaden auf und gaben die umliegenden Felsen frei. Allerdings erinnere ich mich auch noch sehr lebhaft an den Aufstieg. Da ging es über Stiegen, felsige Tritte, eine freistehende Leiter und durch enge Spalten! 😮 … Mein Puls war damals ziemlich in Wallung und ich musste mich ganz schön zusammenreißen, diese Leiter und Felsttritte zu nehmen. Da mir mal jemand gesagt, hat, dass man Angst auch durch Übung überwindet, wollte ich das heute noch mal probieren.

Na ja, was soll ich sagen … alles wie gehabt 😉 Die Stiegen, Tritte und vor allem diese freistehende Leiter waren (natürlich) noch da. Bis zu dieser Leiter war alles völlig entspannt. Aber dann stand ich vor diesem Ding und mein Puls schnellte erwartungsgemäß wieder in die Höhe! 🙂 Und dann kommt da auch noch ein Papa mit seinen zwei kleinen Kindern (6 oder 7 Jahre) und die beiden Zwerge klettern da flugs wie kleine Äffchen die Leiter hoch, als wäre das das Normalste der Welt! 😮 … Das ist NICHT hilfreich (und auch ein bisschen peinlich 😮 🙂 )!

Also hab ich nicht weiter rumlamentiert. Meinen Mut zusammengenommen. Abgewartet, bis mal grad keiner an der Leiter stand. Gehofft, dass gerade keiner von oben kommt … und los.

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Und dann war ich oben! Ha! geschafft … Wenn ich daran denke, dass ich in etwa drei Wochen mit zwei Freundinnen eine geführte Stiegentour machen will (die geht ja so steile Wände hoch … zwar gesichert, aber trotzdem hoch), dann wird mir gerade ganz anders. 😮 😉

Doch jetzt konnte ich erstmal dieses wunderbare Panorama als Belohnung genießen! Auch wenn sich der Himmel etwas zugezogen hat, war es trotzdem schön, hier oben zu stehen.

Tolle Aussicht vom Winterstein (Hinteres Raubschloss)

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Auf diesem Felsen (auf 389m Höhe) stand tatsächlich mal eine Burg, von der nur noch ganz wenige Reste zu erkennen sind. Irgendwie gab es in den vergangenen Jahrhunderten immer mal wieder Trouble um die Felsenburg, bis sie ab 1400 langsam verfiel.

Geschichte der Felsenburg auf dem Winterstein

Heute ist das Felsplateau ein beliebter Touristenort, was ich auch erleben durfte. Da war nichts mit einsamer Ruhe zur Mittagsstunde. Plötzlich kam ich mir da oben vor, wie auf einem Marktplatz 😉 Aber das ist ja völlig normal … ich war ja auch einer von ihnen. Und schließlich hat jeder das Recht, hier oben zu sein 😉

ganz schön viel los hier 😉

Doch dann war es für heute gut mit Panorama gucken und ich machte mich auf das letzte Stückchen Rückweg. Es ging schön entspannt bergab und zum Schluss noch durch die wild romanten Spitzsteinschlüchte.

Spitzsteinschlüchte

Ja, diese Tour war genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Tolle Aussichten, stille Waldgegend und genügend Zeit, um meinen Gedanken nachzuhängen. Und dass ich den ersten Teil der Tour letzte Woche nicht bei Nacht gegangen bin, war schon völlig in Ordnung. Bei Tag war sie auch wunderschön und auf jeden Fall (tritt)sicherer 🙂

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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