Gerölliger Mataunkopf

Nachdem ich gestern einen eher ruhigen Tag hatte, weil das Wetter so gar nicht einladend war und ich auch ein bisschen Erholung von meiner Fluchtwand-Höhenweg-Tour am Samstag brauchte, wollte ich heute eine geführte Tour des Tourismusverband Nauders mitmachen. Für heute war eine Tour zu den zwei Goldseen und dem Mataunkopf (einem Gipfel von 2890m) ausgeschrieben. OK, da kamen solche Worte wie vegetationsarm, geröllübersät und alpin vor, aber wie das so ist, man hört oder liest immer  nur das, was man (Frau 😉 ) hören will 😉 , denn ich hätte eigentlich wissen können, was kommt 🙂 !

Nach den gestrigen Wasserfestspielen hier in Nauders, lachte heute der Morgen wieder mit vollem strahlendem Blau und die Sonne hatte den Sommermodus aktiviert, ohne dass es zu heiß werden sollte. Genau richtig zum Wandern.

Ein strahlender Montagmorgen

Um 8.30 Uhr war Treffen am Tourismusbüro und schnell ging es als Sechsergruppe mit Hilde, unserer Bergführerin, zur Talstation der Bergkastelbahn. Heute wurden die ersten 700 Höhenmeter mit der der Seilbahn bewältigt. Ja ja, mir ist völlig klar, dass ich erst bei der Tour am Samstag darüber gelästert habe, dass mit der Seilbahn hoch fahren, doof ist … aber was soll ich machen? 😉 So war nun mal der Plan vom Veranstalter, und ehrlich: da waren noch genügend Höhenmeter bis zum Mataunkopf übrig, dass ich nicht so böse über diese Erleichterung war.

Mit der Bergkastel-Seilbahn hoch auf den Berg

Beim Ausstieg aus der Bahn konnten wir direkt vor uns schon mal einen Blick, auf unser heutiges Wanderziel werfen… auch wenn ich zugeben muss, dass ich das nicht wirklich ausmachen konnte. Irgendwo dahinten in der Mitte 🙂

Da hinten in der Mitte ist der Mataunkopf … und wir wollen hin

 

Und nun ging es in schönem entspannten Tempo los … ins Geröllfeld!

ab ins Geröllfeld

Erst dachte ich ja, dass wäre so eine Minilaune der Natur, die da eben mal vor die Seilbahn ein „paar Steinchen“ hingekippt hat. Wir müssten da jetzt eben mal drübersteigen, und dann gehts auf „normaler“ Gras- bzw. Erdfläche weiter. Damit wäre dann das Thema geröllübersät der Ausschreibung auch gleich erledigt 🙂

Ha, was für ein Denkfehler! 😮

Dieses Geröllfeld hörte – kurz gesagt – bis zum Gipfel nicht mehr auf. OK, die Größe der Steine variierte, aber Geröll blieb Geröll. Und während es am Anfang noch relativ flach vorwärts ging, musste am Ende auch noch ein ziemlich steiles Stück auf diesem losen Geröll gemeistert werden!

Geröll wohin das Auge reicht

Ich war heilfroh, dass ich heute mit der Gruppe unterwegs war; hatte ich doch zwischendrin echt so ein paar Motivationsprobleme. Diese spitzen, unförmigen Steine bescheren einem echt unangenehmes Laufen und wackeligen Tritt. Wenn man da in der Gruppe unterwegs ist, dann kann man sich doch etwas mit Hilfe der anderen motivieren 🙂

Viel gibt es sonst über diesen karstigen, gerölligen und fast vegetationslosen Weg nicht zu sagen. Er führte einfach gerade von der Seilbahn weg zum Berg. Ich habe einfach mal die verschiedenen Geröllstufen in Bilder festgehalten, um einen Eindruck vom Weg zu geben. Mir tun immer noch die Füße weh, wenn ich die Aufnahmen sehe 🙂 …

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Mit viel Geduld und Spucke hatten wir es dann alle heil und gesund hoch auf den Grat vom Mataunkopf geschafft. Wir waren fast schon so euphorisch, als wären wir schon oben am Gipfel angekommen … aber da fehlten noch 80 Hm. Für ein Zwischenfoto (zum Verschnaufen) und zum ersten Gucken in die Gegend musste aber Zeit sein.

Was für ein Ausblick nach dieser Plackerei!

Der Ausblick da oben auf all die umliegenden Berge war umwerfend. Doch mussten wir noch ein bisschen weiter. Auf dem Foto sieht das irgendwie nicht so schlimm aus, aber ich bin teilweise fast auf Knien um Felsbrocken gekrabbelt, weil es rechts und links so steil runter ging. Also für diesen Weg ist Schwindelfreiheit eindeutig Voraussetzung!

Nur noch ein paar Meter, dann ist der Gipfel erreicht.

Und dann waren wir endlich oben … auf dem Mataunkopf mit seinen 2890m! Leider gibt es hier oben kein Gipfelkreuz, so dass nur eine Stempelstelle als Beweis meiner Anwesenheit herhalten muss 🙂

Stempelstelle auf dem Mataunkopf

 

Geschafft … oben auf dem Mataunkopf

Meine Ausblicke bei der Gipfeleroberung an der Fluchtwand am Samstag hatten mich ja schon schwer beeindruckt. Aber jetzt, hier, noch mal 600m höher, war es einfach noch ganz anders.

Blick vom Mataunkopf Richtung Nauders und über das riesige Geröllfeld

 

Blick vom Mataunkopf Richtung Italien (Reschensee) und im Hintergrund der Ortler

 

Panorama

Nach einer ausgiebigen Pause mussten wir dann (wie immer) den Rückweg antreten. Mir war nicht ganz wohl bei dem Gedanken, diese ganze Geröllfeld noch einmal zu durchqueren. Hochwärts war ja schon eine Herausforderung, aber auch noch den steilen Abstieg da durch? 😮

Hilde, unserer Bergführerin, hat uns dann den Vorschlag gemacht, dass wir den Rückweg links am Mataunkopf runter und durch das Saletztal nehmen. Da ist das Geröll und die Steine nicht ganz so doll, aber auch nicht weg. Der Nachteil dieser Strecke ist allerdings, dass wir dann die gesamten 1400 Hm bis ins Dorf laufen müssten (die Sesselbahn ist da nicht in der Nähe). In mehr oder weniger basisdemokratischer Abstimmung haben wir uns für diesen Weg entschieden und den Abstieg begonnen.

Klar ging es erstmal auch an der Seite ins Saletztal steil hinunter über Geröll, aber bei weitem nicht so viel wie auf der anderen Seite.

Abstieg ins Saletztal

Irgendwie sah das Saletztal wesentlich grüner aus, als das Tal, durch das wir auf den Mataunkopf gestiegen sind. Das Auge hatte immer etwas zu sehen, auch wenn wir die Waldgrenze eindeutig überschritten hatten.

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Schritt für Schritt näherten wir uns der Baumgrenze und konnten auch mal wieder ein paar Schritte im Schatten gehen.

Bevor es auf die letzte Etappe des 1400 Hm betragenden Abstiegs ging, gönnten wir uns auf der knuffigen Piengalm noch eine kleine Rast

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Der Abstieg zog sich naturgemäß ganz schön in die Länge, aber zur Entschädigung durften wir durch grüne Wiesen und Waldstücke wandern. Das war – nach dem reduzierten Blick oben rund um den Mataunkopf – für das Auge eine echte Erholung.

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Nach knapp 20 selbst gelaufenen Kilometer (wegen der Seilbahnfahrt ist die Gesamtstrecke etwa 3 km länger) war ich sehr froh, wieder im Hotel zu sein. Das Tempo der Tour war super ruhig. Nicht zu langsam. Nicht zu schnell. Aber meine Füße waren doch etwas maulig und der Schnupfen, den ich mir wohl am Samstag auf der Fluchtwegwanderung zugezogen habe, zickte auch rum. Also schnell auf die Hotelterrasse, etwas Essen und dann unter die heiße Dusche und den Abend in Ruhe beenden. Erholen 😉

Die Tour war nicht leicht. Ganz sicher nicht. Aber die Mühe hat sich echt gelohnt … oben auf so einem Gipfel zu stehen und rundherum in die Welt sehen zu können ist einfach unbezahlbar.

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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2 Antworten

  1. Pit sagt:

    Hallo Anja, sehr schöne Fotos. Da ist man ja selber richtig mit dabei. Und 20 Kilometer im Hochgebirge ist auch ganz schön heftig, vor allem, wenn es immer über diese Steine geht. Ich hoffe, Deinen Füßen geht es gut?
    Viele Grüße – Pit

  2. Peter sagt:

    Toller Blog, tolle Bilder…..
    weiter so……..

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