Brocken … endlich mal wieder!

Ja, lange ist es her, dass ich mal auf dem Brocken war. Genauer gesagt, war ich vor genau vier Jahren das letzte Mal auf dem Brocken und das auch noch zu Fuß! 😉 Und es wurde einfach Zeit, dass ich mich mal wieder auf den höchsten Berg Norddeutschlands bewege. Ich war in den letzten Jahren so oft im Harz; größtenteils, um an MTB Fahrtechniktrainings teilzunehmen, oder auch einfach nur um den Harz mit dem MTB zu entdecken, aber zu Fuß war ich seit 2013 eigentlich nie unterwegs.

So nutzten wir die Gelegenheit. Das Wetter sollte richtig toll werden, so dass es eine realistische Chance gab, oben auf dem Brocken eine herrliche Aussicht genießen können. Und ich brauchte heute nicht mal allein den Brocken hoch marschieren, denn ich konnte Thorsten, ein ansonsten ausgesprochener MTB Fahrer, „überreden“, mal zu Fuß, statt mit dem Rad, durch den Wald zu touren 😉  Eine passende Tour war schnell gefunden. Im Wanderbuch „Vergessene Pfade – Harz“ (ein Buch von Richard Goedeke, Brückemann-Verlag) gibt es eine schöne Rundwanderroute vom Torfhaus zum Brocken und die wollten wir heute ausprobieren.

wir hatten einen Plan – Routenempfehlung „Vergessene Pfade – Harz“ vom Brückemann-Verlag

 

Um nicht ganz unten mit der Tour zu beginnen (der Brocken hat immerhin eine Höhe von 1.141 Hm), haben wir das Auto am Torfhaus abgestellt und sind von dort hinein in den Wald.

Torfhaus – Ausgangspunkt unserer Brockentour

Auch wenn die Tour aus dem Buch „VERGESSENE Pfade – Harz“ war, mussten wir zunächst einen Weg nehmen, der so ganz und gar nicht vergessen war 😉 Über einen breiten Forstweg und natürlich in „Begleitung“ von weiteren wanderlustigen Menschen führte der erste Teil der Strecke.

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Aber es war auszuhalten .. ich kam mir nicht vor, wie auf einer Massenwanderung (ein bisschen hatte ich nämlich diese Befürchtung). Etwa 6 km ging es gemächlich durch den dichten Harzer Wald – na ja, zumindest war er meist dicht. Zwischendrin gab es immer wieder diese kahlen Stellen, an denen sich der Borkenkäfer ziemlich kräftig an den Fichten zu schaffen macht. Die im Harz früher sehr intensiv betriebene Monokultur der Fichten ist dafür verantwortlich, dass sich der Borkenkäfer dort so wohl fühlt.

Der Borkenkäfer hat ganze Arbeit geleistet

Ich weiß inzwischen, woher diese kahlen Stellen kommen, und doch erschreckt es mich immer wieder. Aber beim genauen Hinsehen kann man schon wieder feststellen, dass sich neue Vegetation zwischen alle diesem Totholz seinen Raum sucht. Die Nationalparkverwaltung hat jedoch entschieden, den inneren Bereich des Harz’es sich selbst zu überlassen und auf die Selbstheilungskräfte der Natur zu vertrauen. Nur an Stellen, an denen zu befürchten ist, dass andere angrenzende Bereiche gefährdet werden, greift sie in die Natur ein und beseitigt Stellen, die vom Borkenkäfer befallen sind.

Zum Glück gibt es aber noch ganz viele schöne dichte Stellen im Nationalpark Harz und ich wandere wirklich sehr gern mittendurch. 🙂 Nach 6 km führte uns unser Weg dann endlich herunter von der Forstautobahn und auf einen durchaus „versteckt“ zu nennenden Pfad.

… endlich runter von der Forstautobahn

Über Stock und Stein. Über moorige Flächen und parallel zur Ecker, einem kleinen lustig vor sich hin murmelnden Bach … herrlich und einfach still.

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Übrigens gibt es irgendwie überall im Harz Wasser in Form von Bächen, Tümpeln und moorigen Flächen. Es ist, als ob der Harz jeden Wassertropfen wie ein Schwamm aufsaugen würde und an unzähligen Stellen wieder frei gibt. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Wassergräben, Teiche und Stauseen es im Harz gibt. Dieses Teich-, Wassergraben- und Stauseengebiet ist seit 2010 sogar UNESCO Weltkulturerbe!

Nur einen kleinen Nachteil hatte dieser schöne verwunschene Pfad dann doch … er führte stetig bergab! 😮 . Eigentlich wollten wir ja HOCH zum Brocken, aber statt hoch ging es jetzt erstmal schlappe 250 Hm bergab … na das würde ja noch eine schöne Kraxelei geben 😉

Da hatten wir uns dann nach der Hälfte der Strecke am Rastplatz bei der Rangerstation am Scharfenstein eine Pause verdient! 😉

Rastplatz an der Rangerstation Scharfenstein

Und während wir da so saßen und die Sonnenstrahlen genossen, wurde mir allmählich bewusst, wie viele MTB-Fahrer unterwegs waren. Der Harz ist tatsächlich eine der wenigen Regionen, in denen ausdrücklich versucht wird, MTB-Fahrern ausgewiesene Strecken zu bieten und es kribbelte mir echt in den Füßen, auch mal mit dem MTB durch die Gegend zu fahren. Unter dem Begriff Volksbank Arena Harz wurden für den Nationalpark Harz verschiedene MTB Touren erarbeitet, die es gerade dem gelegentlichen Besucher des Harz’es einfach machen, mit dem Rad die Gegend zu erkunden. Ich weiß inzwischen diesen Service zu schätzen, denn ich habe selbst oft lange gesucht, bis ich in mir unbekannten Gegenden Strecken gefunden habe, die ich mit dem MTB fahren konnte. Natürlich ist man dann naturgemäß auf solchen Strecken nicht allein unterwegs, aber sie führen den Besucher eben auch an schöne Stellen und Aussichten.

Für uns hieß es dann aber auch, endlich den Aufstieg in Angriff zu nehmen.

Auf zum Brocke 😉

Auf einem breiten, mit Betonplatten ausgelegten Forstweg ging es stetig bergauf. Besonders viel gab es hier nicht zu sehen, aber ich glaube, so richtig hätte ich da auch keinen Blick gehabt, war ich doch damit beschäftigt, auf den kommenden 4 km die schlappen 400 Hm zu bewältigen. 😉

Nicht sehr spannend … eine „Betonschlagen“ führte uns stetig und ziemlich steil bergauf

Zwischendrin hatten ich dann auch noch meinen Moment, an dem ich voller Ehrfurcht quasi bildlich in die Knie gegangen bin: auf dieser im oberen Abschnitt (Heinrich-Heine-Weg / Hirtensteig) echt steilen Strecke wurden wir von MTB-Fahrer überholt!!! Ich hatte schon ordentliche Schnappatmung, als ich mich da hoch gehievt habe, und die kurbeln sich damit dem MTB hoch! Alle Achtung!

Und dann war da endlich dieser eine erste Moment, in dem sich die Baumwipfel teilen und einen herrlich weiten Blick über den Harz in die weite Ebene des Harzvorlandes frei gaben!

der erste freie Blick

Unbeschreiblich … der Wettergott war toller Laune und hat uns diesen Blick gewährt:

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Nein, der Brocken selbst ist keine Schönheit. Diese grauen Zweckbauten und dieser wahnsinnig monströse Funkmast sind schon gewöhnungsbedürftig. Es ist unverkennbar, dass der Brocken eine militärische Vergangenheit entlang der innerdeutschen Grenze hat.

Oben auf dem Brocken

…die jüngere Geschichte des Brocken

Aber auf eins konnte ich schlicht nicht verzichten! Das Triumphfoto oben auf dem Gipfel 😉 🙂 😉

Beweisfoto auf dem Brocken

Natürlich kann man oben auch eine Info-Ausstellung besuchen, aber das war es auch schon. Zwei eher ausladende Imbisbuden und eine noch weniger einladen Gaststätte animieren doch eher, dem heftig zugigen Wind zu entfliehen und den Abstieg anzutreten. So auch wir… 🙂

Obwohl ich eigentlich gut ausgerüstet war, habe ich da oben echt gefroren und die Sonnenstrahlen konnte da leider auch nicht so viel ausrichten. Das Wetter ändert sich wirklich sehr schnell auf dem Brocken. Und nicht nur ich scheine da oben gefroren zu haben. Die Vegetation machte teilweise den Anschein, als würden sich die Pflanzen und Bäume eng aneinander kuscheln, um irgendwie dem Wind Paroli zu bieten … so wie hier, bei dieser Tannenfamilie 😉

Dicht aneinander gedrängt … Schutz gegen die Wetterunbilden; auch bei den Pflanzen

Erst ein paar Höhenmeter tiefer hörte der Wind auf, so rau um meine Nase zu wehen und ich konnte wieder in aller Ruhe etwas Wärme tanken und die Umgebung genießen. Der Abstieg über den Neuen Goetheweg führte uns ein gutes Stück neben den Gleisen der Brockenbahn her und ich musste so in mich rein schmunzeln. Vor vier Jahren bin ich noch genau mit dieser Bahn von Wernigerode aus hoch auf den Brocken gedampft. Wie ein echter Tourist eben 😉

So gehts auch auf den Brocken… aber nicht für uns 😉

Und diesmal habe ich auf jeglichen Komfort verzichtet und den Aufstieg auf eigenen Füßen geschafft … ja; das ist schon ein ziemlich befriedigendes Gefühl 😉

So langsam reichte es mir dann aber doch. Meine Füße waren nach reichlich 20 km ebenfalls der Meinung, dass es für heute genug ist und so war ich dann doch heil froh, als wir dann endlich wieder beim Torfhaus anlangten und die Füße nach letztlich doch 25 km aus den Wanderschuhen heraus konnten.

Ein herrlicher anstrengender Tag mit vielen Momenten, in denen die Seele einfach nur genießen konnte, ging zu Ende. Es gibt so viele schöne Ecken hier in Deutschland, und der Harz ist ganz sicher eine dieser Stellen. Man muss einfach nur raus gehen und entdecken … quasi vor der Haustür. Ich komme jedenfalls sehr gern wieder.

Und das war sie, unsere heutige Tour zu Fuß durch den Harz und hoch auf den Brocken. Der Weg war super gut zu laufen, ging es doch 80% der Strecke über breite Forstwege und selbst der kleine „vergessene“ Pfad war problemlos zu gehen.

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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2 Antworten

  1. Pit sagt:

    Hallo Anja, schöner Bericht und sehr schöne Fotos! Ich war bisher zweimal auf dem Brocken. Das war im Herbst. Bei der ersten Wanderung schien die Sonne und die Luft war absolut klar, zwei Tage später bin ich noch einmal hoch, da lag bereits Schnee . Das Wetter auf dem Brocken kann ganz schön extrem sein.
    Seit Ihr denn eigentlich noch nach Wien gekommen?
    VG – Pit

    • Anja Keller sagt:

      Lieber Pit, ja, wir sind noch bis Wien gekommen und am Tag davor haben wir die herrliche Wachau erlebt. Ich bin nur leider bisher nicht zum Bericht schreiben gekommen 🙄😃 … steht aber ganz oben auf meiner Liste. Hab noch ein wenig Geduld 😏

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