Grenzgängerin

Ich weiß, mitten in der Woche wandern zu gehen, ist schon ziemlich – na ja – ungewöhnlich. Da sollte man besser produktiv sein (sagt zumindest die landläufige Meinung 😉 ). Doch das Angebot bzw. die Einladung der Stadt Sebnitz im Rahmen der Sebnitzer Wanderwoche 2017 war dann doch zu verlockend. Eigentlich wandere ich ganz gern allein. Kann ich doch dann mein eigenes Tempo laufen und vor allem stehen bleiben, wann immer ich will. Andererseits bieten geführte Wanderungen immer auch die Möglichkeit, Routen kennenzulernen, die man sonst vielleicht nicht auf dem Schirm hatte. Und die am Dienstag ausgeschriebene Wanderung Unterwegs auf sächsisch-böhmischen Grenzwegen war genau so eine Tour, die ich vermutlich selbst nie in Angriff genommen hätte. Natürlich war ich schon öfter in der Sächsischen Schweiz wandern, aber ich gestehe, dass ich bisher nur ein einziges mal auf der böhmischen Seite war, als ich mit dem Rad im „Handgepäck“ unbedingt zum Prebischtor wollte und dann den wunderbaren Gabrielensteig erleben konnte. Es wurde also höchste Zeit, auf neuen Pfaden zu wandeln!

Um 10 Uhr war Treff auf dem Marktplatz in Sebnitz und der Tag versprach endlich Sonne und wärmere Stunden.

Markt in Sebnitz … endlich mal Sonne

Ich hatte ein bisschen Sorge, dass bei so einer organisierte Wanderwoche auch Wandermassen am Treffpunkt sein werden und es eher nichts wird mit Individualität, aber ich war (zugegeben) froh, als ich merkte, dass wir nur neun Wanderlustige waren (die anderen mussten wohl doch produktiv sein …. irgendjemand muss ja 😉 ). Geführt wurden wir von Ursel und Reinhard, zwei passionierten Wanderern von der Wimpelwandergruppe Sebnitz-Eisenach.

Und gleich führte uns unser Weg steil hinauf, um vom Sebnitzer Markt in den Sebnitzer Wald zu gelangen.

Park vor der Kirche

Wem bis dahin noch etwas kühl war … jetzt ganz sicher nicht mehr. Zum Glück gab es schon jetzt tolle Ausblicke, so dass ich eine herrliche Ausrede hatte, wenn ich mal wieder etwas zu Atem kommen wollte! 🙂

Blick über Sebnitz in Richtung Nordosten

Und dann waren wir aus dem Ort raus und im Gelände. Sebnitz hat ja sogar ein richtiges Skigebiet 😉 … mit drei Liften. Wusste ich gar nicht. Ich bin zwar nicht wirklich jemand der Skifahren mag, aber allein schon wegen dem Blick von da oben, würde ich mal im Winter dort vorbeischauen … ist ja schon im Sommer toll!

Blick vom Skihang in Sebnitz über die Böhmische Schweiz

Das Gelände wurde zusehens dichter und es dauerte nicht lange, bis wir (nach dem Genuss einiger „romantischer“ Pfade 😉 )…

romantische Pfade

… die Grenze passierten. Wollten wir doch zum Tanzplan (tschechisch: Tanečnice) … unserem ersten Hotspot des heutigen Tages. Ich musste schon schmunzeln, als in der Buchungsbestätigung ausdrücklich stand, dass ich den Personalausweis nicht vergessen soll. Ausweis? Echt? In Zeiten von Europa? Hört sich irgendwie schräg an … aber natürlich hatte ich ihn pflichtgemäß dabei (durfte ich mich doch vor kurzem daran erinnern lassen, dass man ja eh verpflichtet ist, sich irgendwie ausweisen zu können 😉 ). Brauchte ich aber nicht. Ging alles völlig kontrollfrei über die Bühne… und selbstverständlich haben wir den Grenzübertritt zünftig bei Hütte 7/30 „gewürdigt“

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Noch ein bisschen ordentlich bergauf durch Wald, der heute noch besonderer wirkte, weil das frische Grün der Laubbäume das Licht der Sonne so weich und sanft aufnahm. Einfach schön…

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Und dann waren wir auf dem Tanzplan, dem höchsten Berg im näheren Umkreis der Stadt Sebnitz, auf 597m. Vor ewig langer Zeit (ok: 1886) ist er mal als hölzerner Aussichtsturm entstanden. Aber nachdem er einmal weggeweht und dann (nach dem Wiederaufbau) auch noch mal abgebrannt ist, wurde er 1904 in Stein errichtet. Na ja … und so steht er dann auch heute noch im Wald rum 😉

Tanzplan

Viel war nicht los; klar … an einem Dienstag im Mai ist (zum Glück) auch mit nichts anderem zur rechnen. Reinhard hat uns mit netten Geschichten von früher und einer selbst gebastelten nostalgischen Lampe unterhalten. Aber das Beste an diesem Ort ist die unglaubliche Aussicht von ganz oben. Rundum … Traumhaft. Die volle Portion Reizüberflutung!

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Doch irgendwann ging weiter auf unserer Tour. Hatten wir doch noch nicht mal die Hälfte des Weges gemeistert. Nicht mehr so sehr bergauf, sondern gemächlich durch’s Gelände. Entspannt. Plaudern mit Wanderfreunden. Den Gedanken nachhängen. Schritt für Schritt bis zu unserem nächsten Ziel … dem Wachberg in der Nähe von Saupsdorf.

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Der Ausblick von der Wachbergbaude über die Sächsische Schweiz war genau so schön, wie vom Tanzplan, aber nach dem Tanzplan hatte es gar nicht mehr diese umwerfende Wirkung auf mich, wie oben auf dem Turm. Vermutlich ist das so, wenn man einer Reizüberflutung „erlegen“ ist 😉 … In jedem Fall hatten wir alle richtig viel Zeit um das leckere Essen der Baude zu genießen.

Das letzte Stück zurück zum Markt in Sebnitz führte uns über den Panoramaweg von Saupsdorf nach Hertigswalde. Ich war so sehr mit Wandern und meinen Gedanken beschäftigt, dass ich erst nach einer Weile gemerkt habe, dass ich hier schon mal war und das tolle Panorama bewundert habe … mit dem Rad; beim Panoramaradeln. Leider war die Aussicht auf die Schrammsteine und all die anderen Berge nicht mehr so schön, da es ziemlich diesig war.

auch diesig immer noch schön … Panoramablick über die Schrammsteine hinweg

Irgendwie kann ich mich nicht erinnern, dass ich mal bei einer Wander- oder Radtour so eine richtig brillante Fernsicht hatte. So wie auf diesen Hochglanzfotos, die es überall im Netz zu bewundern gibt. Ich würde das gern mal selbst erleben. Da muss ich wohl noch einige Male hier in der sächsisch-böhmischen-Schweiz wandern oder radeln … solange bis ich mal ein solche Glück habe 😉

Nach reichlich 16 km auf einer wunderbar entspannten Wanderung im Grenzgebiet der sächsisch-böhmischen-Schweiz an einem sonnigen Dienstag waren wir wieder auf dem Markt in Sebnitz … und ein herrlich leckeres Eis war der krönende Abschluss

leckerer und verdienter 🙂 Abschluss einer tollen Wanderung

Dieser Tag Auszeit – so mitten in der Woche – war schön. Ein großes DANKE an Reinhard und Ursel, die uns mitgenommen haben. Gern wieder! Wie immer gibt es hier die ganze Tour zum Nachwandern.

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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2 Antworten

  1. Reinhard und Ursel Kirnich - Wanderführer sagt:

    Hallo Anja: Deine Wanderbeschreibung ist super. Du hast den richtigen Nerv getroffen und mit schönen Bilder die Tour untermauert. SPITZE
    Bitte Tanzplanhöhe auf 597m korrigieren. Für uns war es eine gelungene Tour mit netten Wandersleuten. Wir waren heute mit 11 Wanderern auf einer kleinen Tour bis nach Tomasov unterwegs ohne dabei den Tanzplan zu erklimmen. Die aus der Nähe von Braunschweig kommenden Wanderfreunde waren wieder mit von der Partie. Leider war die Aussicht von der hohen Straße heute nicht so schön wie am Dienstag. Danke für Deinen Wandereintrag.

    • Anja Keller sagt:

      Ui … danke für den Hinweis mit der Höhe vom Tanzplan. Ich war mir so sicher dass meine Angabe stimmt, und hatte mich auch noch gewundert, weil meine Streckenaufzeichnung genau an der Stelle vom Tanzplan knapp 600 Hm anzeigte … dachte meine Technik spinnt 😉 Alles Gute für euch und wer weiß … vielleicht bis zum nächsten Mal!

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