Wilde Hölle

Das graue Aprilwetter draußen macht so gar keine Lust auf irgendwelche Aktivitäten draußen und so komme ich endlich mal zu etwas Zeit, um ein bisschen über meine in den vergangenen Wochen erlebten Wanderungen zu schreiben.

Anfang März hatte ich Besuch und irgendwie ist es inzwischen bei mir Tradition, meine Gäste unbedingt in die Sächsischen Schweiz zu „entführen“. Ich bin einfach so begeistert von diesem schönen Fleckchen Erde, dass ich diese Begeisterung gern weitergeben will. Natürlich gibt es unzählige Wege und Streckenmöglichkeiten, aber ich bin der Meinung, dass die Schrammsteine und weiter der Schrammsteinweg für einen ersten Einstieg perfekt sind. Und für den Rückweg gibt es immer wieder neue Möglichkeiten zu entdecken. Heute sollte der Rückweg durch die Wilde Hölle führen! Aber zu diesem Abenteuer später mehr 🙂

Die Tour startete in Bad Schandau. Leider ist es von dort gar nicht so einfach, eben mal so in das Wandergebiet der Sächsischen Schweiz einzusteigen. Entweder läuft man ziemlich lange eine öde Straße hinauf bis zur Schrammsteinbaude (mein bevorzugter Ausgangspunkt für schöne Pfade zu den Schrammsteinen). Die zweite Möglichkeit ist, einfach ab Bad Schandau mit dem Historischen Personenaufzug ein paar Höhenmeter zu überwinden, einen wunderbaren Ausblick über das Elbtal zu genießen und dann weiter hinauf nach Ostrau zu wandern. Diesen Einstieg habe ich im Januar bei einer geführten Wanderung das erste Mal mitgemacht und finde ihn immer noch perfekt.

Nach einem ausgiebigen Blick in das heute leider sehr diesiges Elbtal ging es dann über Ostrau zum Klüftelweg. Dieser wild romantische und von Felsformationen gesäumte Pfad bietet einfach einen wunderbaren Einstieg in die so typischen Wege der Sächsischen Schweiz.

Klüftelweg

Vorbei an der Schrammsteinbaude und nach Querung der Zahnsgrund-Straße führte unser Weg auf dem Schießgrund aufwärts in Richtung Schrammsteine.

Schießgrund hinauf zum Schrammsteintor

Durch das Schrammsteintor ging es weiter auf dem Schrammsteinweg, bis zu der Stelle, an der man über eine Mettalltreppe hinauf zur Schrammsteinaussicht steigt.

Und an dieser Stelle muss ich ein Geständnis abgeben. 😉  Ich bin in den vergangenen Jahren schon mehrfach diesen Wege gewandert und habe jedes einzelne Mal den Jägersteig hinauf genommen. Und oben war ich dann der festen Meinung, auf der Schrammsteinaussicht zu stehen. Da war nicht der geringste Zweifel. Nur hatte ich mich immer gewundert, warum meine „erlebte“ Aussicht irgendwie nie so aussah wie auf den Bildern im Internet 😮

Erst heute ist mir der (ehrlicherweise nicht zu übersehende 😉 ) Wegweiser „Schrammsteinaussicht“ aufgefallen, der links vom Jägersteig aufwärts führt. Dieser Weg nennt sich Wildschützsteig und war mir vermutlich in der Vergangenheit zu steil, so dass ich ihn einfach aus meinen Überlegungen bzw. Wegentscheidungen ausgeblendet habe. Na ja, besser spät als nie! 😉  Heute also ging es den linken Weg über Metalltreppen und ein paar wilde Stellen ordentlich aufwärts… heißt ja auch WildschützSTEIG

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Auch wenn es anstrengend ist. Gerade diese besonderen Wege machen für mich auch immer den Reiz der Touren aus. Forstwege sind mir auf die Dauer einfach zu langweilig…

Und oben gab es dann endlich auch für mich mal die berühmte (und bei anderen schon x-mal gesehene) Schrammsteinaussicht in Echt 😉

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Nachdem wir die Aussicht ausgiebig und ordentlich bewundert hatten (war ich ja heute quasi an dieser Stelle auch Neuling) führte unser Weg immer weiter auf dem Kamm der Schrammsteinekette mit tollen Aussichten. Leider war der Himmel heute sehr wolkenverhangen.

Natürlich gehört bei einer ersten Wanderung über die Schrammsteine ein obligatorischer Stopp auf dem Carolafelsen dazu. Der Blick und gleichzeitig die zerklüftete Form der Aussichtsplattform faszinieren mich immer wieder.

Aussichtspunkt auf dem Carolafelsen

Doch dann galt es sich zu entscheiden, welchen Rückweg wir nehmen. Ich bin schon ein paar Mal auf meinen Touren am Wegweiser „Wilde Hölle“ vorbeigekommen…

… klare Ansage

… und hatte mich bisher immer für einen anderen, nichts so bedrohlich klingenden Abstieg entschieden. Aber heute wollten wir es „wagen“ 😉 Zunächst ging es noch ganz manierlich abwärts. Der Weg war zwar schmal und mit Steinen übersät, aber ansonsten nicht besonders schwierig. Man musste eben aufpassen, wohin man tritt.

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Doch dann kam die Stelle an der ich das allererste mal über Steigeisen kraxeln sollte. Ich musste erstmal einen Moment genauer hinsehen, ob es tatsächlich keinen anderen Weg gibt. Ich bin eigentlich nicht wirklich ängstlich, aber über solche Steighilfen bin ich bisher noch nie geklettert. Da ging mein Puls schon etwas schneller 😉

Uff…

 

wild…

Ich war ja völlig fasziniert. Vor uns bewältigte gerade eine Mutter mit einem etwa 10jährigen Jungen und einer ca. 5jährigen Tochter diese Passage. Und während Mutter und Sohn irgendwie ständig auf die Kleine einredeten, war die Kleine völlig ruhig; hatte keine Angst und hat die Passage toll gemeistert. Da werde ich wohl auch ohne großes Getue da drüber hinweg kommen! Also los… Einmal durchatmen, „Zähne zusammenbeißen“ und drüber… Klar hab ich’s geschafft 😉

Geschafft!

Danach ging es noch über ein paar Eisenleitern und knifflige Stellen, aber nachdem ich die Stelle mit den Steigeisen geschafft hatte, war das alles „relativ“ entspannt. Und wenn es doch zu wild wurde, bin ich sogar einfach auf dem Hosenboden runter gerutscht … was solche Treckinghosen doch so alles aushalten 😉

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Am Ende mündet die Wilde Hölle auf dem breiten und letztlich recht unspektakulären Zeughausweg, der uns wieder zurück zu den Schrammsteinen führte.  So langsam reichte es aber auch für heute. War es doch ein ziemlicher Weg mit ein paar aufregenden Stellen gewesen. Leider wurde es nichts mit einer gemütlichen Einkehr in der Schrammsteinbaude. Wegen Wechsel des Betreibers, hatte das Lokal zu und wir mussten erst noch zurück bis nach Bad Schandau laufen, um etwas vernünftiges zu Essen zu bekommen. Aber die Silhouette des Personenaufzugs, mit dem wir ja am Morgen unsere Tour begonnen hatten, wies uns dann den Weg.

Schön… wenn auch ein bisschen kitschig 😉

Und das war die Tour in ihrer gesamten „Abenteuerlichkeit“ 😉

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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1 Antwort

  1. Magdeburgerin sagt:

    Da ich in der Sächsischen Schweiz aufgewachsen bin, kann ich mich noch ganz genau an diese Hölen erinnern und auch an das Gebirge. Als Schulklassen und später auch mit den Eltern sind wir regelmäßig dort hin gewandert und hatten ausflüge, die Bilder hier zu sehen ist wirklich toll, weil sooooo vertraut 🙂
    Leider wohne ich mittlerweile in Magdeburg, bin aber so oft wie geht unten 🙂

    Viele Grüße

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