Stadtbergeroberung

Nachdem ich gestern das schöne Wetter auf meiner Runde rund um Hinterthiersee so sehr genossen habe, wollte ich heute hoch hinaus. Ein bisschen Höhenmeter sammeln und von oben einen herrlichen Panoramablick über Kufstein genießen. Im Internet hatte ich schöne Empfehlungen für eine Tour rauf auf den Stadtberg von Kufstein gefunden. Das sind zwar ziemlich viele Höhenmeter (von 500 Hm starten und bis auf 1200 Höhenmeter rauf), aber das würde ich schon hinbekommen. 😉 Der Plan war, in aller Ruhe hoch zu wandern. Oben noch eine Runde um den Berg zu drehen und dann entspannt mit dem Kaiserlift abwärts ins Tal schaukeln. „Tante Google“ hatte mir ja auch bestätigt, dass der Kaiserlift heute in Betrieb ist. Also war es beschlossene Sache und ich freute mich auf viel Panorama.

Damit ich das Ganze (fast 16 km) auch schaffe und nicht in der Dunkelheit irgendwo am Berg rumhänge, musste ich heute schon recht früh aufstehen. 😮 Denn mit dem Auto waren es vom Hotel noch eine halbe Stunde bis nach Kufstein. 9:30 Uhr war ich am Basislager Harmonie in Kufstein, wo meine Tour starten sollte. Die Sonne hatte ihre Arbeit leider noch nicht wirklich begonnen, aber ich hatte Hoffnung, dass es bald besser wird. Die Wetter-App war da ganz zuversichtlich. 🙂

Da oben wollte ich heute rumkraxeln

Hinein in den Wald und schon ging es los! Über Wiesen ging es zunächst echt steil aufwärts. Ich glaube ich habe noch nicht mal 1,5 km für die ersten 250 Höhenmeter gebraucht und (mal wieder) geschnauft wie ein altes Walross. 😮 Irgendwann hatte ich diese Feld- und Wiesenhöhenmeter geschafft und mein erstes Etappenziel, den Hinterduxerhof, erreicht.

Hinterduxerhof

Und genau da fiel mein schöner Tourenplan sang- und klanglos in sich zusammen. 😮 Ich sah die Seilbahn über mir und brauchte ein paar Momente um zu realisieren, dass die sich nicht ein Stückchen bewegte. Das stand so aber nicht auf dem Plan! 😮 … Notiz an mich: „Künftig nicht die allgemeinen Google-Infos glauben, sondern auf der Seite der Location nachprüfen!“ 😉

Naja was soll’s! Ich wollte auf den Berg und das konnte ich ja immer noch bis zu obersten Liftstation. Ich musste eben „nur“ meinen Plan umstellen und, statt oben eine Panoramarunde im Kaisergebirge zu drehen, den ganzen Weg wieder abwärts wandern. Über eine Alternativroute sollte das ganz gut gehen. Zum Glück habe ich ja so einige Navigations- und Wanderapps mit denen sich schnell Plan B fassen lässt 😉 .

Die nächsten Kilometer waren relativ unspektakulär, dafür umso anstrengender, weil steil. Auf meist breiten Forstwegen erklommen ich Meter für Meter, hoch Richtung Aschenbrenner Alm. Und endlich setzte sich die Sonne langsam durch. Ich hatte zwar nie wirklich freie Sicht auf das Tal und die umliegenden Berge, doch zumindest der Himmel wurde immer blauer und strahlender … das war ja schon mal die halbe Miete 🙂 .

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Dann hatte ich sie endlich erreicht, die Aschenbrenner Alm mit ihrer einladenden Terrasse samt grandiosem Panoramablick! Genau so hatte ich es mir erhofft!

Und der Gasthof war zum Glück bewirtschaftet! Das ist rund um Weihnachten gar nicht so selbstverständlich, denn bis zu diesem Zeitpunkt bin ich auf meinem Weg keinem einzigen Menschen begegnet. Und da auch der Kaiserlift nicht in Betrieb ist, wäre es nicht verwunderlich, wenn die Gastwirte einfach eine Pause einlegen. Aber ich konnte meinen heißen Tee samt Speckknödelsuppe auf der Sonnenterrasse genießen! Das Panorama war umwerfend. Ich machte ständig Bilder, bis ich merkte, dass es eigentlich immer das gleiche Motiv war. Aber so ist das eben, wenn man da oben steht und mit großen Stauneaugen in der Gegend rumguckt.

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Gestärkt ging es auf dem Panoramaweg weiter zur Brentenjochalm an der oberen Station vom Kaiserlift. Und der Weg verdiente wirklich seinen Namen. Fast immer auf gleichem Höhenniveau, konnte ich meinen Blick in die Weite schweifen lassen. Entweder hatte ich freien Blick weit über Kufstein, Richtung Pendling und Thiersee:

… oder ich konnte das Kaisergebirge genießen.

Blick auf das Kaisergebirge

Ich glaube ich habe ständig gegrinst wie ein Honigkuchenpferd.

Doch das schönste Panorama hatte ich an der Brentenjochalm in der Nähe vom Weinberghaus. Es war kurz nach 12:00 Uhr,  die Sonne hatte ihren höchsten Stand des Tages erreicht und strahlte mit voller Kraft. Ich musste einfach wieder Pause machen und dieses Gefühl genießen. Diese Stille. Kein störendes Geräusch. Gleißendes Licht der Sonne auf dem Schnee und der blauer Himmel. Einfach herrlich. Bitte mehr davon!!!

Panorama an der Brentenjochalm

Brentenjochalm

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Leider konnte ich nicht ewig hier sitzen bleiben, denn ich musste ja den gesamten Weg wieder zurück. 8 km hatte ich geschafft. Noch mal so viel lagen vor mir … auch wenn es jetzt bergab ging. Ich gestehe, dass mir abwärts Wandern unangenehmer ist, als die Berge hoch zu krabbeln. Mir tun immer die Knie ziemlich weh und ich war froh, dass ich Wanderstöcke bei mir hatte, die mir auch talwärts Halt geben. Und das war echt nötig, weil die breiten Forstwege, auf denen ich mich jetzt vorwärts bewegte, immer wieder vereiste Flächen hatten, die kaum sicheres Laufen zuließen. Wie gestern, war auch heute dieser ständige Wechsel zwischen Schneefeldern, vereisten Bereichen und fast frühlingshaften grünen Abschnitten sehr schön, aber gleichzeitig auch etwas zu laufen. Doch das macht letztlich ja auch den Reiz einer solchen Wandertour aus.

Die Strecke abwärts nach Kufstein war nicht besonders spektakulär. Ab und an gab es noch freien Blick über Kufstein hinweg in das Inntal, aber inzwischen hatte ich mich ja an diese Weite „gewöhnt“ … sie war fast „normal“ 😉 .

Blick vom Stadtberg in das Inntal

Und dann hat mich doch die „Abenteuerlust“ gepackt 🙂 Etwa 2 km vor der Talstation bin ich kurzerhand von diesem breiten Forstweg runter, auf einen Minipfad. Auf meinem Navi gab es einen Wanderweg, der durch die Sparchenbachklamm zur anderen Seite des Kaisertales und hoch zum Kaiseraufstieg führte. Dort bin ich schon einmal vor etwa fünf Wochen mit meinem Wanderführer Harry im Nebel zur Antoniuskapelle gewandert. Warum nicht noch mal „da drüben“ vorbeischauen?! 😉

Beim Einstieg in diesen kleinen Pfad war ein kleines bisschen mulmig. Es war ein echt schmaler Weg und der steil nach unten ging. Aber gut. Was soll schon groß passieren? Der Weg war offiziell als Weg ausgeschildert und nicht gesperrt. Und doch hatte er es in sich! Er führte mich über Schneepfade und Treppen tief hinunter in die Sparchenbachklamm. Es war ein schöner Weg. Eingebettet in hoch aufragende Felswände. Aber schneebedeckt eine echte Herausforderung. Zum Glück gab an kritischen Stellen immer Geländer zum Festhalten.

Hinunter ins Kaisertal (Sparchenbachklamm), flankiert von hohen Felswänden

Und das, was mich im unten erwartete, hat mich für all dies Mühe belohnt! Das tosende Geräusch hatte ich schon beim Abstieg gehört. Dabei war da unten eigentlich nur der derzeit recht kleine Sparchenbach, der sich durch die Felswänden schlängelte. Aber durch die eng stehenden Felswände machte er Krach wie ein großer reißender Fluss. Unten zu stehen, das tosende Geräusch des Baches zu hören; eingebettet in die hohen Felsen, war ein beeindruckendes Gefühl. Ich war so froh, dass ich diesen Abzweig genommen habe.

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Doch leider konnte ich auch hier nicht ewig bleiben. Hier unten im Tal war es schon ganz schön duster und ich musste doch noch die steile Talwand wieder hinauf steigen. Deshalb wurde zum Abschluss meinem Puls noch einmal heftig in die Höhe getrieben 😮 Wie immer hat es aufwärts etwas gedauert, bis ich wieder oben auf dem schönen breiten Weg (Kaiseraufstieg) war, auf dem ich dann in aller Ruhe zurück zu meinem Auto gelaufen bin.

Die Zeit war inzwischen schon recht fortgeschritten, und die niedrig stehende Abendsonne tauchte Kufstein und das Inntal in ein ganz wunderbares weiches Licht. Dies zum Abschluss meiner Wanderung noch zu sehen, hat meinen Tag einfach rund gemacht.

Ich liebe ja Pläne, aber manchmal gehen sie nicht auf, weil das Leben andere Wege geht. Und dann bin ich freudig überrascht, was sich daraus für schöne Momente und Erlebnisse ergeben. So wie heute zum Schluss der Tour. Die Strecke durch die Sparchenbachklamm im Kaisertal hätte ich nie in Angriff genommen, wenn der Kaiserlift in Betrieb gewesen wäre. So hat sich aus einem nicht funktionierenden Plan noch ein wunderbar zusätzliches Erlebnis ergeben, dass ich nie vergessen werde. 🙂 So wie diese ganze Tour!

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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