Friedlich

Eigentlich hatte ich heute so gar keine Lust irgendwelche Aktivitäten zu unternehmen. Nach den gestrigen 600 km im Auto wollte ich einen Trödeltag mit Sauna und Nichtstun im Hotel verbringen. Ich war wieder einmal zu Gast in meinem Lieblingshotel Juffing in Hinterthiersee. Doch als ich heute Morgen aus dem Fenster sah, begrüßte mich ein strahlend blauer eiskalter Himmel. Da konnte ich nicht im Zimmer bleiben. Ich musste raus. Also habe ich mir schnell meine Wanderkluft angezogen und bin los.

Zuerst ging es gleich links hinter dem Hotel über den Sonnseithang zu einem Aussichtspunkt, der mich in den Tag einstimmen sollte. Auf einem kleinen Hügel steht ein am Abend immer beleuchtetes Kreuz. Am Tag hat man einen wunderbaren Blick auf das Kaisergebirge

… und im hinteren Teil auf die Bergkette der Brandenberger Alpen.

Auch wenn ich nicht das erste Mal hier bin und die Gegend bereits zu Fuß oder auch mit dem Mountainbike erkundet habe, bin ich immer wieder fasziniert, wie blauer Himmel, Sonnenschein und die Berge auf mich wirken. Irgendwie hatte ich die ganze Zeit ein Lächeln im Gesicht.

Nach dem ausgiebigen Genuss der Weite der Berge, ging es für mich auf die Wäschkogel-Runde. Doch dazu hieß es erst einmal die Sonne verlassen und in den Wald eintauchen. Stetig bergauf und parallel zur Glemmbachklamm eroberte ich Höhenmeter um Höhenmeter.

Ich liebe es ja, die Gegend um mich herum zu fotografieren. Seit kurzem habe ich auch immer mal wieder eine Spiegelreflexkamera dabei. Doch nach ein zwei Versuchen, während des Wanderns zu fotografieren, habe ich die Kamera dann doch im Rucksack gelassen. Denn wieder einmal musste ich feststellen, dass „eben mal ein professionelles Foto machen“ so nicht funktioniert. Dazu brauche ich einfach mehr Zeit. Da darf nicht das Wandern im Vordergrund stehen. Doch wandern wollte ich heute. Also habe ich wieder meine Handykamera gezückt und wild drauf los geknipst. 😉

Irgendwann auf dem Weg dachte ich bei mir so, hier war ich doch schon einmal! Und dann fiel es mir ein. Vor reichlich zwei Jahren habe ich hier eine meiner ersten Mountainbiketouren gemacht und ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich mit hängender Zunge hinaufgekrochen bin. 😉 Ich glaube, damals habe ich gefühlt alle 50 m Pause gemacht. Wenn man wandernd unterwegs ist, geht es sehr viel geschmeidiger.

Um den Wäschkogel-Berg drum rum führte mich mein Weg dann zum Kranhof. Dies ist keine bewirtschafte Lokalität, aber ein wunderbarer Platz um eine Pause einzulegen. Ich saß da, habe die Weite und die schneebedeckte Fläche im gleißenden Licht der Sonne genossen. Es war einfach herrlich.

Und dann ging es wieder hinein in den Wald. Ein bisschen abseits der breiten Forstwege führte mich meine Tour zur Modalwiese. Auch wenn es hier – wie vermutlich überall im restlichen Land – für die Jahreszeit viel zu warm ist, hat sich an einigen Stellen immer noch der letzte Schnee gehalten. Dieser ständige Wechsel von grünen Flächen und mit Schnee bedeckten Wiesen war einfach einen Pracht fürs Auge. Zwischendrin gab es sogar Bäume mit Eiskristallen auf den Zweigen. Diese reflektierten das Sonnenlicht und den blauen Himmel unglaublich schön.

Einmal um die Modalwiesen herum und noch ein paar Höhenmeter erklommen, gönnte ich mir wieder eine Rast. Und das Plätzchen war echt lustig gequält! Ich konnte frei laufenden Schweinen bei ihrem entspannten Tun (der permanenten Suche nach Futter) zusehen. Ja, solch ein tierisches Leben führt bestimmt zu ganz besonderem Biofleisch. 🙂 Nach meiner Rast ging es noch ein paar Meter abwärts durch den Wald bis zum Wieshof (eine bewirtschafteten Jause), bei der ich mir dann doch noch einen heißen Kaffee gönnte.

Langsam wurde es späterer Nachmittag, und ich musste mich sputen. Wollte ich doch heute unbedingt den Sonnenuntergang auf dem Bichlhörndl, bei der Kapelle hinter dem Hotel erleben. Ich hatte schon ein paar mal gesehen, wie die untergehende Sonne die Gipfel des Kaisergebirges in gleißendes rotes Abendlicht taucht und das wollte ich heute von diesem exponierten Platz aus in aller Ruhe genießen. Da ich mich unterwegs etwas vertrödelt hatte, musste ich die letzten Meter ziemlich rasch zurücklegen. Denn die Sonne sollte pünktlich um 16:24 Uhr untergehen. Aber ich habe es geschafft! Und ich konnte zum Abschluss des Tages einen wunderbaren Sonnenuntergang erleben.

Auf meinem gesamten Weg heute durch den Wald und über die Felder sind mir kaum Menschen begegnet. Ich habe diese Stille und Einsamkeit wirklich sehr genossen. Nach der Turbulenz und Anspannung der letzten Wochen war das eine solche Wohltat. Und selbstverständlich werde ich den morgigen Tag (der wieder sonnig werden soll) auch mit einer schönen Wanderung verbringen.

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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