Auf vernebelten Pfaden

Eigentlich hatte ich heute morgen so gar keine Lust aufzustehen und wandern zu gehen. Es regnete. Es war grau. Also überhaupt nicht mein bevorzugtes Wetter um draußen rumzurennen. Und ich war überhaupt viel zu müde 😮

Ich hatte mich als Teilnehmerin beim Wanderfestival in Bad Schandau angemeldet. Ich wollte die ausgeschriebene und geführte Tour „Durch die wilde Sächsische Schweiz“ mitwandern. Und der Veranstalter hatte echt Pech mit dem Wetter am Veranstaltungswochenende. Seit Freitag regnete es praktisch ununterbrochen. Und dann hab ich doch so ein bisschen ein schlechtes Gewissen gekriegt. Wenn alle daheim bleiben, ist das ja auch doof. Da macht sich ein Veranstalter so viel Mühe und dann kommt keiner. Jeder Wanderer hat doch (normalerweise) auch Kleidung für solche Tage!

Also habe ich mich in (für meine Verhältnisse 😉 ) aller Frühe mal wieder  aufgerafft und bin nach Bad Schandau gefahren. Auf dem Weg dahin war es relativ trocken und meine Laune wurde etwas besser. Durch den vielen Regen war es aber ganz schön neblig. Ich musste einfach an meiner Lieblingsausguckstelle an der Landstraße zwischen Rathewalde und Bad Schandau anhalten und nachsehen, wie das im Fernblick auf den Lilienstein so aussah. Ja … war schon ordentlich neblig!

Lilienstein im Nebel

Lilienstein im Nebel

Leider schüttete es ein paar Minuten später, bei meiner Ankunft in Bad Schandau, schon wieder wie aus Eimern und so richtig viele Wanderer waren auch nicht da. Aber das Standpersonal vom Veranstalter war super sympathisch und tapfer. So Schade, wenn das Wetter nicht mitspielt.

Veranstaltungsgelände vom Wanderfestivals Bad Schandau

Veranstaltungsgelände vom Wanderfestivals Bad Schandau

Um 9.30 Uhr ging es für uns sechs Teilnehmer gemeinsam mit unserem Guide Alrun (von der Nationalparkverwaltung) auf die Tour. Jetzt nieselte es zum Glück nur noch … es bestand also Hoffnung 😉 .

Erstmal hieß es ein Stück mit dem Wanderbus bis zur Neumannmühle fahren. Das ist eine Berghütte mit Unterkunftsmöglichkeit, aber vor allem mit einem technischen Museum, einer Sägemühle, wie sie typischerweise lange Zeit betrieben wurde. Leider hatte das Museum noch geschlossen, so dass wir uns die Mühle nicht ansehen konnten. Vielleicht beim nächsten Mal.

Neumannmühle (Sägemühle als Museum)

Neumannmühle (Sägemühle als Museum)

Aber nun ging es endlich hinein in den Wald. In das Gebiet des Großen Zschand.

Hinein in das Gebiet des Großen Zschand.

Hinein in das Gebiet des Großen Zschand.

Und wie jedes Mal, wenn ich in den Wald eintauche, so wie heute in die Sächsische Schweiz, überfällt mich immer erstmal so eine völlige Reizüberflutung. Diese Stille und doch leise Geräusche. Das grüne Moos an den Felsen. Ich will das alles dann irgendwie ganz schnell in mich aufnehmen. Fast ist es wie eine panische Angst, dass dieses Gefühl gleich wieder weg ist. Ich brauche immer eine Weile, bis ich realisiere, dass mich das jetzt die nächsten Stunden begleiten wird. Ich nicht wie wild rumknipsen muss, sondern einfach Zeit haben, zu genießen. Wir sind recht schnell von der breiten Zeughausstraße in die Spitzsteinschlüchte eingebogen. Einem schmalen Pfad aufwärts, der uns eben mit dieser besonderen stillen intensiven Stimmung umfing.

Besondere Stimmung in auf dem Spitzsteinschlüchte

Besondere Stimmung in auf dem Spitzsteinschlüchte

Ordentlich aufwärts ging es Richtung Winterstein, der wohl besser bekannt ist unter der Bezeichnung Hinteres Raubschloss. Und schon nach ein paar Metern ging es los mit Klamotten anziehen / Klamotten ausziehen. Das ist echt jedesmal das Gleiche bei mir. Erst friere ich wie ein Schneider (es waren nämlich bei Tourstart irgendwas um die 11° 🙁 ) und sobald ich mich bewege, ist mir wieder zu warm. Dann wieder zu kühl …

Vorbei an den Lorenzsteinen ging es Höhenmeter um Höhenmeter. Bis wir am Fuße des Wintersteins standen.

Am Fuß des Winterstein (Hinteres Raubschloss)

Am Fuß des Winterstein (Hinteres Raubschloss)

Alhut meinte so „… jetzt geht es hier über Stiegen und Leitern weiter. Ihr seid ja alle trittsicher, aber passt schön auf.“ Klar … sieht doch gar nicht soooo schlimm aus. Und über eine Stiege bin ich ja auch schon auf die Felsen hoch, als ich auf den Schrammsteinen rumgekraxelt bin. War ja damals nicht schlimm.

Hier gehts hinauf

Hier gehts hinauf

Also los gehts … wäre doch gelacht, wenn ich das nicht hinkriege. Das habe ich genau solange gedacht, bis ich hier vor dieser Leiter stand! Ja genau! 😮 … da ging es rauf! Und das war nur der erste Teil.

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Ich gebe zu, dass ich echtes Muffensausen hatte. Eine freistehende Leiter bin ich so noch nicht hinauf gekrabbelt. Aber kneifen galt nicht. Zumal vor uns eine Familien mit zwei Kindern war, die da völlig locker und easy hochmarschiert sind! 😉

Die Leiter war aber noch nicht alles. War man an der Leiter oben, musste man auf den Felsen wechseln, und dabei einen tieferen Spalt überwinden … 😮 … und ich hab wie eine Schlange diesen dämlichen Spalt angestiert und gedacht „nur nicht reinfallen!“ 🙂 … so ein Quatsch! Ich hätte nicht mal mit einem Bein reingepasst! Alles nur eine Kopfsache!

Und als ich dann endlich von der Leiter runter war und auf dem Felsen stand, musste ich noch durch diesen schalen Spalt durch! Hier auf dem Weg nach unten fotografiert und vor Herzrasen auch noch verwackelt 😮

Hier auch noch durch!

Hier auch noch durch!

Aber als auch ich es endlich nach oben geschafft habe, wurden ich mit einem unsagbar tollen Panorama belohnt. Just, also wir auf dem Gipfel des Wintersteins / Hinteres Raubschloss standen, hat sich der Nebel etwas gelichtet und gab diesen herrlichen Blick frei. Ich war völlig hin und weg!

Was für ein Panorama - Winterstein (Hinteres Raubschloss)

Was für ein Panorama – Winterstein (Hinteres Raubschloss)

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Hier oben hat tatsächlich mal eine Felsenburg gestanden. Wie haben die das nur mit der alltäglichen Versorgung gemacht?! Da fehlt mir so ein bisschen die Fantasie, denn damals wie heute ging es nur über so eine schmale freischwingende Leiter hinauf! Verrückt… aber dann auch nicht so schnell einnehmbar. Hat auch Vorteile. 😉 … Irgendwann ging es den ganzen Stiegenweg dann auch wieder runter … was ich fast noch etwas aufregender fand, als den Aufstieg, aber die ganze Kraxelei hat sich echt gelohnt.

Nach diesem Highlight ging es immer tiefer in das Kerngebiet der Sächsischen Schweiz hinein, in Richtung Großer Winterberg. Der Nebel, bzw. sein „wabern“ durch den Wald verzauberte die ganze Gegend in etwas fast Mystisches. Ganz besonders ist mir das beim Aufstieg durch das Heringsloch aufgefallen.

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Ich war vor einiger Zeit schon einmal hier in diesem Gebiet und bin das Heringsloch hinabgestiegen. Und damals habe ich noch so gedacht: „… oh man, bergab ist dieser Weg ja schon echt anstrengend. Wie geht es da wohl denen erst, die hier hoch müssen?!“ … Tja, und heute konnte ich das höchstpersönlich erfahren. Wir sind nämlich das Heringsloch diesmal hoch … und JA, es ist anstrengend 😉 … aber so schön!

Heringsloch aufwärts - anstrengend, aber schön

Heringsloch aufwärts – anstrengend, aber schön

Das Wetter sorgte heute dafür, dass wir so ziemlich allein auf unseren Pfaden unterwegs waren. Ich mag das ja sehr, so einsam durch den Wald zu streifen. Der weitere Weg führte uns entspannt, aber ohne besondere Momente über den Reitsteig und den Zurückesteig auf den Schrammsteingrat. Leider hatte sich der Nebel nun richtig zusammengezogen und waberte als dicke Suppe durch die Gegend. Mit viel Aussicht war da leider gar nichts mehr. Und manchmal war es sogar im Wald so neblig, dass ich kurzzeitig Mühe hatte, meine Mitstreiter zu sehen … Ok; zugegeben – ich war dann aber auch durchaus etwas hinterher, weil ich mal wieder meiner Fotoleidenschaft nachgegeben habe 😉

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Selbst die vom Borkenkäfer befallene und völlig zerstörte Waldfläche hatte diesmal (anders als Anfang Juli, als ich sie das erste mal gesehen habe) auch irgendwie etwas Besonderes:

toter Wald im Nebel

toter Wald im Nebel

Am Ende sollte der Schrammsteingrat unsere Wanderung mit seinen besonderen Aussichten krönen, aber da war heute wirklich nicht viel zu machen. In Richtung Elbe war überhaupt nichts zu erkennen.

Nichts mehr zu erkennen

Nichts mehr zu erkennen

Und so haben wir unsere Wanderung durch die wilde (neblige) Sächsische Schweiz ohne weitere Fernsicht, aber trotzdem in einer wunderbar entspannten Stimmung beendet, wobei es noch einmal ziemlich luftig über den Jägersteig abwärts ging. Ich freue mich ja immer wieder, wenn ich auf meinen Wandertouren wieder an Stellen bin, die ich erkenne, weil ich hier schon mal war. Und den Jägersteig als Zugang zum zentralen Felsmassiv der Sächsischen Schweiz, den Schrammsteinen, habe ich auch schon erklommen … eben in der Aufwärtsrichtung.

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Das Schrammsteintor war dann beim Verlassen des Schrammsteingrats die letzte Attraktion unserer heutigen Tour.

Schrammsteintor ... Das Tor zum Schrammsteingrat

Schrammsteintor … Das Tor zum Schrammsteingrat

Der Obrigensteig führte uns zurück zur Elbe. Und genau, wie ich zu Beginn der Wanderung so eine Reizüberflutung beim Eintritt in den Wald erlebt habe, so sehr habe ich immer am Ende einer Tour, wenn ich wieder in der „Zivilisation“ bin, diesen unbändigen Drang sofort wieder zurück in den Wald zu gehen. Zurück in die Stille. Auch heute. Ich brauche dann immer ein paar Momente, um diesen „Kulturschock“ zu verdauen und mir gleichzeitig zu versprechen, ganz schnell wieder zu kommen … auch im Nebel. Denn Sonne kann ja jeder  😉

Und hier gibt es wie immer die gesamten 15 km Wanderung durch die wilde Sächsische Schweiz, die heute wirklich ihrem Namen alle Ehre gemacht hat. Danke an Sportscheck und der Nationalparkverwaltung für die Ausrichtung dieses Wanderfestivals. Ich war am Ende so unglaublich froh, am Morgen nicht im Bett geblieben zu sein! 🙂

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Warum hier eine Streckenlänge von über 20km angegeben wird, kann ich leider nicht sagen. Es waren tatsächlich 15 km und knapp 500 Höhenmeter.

Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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4 Antworten

  1. Caro sagt:

    Egal bei welchem Wetter in der sächsischen Schweiz ist es immer schön und es gibt auch bei Regen und Nebel immer was neues zu entdecken egal wie oft ich schon da war.

  2. Pit sagt:

    Hallo Anja,
    das Hintere Raubschloss ist wirklich ein schöner Felsen! und immer wieder aufregend da hoch zu kraxeln. Du solltest die Tour aber unbedingt mal bei schönem Wetter machen, weil die Aussicht soooo!!! schön ist (Lorenzsteine, Hausberg, Kuhstall, Tanzplan usw.). Finde ich schön, dass Du die hohe Leiter geschafft hast. Ich gebe zu, dass ich beim ersten Mal auch Muffensausen hatte. Aber irgendwie toll, wenn man oben steht.
    Viele Grüße – Pit

  3. Hallo Anja,
    da haben wir uns ja knapp verpasst in der Sächsischen Schweiz 🙂 Wir waren Ende September/Anfang Oktober da. Da hatten wir ganz unverhofft auch etwas mehr Glück mit dem Wetter. Aber ich finde, der Nationalpark ist zu jeder Zeit ein großartiges Reiseziel. Eine so faszinierende Landschaft hab ich in Deutschland bisher noch nicht gesehen. Da kann man auf jeden Fall immer wieder hinfahren. Wir hatten unsere „Basis“ in Bad Schandau (wenn du magst kannst du ja mal nachlesen: http://sos-fernweh.com/der-ganz-spontane-kurzurlaub-saechsische-schweiz/ ). Von da aus haben wir mit Kund unsere Entdeckungstouren gemacht.
    Im Frühjahr fahren wir das nächste Mal, dann wollen wir unser Lager in Rathen aufschlagen 🙂

    Viele Grüße
    Janina

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