RadWanderung – mit großem Handgepäck

Ich habe ja schon längst festgestellt, dass das Radwandern und damit das Entdecken neuer Gegenden für mich der schönste „Gebrauch“ des Rads ist, auch wenn es dabei durchaus auch etwas sportlich zugehen darf. Da ist es letztlich auch egal, ob ich mit dem Mountainbike oder dem Rennrad unterwegs bin. Hauptsache es gibt immer auch etwas für das Auge. Das ich mich aber heute in einer echten Wanderung mit Rad wiederfinden würde, war so allerdings nicht geplant 😉 … und doch war genau das heute der Fall. Wie es dazu kam? Na ja… es hat sich so ergeben 🙂

Ich hatte mal wieder Lust, eine neue Strecke im Elbsandsteingebirge zu entdecken. Mit dem Mountainbike. Ein wenig Höhenmeter sammeln 😉 Eine Freundin hatte mir vom Prebischtor vorgeschwärmt, dieser spektakulären Felsformation, die in der Böhmischen Schweiz (dem tschechischen Teil des Elbsandsteingebirges) zu bestaunen ist. Und heute war ein guten Tag dafür.

Da das Elbsandsteingebirge ein Nationalpark und somit ein Naturschutzpark ist, darf man nur auf ausgewiesenen Radrouten fahren. Und von einer dieser Radrouten in der Böhmischen Schweiz geht ein Weg zum Prebischtor ab. Also warum das nicht irgendwie kombinieren? Vielleicht Rad stehen lassen und zum Prebischtor wandern?! Und dann zurück wieder durch das Kirnitzschtal in der Sächsischen Schweiz (dem deutschen Teil des Elbsandsteingebirges). Mal sehen.

Elbsandsteingebirge Radwegekarte

Elbsandsteingebirge Radwegekarte (Quelle: http://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/besucherinformation/radfahren/)

Und um 6 Uhr(!) war ich heute tatsächlich in der Straßenbahn auf dem Weg zum Zug. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Dresden in die Sächsische Schweiz ist wirklich toll. Da ich in Schöna starten und in Bad Schandau ankommen will, ist eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln echt entspannt. Zur ersten Fährüberfahrt von Schöna nach Hrensko (Böhmische Schweiz), wo heute meine Radtour wirklich startet, war ich um 7.30 Uhr an der Elbe. Das Licht war einfach unglaublich … und es war still. Keine Hektik. Kein Lärm. Einfach schön.

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Los gings in Hrensko auf der gelben Radroute Nr. 21, hinein in die Böhmische Schweiz. Zunächst etwa einen Kilometer entlang ziemlich kitschiger Touri-Souvenierläden. War allerdings schnell vorbei und ich war drin im Wald. Leider führt die Radroute 21 auf der Landstraße entlang und das mag ich nicht so gern. Zum Glück kam nach knapp 4 km der Abzweig zum Prebischtor. Doch das bedeutete auch ein kleines Problemchen für mich.

Eigentlich hatte ich vor, mein Rad am Abzweig stehen zu lassen und zum Prebischtor zu wandern, wobei ich irgendwie davon ausgegangen bin, dass es hier einen mehr oder weniger bewachten Rastplatz oder ähnliches gibt. Aber leider war da nichts dergleichen. Einfach nur ein Abzweig. Hier wollte ich mein Rad nicht wirklich stehen lassen. Also habe ich mich entschlossen, das Rad mitzunehmen. Schließlich laufen hier jeden Tag Wanderer aller Alter- und Konditionsstufen hinauf zum Prebischtor. Da kann es sich doch eigentlich nur um einen halbwegs anständigen Weg handeln, den ich auch mit dem Rad (natürlich schiebend) hoch komme. Das kann doch nicht so schwer sein! … Dachte ich 😉

Also los gings! Abgebogen auf den Weg mit der roten Markierung … dem Gabrielensteig. Der Weg war breit. Zwar sehr steinig und beim besten Willen auch nicht befahrbar (was ja sowieso verboten ist). Ich hab ja eh geschoben…

etwas holprig

etwas holprig

Dabei ist mir mal wieder bewusst geworden, dass ein Rad berghoch schieben echt anstrengend ist. Manchmal fast anstrengender als im kleinsten Gang gekurbelt.

Und ich war völlig allein. Gerade findet im Elbsandsteingebirge der 116. Deutsche Wandertag statt und ich hatte so meine Bedenken, dass mir Horden von Wanderern begegnen und es nichts wird mit Ruhe und Beschaulichkeit. Aber es war alles gut. Nur das Gezwitscher der Vögel und ab und ein ein Stöhner von mir, wenn ich mein Rad mal wieder über ein Hindernis hieven musste, denn ziemlich bald wurde aus dem breiten Wanderpfad ein sehr schmales Weglein, auf dem einfach auch mal heftig große Felsbrocken lagen. Da blieb mir nichts anderes übrig, als mein Rad zu „schultern“ und so um die Ecke zu tragen. Quasi als großes Handgepäck 🙂 … RadWandern eben … was sollte ich denn sonst tun?! 😉

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Und dann war ich endlich oben … am Prebischtor. Und JA, es ist ein spektakulärer Anblick, auch wenn der Himmel etwas wolkenverhangen war.

Das Prebischtor ... ein spektakulärer Anblick

Das Prebischtor … ein spektakulärer Anblick

Ich war gegen 9 Uhr da und ein bisschen früh dran. Der Zugang auf die Felsformation war leider noch geschlossen. Die Gaststätte, über die der Zugang möglich ist, öffnete erst um 10 Uhr. Von oben auf der Aussichtsplattform muss man einen wahnsinnig tollen Blick über die Böhmische Schweiz haben. Ich muss da einfach noch einmal hin, wenn die Plattform offen ist und bis nach ganz oben klettern. Doch heute musste ich erst einmal mit den Ausblicken zufrieden sein, die sich mir boten, die ja auch nicht von schlechten Eltern waren. Man (Frau 😉 ) kann eben nicht immer alles haben 😉

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Nach einer ausgiebigen (Foto)Pause wurde es dann aber auch Zeit, dass ich meine Route fortsetzte. Ursprünglich wollte ich einfach wieder zurück zum Abzweig auf die Route 21, aber dann habe ich mich entschieden, einfach dem Gabrielensteig (also der roten Markierung) zu folgen. Wusste ich doch, dass der Wanderweg irgendwann auch wieder auf der Radroute 21 landet (und ich „ersparte“ mir so die Fahrt auf der Landstraße).

Natürlich ging es immer weiter über und um Stock und Stein (im wahrsten Sinne des Wortes) und ich musste mein Rad wieder „schultern“. Wie schön wäre es gewesen, wenn ich irgendeine Beschwörung hätte murmeln können, um mein MTB für die nächste Stunde in so eine handgepäcktaugliche Miniaturausfertigung verwandeln zu können 😉

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Dieser Weg hatte etwas ganz Besonderes. Zwischen all den Wurzelpassagen und Steinen, die meiner Aufmerksamkeit „bedurften“ gab es unglaubliche Blicke über die Böhmische Schweiz. Ich kannte ja schon die Ausblicke über die Sächsische Schweiz, aber die hier hinein in die Böhmische Schweiz waren fast noch schöner. Bisher habe ich so etwas ähnliches nur auf meiner Wanderung durch die Kirnitzschklamm auf dem Königsplatz gesehen. Doch heute – bei dem blauen Himmel – war der Blick über diese sanfte bewaldete Hügellandschaft einfach unglaublich.

fantastischer Blick über die Böhmische Schweiz

fantastischer Blick über die Böhmische Schweiz

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Zum Schluss meiner Wanderstrecke hieß es noch ein paar Stufen von oben herunter zu meistern …

nur noch ein paar Stufen

nur noch ein paar Stufen

… und dann konnte ich mich – nach fast 8 km Wanderung mit Rad – endlich auf mein MTB setzen und radeln. 😉 Noch ein kleines Stückchen auf Asphalt doch dann ging hinein in den Wald. Weg von Autos und Verkehr. Rauf auf die Radroute 3030, Forststraße und bergauf! Also Kette links und gekurbelt.

Nach wie vor war ich völlig allein auf meiner Tour. Niemand, der mir entgegen kam. Darüber war ich immer noch verwundert und doch sehr zufrieden 😉

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Meine Route führte mich in nördlicher Richtung hinein in die Sächsische Schweiz und in das hintere Kirnitzschtal zur Buchenparkhalle in Hinterhermsdorf. Nach zwei Stunden Wanderung mit Radschieben und einer Stunde bergauf kurbeln hatte ich mir eine kleine süße Stärkung verdient. Pflaumenstreusel und Cappuccino … hmmmm 😉

Durch das hintere Kirnitzschtal ging es dann weiter Richtung Bad Schandau. Der Himmel verdunkelte sich und ich hatte nicht wirklich Lust nass zu werden. Die Strecke, die jetzt vor mir lag, bin ich ja schon zweimal letztes Jahr im Herbst gefahren. Nur in umgekehrter Richtung von Bad Schandau nach Hinterhermsdorf. Es war, als würde ich einer alten Bekannten begegnen, auch wenn die Strecke jetzt im Frühsommer durch das Licht und die Vegetation anders aussieht als im Herbst. Ich finde es herrlich, wenn ich neben der leise vor sich hin murmelnden Kirnitzsch dahinradeln kann (auch wenn da der eine oder andere Höhenmeter zu erklimmen ist). Entspannung pur. Das hintere Kirnitzschtal ist für mich einfach immer einen Ausflug wert.

Entlang der Kirnitzsch im hinteren Kirnitzschtal

Entlang der Kirnitzsch im hinteren Kirnitzschtal

Irgendwann habe ich die Kirnitzsch verlassen und der letzte Teil meiner Tour führte mich auf dem Zeughausweg vorbei an den Affensteinen und dem Carolafelsen, bis ich in Ostrau das Ende meines heutigen Waldweganteils erreicht hatte.

Ich habe immer etwas Schwierigkeiten nach so einer Tour zurück in Ortschaften zu fahren; zurück in den Lärm des Alltags. Da überkommt mich so einen Reflex zurück in den Wald zu wollen. Aber es nützt ja nichts. Irgendwann ist auch die schönste Tour zu Ende. 😉

Und das war sie, meine heutige Wander-Radel-Tour von Schöna/Hrensko durch die Böhmische- und Sächsische Schweiz nach Bad Schandau.

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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2 Antworten

  1. Gerd sagt:

    Eine schöne Routenbeschreibung, ist auch eine meiner Lieblingsregionen! Auf der anderen Elbseite ist aber auch einiges zu entdecken… https://trekkinghuetten.wordpress.com

    • Anja Keller sagt:

      Das glaube ich gern. Manchmal frage ich mich, warum wir tausende von Kilometern in den Urlaub reisen, wo wir doch diese Gegend vor der Haustür haben! Na ja; die Sache mit der Sonne ist nicht immer so planbar 😉 … aber sonst?

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