Durch die wilde Kirnitzschklamm

Nach meiner erlebnisreichen schönen und vor allem sonnigen Radtour entlang der Donau bin ich immer noch im „Draußenmodus“ und hatte Lust auf ein bisschen wandern. Draußen sein, aber mal nicht mit dem Rad. Und da ich Anfang Juni zu einer Wander-Rad-Tour durch die Sächsische Schweiz eingeladen habe, wollte ich ohnehin die ausgeschriebene Wandertour durch die Kirnitzschklamm vorher auch noch mal selbst laufen. Ich hatte bisher nur tolle Berichte darüber gelesen. Und da über Pfingsten auch noch liebe wanderbegeisterte Freunde zu Besuch sind, habe ich mir die beiden kurzerhand geschnappt und bin mit ihnen nach Hinterhermsdorf zur Buchenparkhalle gefahren. Dem Ausgangspunkt der Wandertour.

Die Kirnitzsch entspringt im tschechischen Krasna Lipa (Schönlinde) und mündet nach 38 km in Bad Schandau in die Elbe. Sie bildet auf ca. 10 km die Grenze zwischen Tschechien und Deutschland. Diese Grenze besteht seit 1451.

Das Wetter bereitete mir echt etwas Sorge. Eigentlich sollte es den ganzen Tag Sonne mit Wolken geben, aber als wir gegen 11 Uhr die ersten Meter unterwegs waren, sah es alles andere als nach Sonnenschein aus. Graue Wolken und ein ziemlicher Wind, bei 11 Grad 😮 … Ich konnte nur hoffen, dass das nicht so blieb! Ich hatte geplant, dass wir von Hinterhermsdorf nicht direkt zur Oberen Schleuse und der Kahnfahrt über die Kirnitzsch laufen, sondern nördlich über einen schönen Panoramaweg zur Obermühle wandern,

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… und uns so ganz langsam der Kirnitzsch nähern. Das Panorama war wirklich toll. Selbst bei grauen Wolken bekamen wir einen tollen Eindruck von diesem wunderbaren Waldgebiet. Der Blick konnte weit über die Sächsische-Böhmische-Schweiz schweifen. Dann waren wir endlich drin, im dichten Wald. Der Wind blies nicht mehr so doll, weil er nicht mehr so freie Bahn hatte. Und über bequeme Wege, am Heidelbach entlang, liefen wir uns langsam warm.

Heidelbach

Heidelbach

Links und rechts vom Weg ragten die ersten Felsen auf, so wie dieser Mönchstein, der auch als Rastplatz und Unterschlupf für Regen genutzt wird.

Rastplatz Mönchstein (überhängender Felsen)

Rastplatz Mönchstein (überhängender Felsen)

Und dann war sie endlich da, die Sonne! Juhuu! 🙂 Wärmende Strahlen waren zu spüren und sofort veränderte sich die ganze Gegend. Die Bäume zeigten sich in ihrem herrlichen Maigrün (und meine Laune wurde schlagartig besser 😉 )

Herrliches Maigrün

Herrliches Maigrün

Vorbei ging es an der Niedermühle, die schon an der Kirnitzsch liegt und auch als Einkehrmöglichkeit dient (heute leider geschlossene Gesellschaft 😉 ). Mit ihrem morbiden Charme verbreitet sie ganz sicher ein ganz besonderes Flair.

Niedermühle an der Kirnitzsch

Niedermühle an der Kirnitzsch

Danach führte uns unser Weg etwas höher am Hang entlang, auf wurzeligen schmaleren, aber immer gut laufbaren Wegen, die immer wieder einen tollen Blick in das Kirnitzschtal erlaubten.

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Und nach etwa 6 km entspannter (wenn auch teilweise etwas kühler) Wanderung hatten wir die Obere Schleuse der Kirnitzsch erreicht. Natürlich muss man den nördlichen Bogen über die Obermühle und Niedermühle nicht nehmen, um zur Oberen Schleuse zu gelangen. Über die kürzere und auf breiteren Wegen führende Variante direkt vom Parkplatz der Buchenparkhalle gelangt der Wanderer über den Hohweg  ebenfalls zur Oberen Schleuse der Kirnitzsch.

Ab hier kann man entweder in aller Ruhe (und gegen eine kleine Gebühr von 5 Euro 😉 ) mit einem Kahn eine etwa ein Kilometer lange Strecke auf der Kirnitzsch fahren…

Obere Schleuse auf der Kirnitzsch (Beginn der Kahnfahrt)

Obere Schleuse auf der Kirnitzsch (Beginn der Kahnfahrt)

oder (natürlich kostenfrei) einen parallel führenden Wanderweg laufen.

parallel führender Wanderpfad ab er Oberen Schleuse

parallel führender Wanderpfad ab er Oberen Schleuse

Wir haben uns natürlich für die Kahnfahrt entschieden. 😉

Die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien führt genau mittig auf der Kirnitzsch entlang. Und je nachdem, wie der Kahn gerade treibt/fährt, ist man in Tschechien oder in Deutschland. Der parallel verlaufende Wanderpfad führt ausschließlich auf der deutschen Seite entlang.

Da unser Kahn nicht sofort startete (die Kähne fahren von April bis Oktober alle 15 – 20 Minuten), hatte ich etwas Zeit für ein paar Fotos. Die Felsen und das enge Tal hatten es mir angetan. Ich kam (wie eigentlich schon die ganze Zeit) überhaupt nicht mehr aus dem Fotografieren heraus. Alternativ kann man sich die Zeit aber auch mit einem Snack aus der Hütte an der Schleuse vertreiben.

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Und dann ging unsere Fahrt los. Mit etwa 20 weiteren Gästen glitt unserer Kahn, gelenkt von einem Fahrer, langsam die Kirnitzsch entlang. Und da der Wettergott gerade allerbester Laune war, boten sich uns grandiose Bilder:

Kirnitzschklamm

Kirnitzschklamm

Was sich dem Auge bot, lässt sich eigentlich nicht richtig beschreiben und daher lasse ich es auch. Statt dessen gibt es die folgenden Bilder und die Empfehlung, einfach einmal selbst die etwas 25 Minuten auf der Kirnitzsch in aller Stille zu genießen.

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Bereits um 1580 wurde eine hölzerne Stauanlage eingerichtet, die ausschließlich zum Flößen genutzt wurde, da keine andere Möglichkeit zum Abtransport des reichhaltigen Holzaufkommens aus dem engen Tal bestand. 1879 begann man mit vorerst einem hölzernen Kahn den Fahrbetrieb für die Touristen („Sommerfrischler“) auf der Oberen Schleuse.

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Aber irgendwann war auch die entspannteste Kahnfahrt zu Ende und es ging weiter zu Fuß, denn schließlich war das ja eine Wanderung und kein Schiffsausflug! Entlang der blauen Markierung und über wurzelige Wege ging es immer tiefer hinein in das Kirnitzschtal. Während rund um die Schleuse schon noch einen Menge anderer Ausflügler unterwegs waren, wurde es auf dem folgenden Weg wieder herrlich still und „einsam“.

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Natürlich sind die Wanderwege perfekt präpariert und da wo es etwas steiler wurde, gab es immer einen Handlauf zum Festhalten. Ich bin wirklich immer wieder beeindruckt, wie gut gepflegt die Wanderwege in der Sächsischen Schweiz sind. Da steckt eine Menge Arbeit dahinter. Und dann ging es für uns relativ steil abwärts in die Wolfsschlucht.

Nur hier durch gehts hinab in die Wolfsschlucht

Nur hier durch gehts hinab in die Wolfsschlucht

Um aber in die Wolfsschlucht zu gelangen, führte uns der Weg durch diesen Felsentunnel, den man man wirklich sehr gut durchlaufen kann. Es ist nur etwas ungewohnt, so von Felsblöcken umgeben zu sein.

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Nun hatten wir den südlichsten Teil unserer Wandertour erreicht – die Wolfsschlucht.

in der Wolfsschlucht an der Kirnitzsch

in der Wolfsschlucht an der Kirnitzsch

Wilde Vegetation und unglaublich klares Wasser in der Kirnitzsch, waren nun unsere Wegbegleiter. Und herrliche Stille; nur sanftes Murmeln des Wassers und der Gesang der Vögel. Urlaub für die Seele!

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Nach etwa 4 km öffnete sich das Tal am Ende wieder und die Wiesen und Auen um die Kirnitzsch wurden weiter.

Am Ende der Wolfsschlucht; das Tal wurde weiter

Am Ende der Wolfsschlucht; das Tal wurde weiter

Das hieß für uns, dass sich unser Weg nun wieder nördlich richtete, denn wir wollten über den Königsplatz (ein toller Aussichtspunkt) entlang der roten Markierung zurück nach Hinterhermsdorf.

Klar war, dass wir die ganzen Höhenmeter, die wir bisher von Hinterhermsdorf irgendwie Richtung Tal abwärts gestiegen sind, auch irgendwann wieder hinauf mussten. Und da die Wolfsschlucht ja auch unten ist, musste es jetzt langsam mal los und vor allem hoch gehen. Auf breiten Forstwegen (dem sog. Hollweg) ging unsere Wanderung daher nun stetig ansteigend und begleitet vom herrlich frischen Grün der Bäume weiter.

auf dem Hollweg Richtung Königsplatz

auf dem Hollweg Richtung Königsplatz

Doch dieser breite Weg blieb uns nicht bis zum Schluss erhalten. Um zum Königsplatz zu gelangen hieß es links abbiegen, alle Kräfte mobilisieren und auf einem schmalen Wanderpfad 150 Hm über Wurzeln, Treppen, Steine und sogar durch einen Tunnel hinauf zum Königsplatz steigen.

Durch den Tunnel auf dem Weg zum Königsplatz

Durch den Tunnel auf dem Weg zum Königsplatz

Das ist alles gut machbar! Vielleicht dauert der Aufstieg – wie bei mir – einfach etwas länger 😉 … aber irgendwann ist jeder oben. Mit uns war eine Familie mit Kindern auf dem Pfad und ich war echt fasziniert, mit welcher Leichtigkeit und Geschwindigkeit die Zwerge diesen Weg ganz ohne Murren gelaufen sind. Und wenn ich dann meine Japser so gehört habe, musste ich schon schmunzeln ;-).

Doch dann waren wir endlich oben, am Königsplatz. Leider hatte sich die Sonne etwas zurückgezogen und der Himmel war stark bewölkt. Aber der Ausblick war trotzdem herrlich. Da die Gegend rund um den Königsplatz nach Osten, Süden und Westen abfällt, konnte ich unglaublich weit in die Sächsische und Böhmische Schweiz sehen.

Blick vom Königsplatz in die Böhmische und Sächsische Schweiz

Blick vom Königsplatz in die Böhmische und Sächsische Schweiz

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So langsam wurden mir aber auch die Füße müde und ich hatte Lust auf einen schönen Cappuccino und ein Stück Kuchen. Da es zwischendrin nicht wirklich eine Einkehrmöglichkeit gab, wollten wir nun schnell zurück zur Buchenparkhalle und uns „belohnen“ 😉

Etwa noch 30 Minuten auf breiten Forstwegen und wir hatten es geschafft. Eine wunderbar abwechslungsreiche Runde mit herrlichen Bildern und Farben mitten durch das Kirnitzschtal ging zu Ende. Kein Kraxeln auf Felsen, sondern immer Wandern auf (wenn auch schmalen und wurzeligen; manchmal etwas steileren) gut machbaren Wegen.

Und den hier hatte ich mir dann verdient: 🙂

Belohnung

Belohnung

Insgesamt waren wir mit Fahrt auf der Kirnitzsch ca. 17 km und 5,5 Stunden unterwegs, wobei davon etwa eine Stunde Pause oder Warten auf den Kahn abgeht. Und die Kahnfahrt selbst hat ja auch noch einmal 25 Min gedauert. Wir sind absolut gemütlich gelaufen. Kein Geschwindigkeitsehrgeiz. Lässt man den oberen Bogen weg, und wandert direkt von der Buchenparkhalle über den Hohweg zur Oberen Schleuse, lässt sich die verkürzte Strecke mit Pause sicherlich in 4,5 – 5 Stunden gemütlich laufen. Auch kann man die Wolfsschlucht weglassen (auch wenn ich die besonders reizvoll fand) und nach der Kahnfahrt direkt den Königsplatz (rote Markierung) ansteuern.

Wie immer gibt es hier meine heutige Wandertour zum Nachlaufen.

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Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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2 Antworten

  1. Pit sagt:

    Eine sehr schöne Wanderung!! Wenn Ihr durch die Wolfsschlucht hinunter in das Tal gewandert seit, dann steht gleich ein paar Meter weiter (auf der rechten Seite) eine Fichte. Sie soll die größte und älteste Fichte in der Sächsischen Schweiz sein. Höhe 60 Meter, das Alter beträgt etwa 400 Jahre. Ich finde das Panoramafoto „Blick vom Königsplatz in die Böhmische und Sächsische Schweiz“ besonders schön. Ihr habt mit dem Wetter Glück gehabt. Ich bilde mir ein, dass am linken Bildrand die Lausche zu sehen ist. Dann kommt die Finkenkoppe, Jedlova, Großer und Kleiner Ahrensberg, der mächtige Kegel in der Mitte ist der Kaltenberg (Studenec), Rosenberg und Raumberg sind auch sehr gut zu sehen. Mir gefallen solche Panoramafotos immer wieder.
    Ich wünsche Dir weiterhin viele schöne Wanderungen und Radtouren!
    VG – Pit

    • Anja Keller sagt:

      Lieber Pit, danke für deinen tollen und vor allem ausführlichen Kommentar. Fast schäme ich mich ein bisschen, dass ich die gesehenen Berge und Gegenden (noch ? ) nicht selbst zuordnen kann. Von der Fichte hatte ich auch gelesen … aber sie dann doch übersehen, weil ich von den sonstigen Eindrücken so fasziniert war. Da werde ich die Runde wohl noch mindestens einmal wandern „müssen“ ? … Dir auch viel Spaß beim Wandern und Touren.

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