Verspielt im Harz

… na ja, so verspielt war es für mich dann doch nicht 😉 Und um der Wahrheit Genüge zu tun, habe ich mir dieses Adjektiv von unserem Tourguide Mario quasi „geklaut“, weil es mich irgendwie die ganzen zwei Tourtage begleitet hat. Aber dazu später mehr.

Schon lange hatte ich vorgehabt, endlich mal wieder mit dem MTB im Harz zu fahren. Letztes Jahr war ich mehrmals dort und habe Fahrtechnikkurse absolviert und auch eine Schnupperrunde mitten im MTB Cup gedreht.  Und irgendwie habe ich dabei „Blut geleckt“. Der Harz ist wirklich eine tolle Gegend, auch wenn ich bisher nur am Nordrand rund um Ilsenburg / Bad Harzburg und Goslar unterwegs war. Da kam mir die Tourausschreibung von TourenHarz gerade recht. Zwei Tage (02.+03. April 2016 ab Ilsenburg) flowig, in der Gruppe und mit Guide durch bzw. im Harz und das Ganze auch noch auf sportlichem Einsteigerniveau. Perfekt. Also schnell gebucht, und gehofft, dass das Wetter mitspielt. Anfang April ist das ja echt so eine heikle Sache.

Und dann war es soweit. Freitag war Anreise und nach einer Nacht im Berghotel Ilsenburg begann der Samstag mit einem spektakulären Sonnenaufgang:

Was für ein Sonnenaufgang!

Das Beste war, dass die Wettervorhersage ein herrlich sonniges Wochenende bei angenehmen Temperaturen versprach. Quasi eine Punktlandung des Frühlings.

Treffen war um 9 Uhr am Bikeladen Bike&Parts des Veranstalters Touren Harz. Und so ganz unter unbekannten Gesichtern war ich nicht, denn Thorsten (der in der Nähe von Ilsenburg wohnt und schon lange MTB fährt) hat sich breitschlagen lassen, mit mir auf die Einsteigertour zu gehen 😉

Da ich schon mit TourenHarz ein Fahrtechniktraining absolviert habe, wusste ich, dass zu Beginn einer jeden Tour die Vorstellungsrunde, aber auch der Bikecheck ansteht. Ich finde das total wichtig, um sicher die Touren zu absolvieren.

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Alles war gecheckt und besprochen. Und endlich ging es bei noch recht frischen Temperaturen, aber schon mit ein paar Sonnenstrahlen von Ilsenburg los, direkt in den Wald, in das Ilsetal und immer an der Ilse entlang bergauf. Ja, das würde jetzt die nächsten zwei Tage immer so gehen … im Zweifel bergauf 😉 Leider hat der Frühling seine Arbeit noch nicht so richtig aufgenommen und daher sind die Farben noch sehr herbstlich. Aber allein schon die Sonnenstrahlen machten alles viel angenehmer.

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So allmählich wurden meine Beine immer wärmer und ich näherte mich mehr und mehr dem kleinsten Gang. Unser erstes Ziel war die Eckertalsperre. Nachdem die ersten 300 Hm geschafft hatte, ging es einen schönen flowigen Trail hinab Richtung Stausee. Die Sonne schien und das Wasser glitzerte toll. Da musste einfach ein Fotostopp sein.

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Doch wir waren noch nicht unten am Stausee. Bis dorthin galt es die zweite, ziemlich fiese Hälfte des Trails zu bewältigen. Schön in Reihe ging es abwärts und ich hatte bald mit meiner ersten großen Herausforderung zu kämpfen: ein von großen Wurzeln überdeckter Weg! Einem erfahrenen MTBer entlockt dieser Weg vermutlich nur ein müdes Lächeln, aber soweit bin ich noch nicht. Und obwohl ich schon zig mal gehört habe, wie  man solche Wurzelpassagen NICHT fährt, habe ich es doch genau so gemacht: schön langsam über jede einzelne Wurzel drübergehoppelt 🙁 . Dass das nicht wirklich gut geht, ist nachvollziehbar. Erst als unser Guide Mario (der hinter mir war) rief „na ein bisschen Geschwindigkeit brauchst du schon! Lass mehr rollen!“, sind mir die ganzen schönen Ermahnungen der Fahrtechnikkurse wieder eingefallen. 😉 Irgendwie habe ich es aber über den holprigen Wurzelweg geschafft und stand endlich auf der Staumauer der Talsperre. Hier verlief mal die Ost-West-Grenze.

Auf der Staumauer der Eckertalsperre Der ehemalige Grenzverlauf

Zur Abwechslung ging es ein kurzes Stück mit Schieben weiter, denn Treppen hinauffahren gehört nun eindeutig nicht zu meinen Fähigkeiten.

Schieben ist auch eine Option auch mit Schieben geht es vorwärt

Und dann waren wir mittendrin im Harz und im Gelände. Ein wunderbarer Mix aus durchaus schweißtreibenden Anstiegen und Trails, die auch immer wieder kleine Hindernisse bereithielten, bestimmten die nächsten Stunden. Und so allmählich fing ich an, wieder Selbstvertrauen in meine erlernten Fahrtechnikfähigkeiten zu bekommen. Feste Beine. Die Arme und Knie locker halten und das Rad einfach laufen lassen und mitgehen … na ja; und die Bremse lösen! Ist mir nicht immer gelungen, aber immer öfter 🙂

Um mit dem MTB im Gelände unterwegs zu sein (und damit meine ich nicht die Forstautobahnen) und dabei auch noch Spaß zu haben, muss man die Grundlagen und damit das Rad halbwegs beherrschen. Ansonsten ist der Kopf nicht frei und man ist zu schnell dabei, aus Angst die Bremsen zu stark und unkontrolliert zu betätigen … und DAS ist gar nicht gut! Da passiert es dann schon mal, dass man wie ein Käfer auf dem Rücken landet. Ist mir auch passiert, aber nicht, weil der Trail nicht fahrbar war, sondern weil ich auf einem Schottertrail zu langsam war, den Blick nicht in Fahrtrichtung hatte und die ganze Zeit „oh je, das schaffe ich nicht!“ gedacht habe. Na ja … und da habe ich eben mal einen Runde „Käfer auf dem Rücken und Rad oben auf“ gespielt. Natürlich gab das ein paar blaue Flecken, aber nichts tragisches. Danach hatte ich übrigens nicht mehr so viel Angst vor dem Hinfallen 😉

Die Strecke führte Trail für Trail hinunter nach Bad Harzburg und kurz hinein in das touristische Getümmel. Die Sonne leistete an diesem Samstag großartige Arbeit und es war klar, dass wir nicht die einzigen waren, die draußen ihr Vergnügen suchten. Nach einem kurzen Fotostopp vor der etwas gewöhnungsbedürftigen Konstruktion, die zum Baumwipfelpfad führt …

und noch ein Gruppenfoto Aufgang zum Baumwipfelpfad in Bad Harzburg

… ging es ganz schnell wieder rein in den Wald und bergauf, im schönen Wechsel zwischen Anstiegen und Trails. Ich war so froh über die gute Übersetzung am MTB! Meine Kondition ist nun einmal nicht die Beste, und hätte ich meinen kleinsten Gang nicht gehabt, hätte ich wohl nicht mal im Schneckentempo die Höhenmeter erklimmen können. Aber wie gesagt, die Strecke war immer machbar … Schuld an meinem permanenten „Schnaufmodus“ war meine nicht vorhandene Kondition (an der ich noch ganz schön arbeiten muss! 😉 )

Gegen 13 Uhr gab es dann die wohlverdiente Mittagspause im Cafe Goldberg, oberhalb von Bad Harzburg. Die Sonne schien herrlich und wir waren alle versucht draußen auf der Terrasse zu bleiben. Aber die Vernunft hat uns dann doch in das Cafe geschickt, denn so durchgeschwitzt wie wir alle waren, hätte das böse ausgehen können, denn ausgekühlt ist man schnell. Eine Erkältung konnte nun wirklich keiner gebrauchen.

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Also haben wir uns im Lokal eine leckere Stärkung gegönnt. Aber wie das so ist, wenn die Augen größer sind, als der (sportliche) Körper verträgt! Es rächt sich … so sehr 😉 Galt es doch nach dem Mittag noch weitere Höhenmeter zu erklimmen und Trails zu fahren. Dafür waren wir ja hier. Aber das ist mit einem vollen Magen echt schwer. Und jeder von uns neun Teilnehmer hat sich geschworen auf keinen Fall am Sonntag Mittag etwas zu essen! Wie heißt es doch gleich? Aus Erfahrung wird man klug … wie wahr 😉

Das schöne an der Tour war, das Mario vor jedem Trail (bei denen ich teilweise noch nicht mal gesehen habe, wo der anfängt 😉 ) ein paar Worte zur Beschaffenheit des Trails gesagt hat. So konnte man (und Frau) sich immer schon ein bisschen darauf vorbereiten … auch wenn das selbst „erfahren“ immer noch etwas anderes ist. Beim ersten Mal wird man vermutlich jeden Trail etwas vorsichtiger fahren, da man letztlich doch nicht weiß, was so als nächste Überraschung um die Ecke kommt. Beim zweiten Mal ist das sicher viel entspannter. Und dann war sie das erste mal zu hören, diese mit einem breiten Grinsen auf Mario’s Gesicht abgegebene Trailbeschreibung, a la: „Wir haben hier einen wunderbar verspielten Trail! Habt einfach Spaß!“ Uff … wie jetzt? Das will ich jetzt aber genauer wissen. Was bitte ist denn ein verspielter Trail? 😮 Natürlich hat Mario schön erklärt, was denn das so auf dem Trail „rumliegt“ … Wurzeln, Äste, Steinblöcke und ein paar Absätze gibt es auch noch. … Nein, das war mir dann doch etwas zu „verspielt“ und ich habe den anderen einen schönen Trail gewünscht und bin einfach wieder ein paar Meter auf der Forststraße zurückgefahren. Völlig in Ordnung. Ich muss wirklich nicht alles mitfahren … und schon gar nicht als Anfängerin (und ich glaube Mario hätte mich auch gar nicht gelassen 🙂 ). Und so sieht eine gekonnte Abfahrt auf einem verspielten Trail aus:

so fährt man gekonnt einen 'verspielter' Trail

Und JA: irgendwann kann ich das auch! 🙂 Während ich am Treffpunkt auf die anderen wartete, habe ich aus dem Wald den einen oder anderen Jauchzer gehört, der also eindeutig belegt, dass verspielte Trails Spaß machen!

Auf unserem Weg zum heutigen Quartier hat uns Mario dann noch eine Verschnaufpause im Maltermeister Turm bei leckerem Kaffee und einem genialen sonnigen Blick über Goslar und das Harzvorland gegönnt. Genau mein Ding! Fototime!!!

Blick über Goslar und das Harzvorland vom Maltermeister Turm

So langsam ging mir aber ernsthaft die Puste aus. Kaum zu glauben, wie anstrengend so eine Tour mit ständigen Auf und Ab sein kann. Und ich wirklich froh, als es endlich hieß: „So langsam geht es mal in Richtung Unterkunft“. Ich (und meine Beine) hatten große Sehnsucht nach einer heißen Dusche und Entspannung. Noch ein bisschen bergauf und bergab, vorbei am ehemaligen Erzbergwerk Rammelsberg (Weltkulturerbe)

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… und dann war es für heute vollbracht. Ankunft im Hotel Hessenkopf, oberhalb von Goslar.

Hotel Hessenkopf

Schnell unsere Zimmerschlüssel in Empfang genommen und die Räder geparkt … die hatten im Konferenzzimmer des Hotels echt ein luxuriöses Nachtquartier 🙂

die Räder hatten es auch kuschlig

Den Abend haben wir alle noch bei einem leckeren und vor allem lockeren Barbecue in der Hütte der Hotelanlage verbracht und diesen schönen, aber auch anstrengenden Tag ausklingen lassen.

Urige Hütte und ideal zum Chillen und Grillen am Abend

Aber all zu „alt“ bin ich dann nicht mehr geworden. Ich war unglaublich müde. Zufrieden, aber müde. Ich habe mich (nach reichlich 40 km und 1000 Höhenmetern) so sehr auf mein Bett gefreut. Ausruhen, ein bisschen blaue Flecke pflegen und schlafen, um Kräfte zu sammeln, für einen neuen spannenden Tag im Harz.

Und dann war es schon Sonntag. Aufstehen um 7 Uhr (!!!), ordentlich mit Frühstück stärken und nach der obligatorischen Morgenrunde ging es schnell auf die Strecke. Und natürlich – wie sollte es auch anders sein – gleich wieder bergauf! Quasi um dem Körper gleich frühzeitig zu signalisieren, dass auch der Sonntag kein Trödeltag wird. Anstiege rauf … schöne Trails runter (und ja; heute bin ich sogar den einen oder anderen „verspielten“ Trail mitgefahren 😉 ), bis uns Mario zur „Mutprobe“ geführt hat. Das sah aus, als wären hier diverse Rampen, Kuhlen und Hindernisse drapiert worden, um ein wenig Trailtechnik zu üben. Wenn die Bäume ihr Laub wieder tragen, ist das bestimmt ein ganz lauschiger Platz zum Trainieren. Im Grunde ging es darum, eine relativ steile wellige Abfahrt hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf zu fahren. Klingt eigentlich nicht so schwierig, oder? 😉

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Sieht aber leichter aus, als es ist und daher habe ich mir das Ganze schön entspannt von unten angesehen … war also nicht mutig 😉 . Und so geht das richtig:

 

Nach diesem Zwischen“spiel“ ging es hinauf zu den Kästeklippen und dem Kästehaus. Forstweg immer höher und höher. Aber so locker flockig, wie das hier geschrieben steht, war es für mich dann doch nicht. Galt es doch 350 Höhenmeter auf etwa 6 km zu bewältigen. Also Kette mal wieder ganz links gelegt und im Schneckentempo hochgekurbelt. Dass sich die Gruppe hier auseinander gezogen hat, ist nur verständlich. Aber irgendwann war auch ich oben und wurde (nach einem Kaffee im Kästehaus) auf den Kästeklippen mit wunderbaren Blicken über den Harz belohnt. Leider war die Sonne heute nicht ganz so strahlfreudig wie am Samstag, aber schön war der Ausblick immer noch.

Harzblick von den Kästeklippen

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So langsam wurde es dann aber doch Zeit für den Weg zurück Richtung Ilsenburg. Natürlich hat uns Mario noch über den einen oder anderen Trail geführt und ich habe mal wieder festgestellt, dass ich Trails bergauf fahren absolut nicht mag! Ganz und gar nicht! 🙁 Neben der Tatsache, dass es bergauf geht, irritiert mich der schmale Pfad ganz schön, und wenn es dann (wie eben meist am Berg) an der Seite auch noch abwärts geht, dann schlägt mein Puls gleich noch mal schneller … also auch noch eine Aufgabe zum Üben. 😮

Insgesamt bin ich im Laufe der beiden Tage auf den Trails immer lockerer und sicherer geworden, und einige Trails habe ich auch wiedererkannt. Witzigerweise bin ich die meisten davon irgendwie schon einmal hoch statt runter (damals bei der MTB-Cup-Schnupperrunde), aber es war nett, die Wege und Pfade wiederzuerkennen. Ich bin nicht jeden Trail mitgefahren, aber das musste ich ja auch nicht. Und Stück für Stück werde ich mich auch immer mehr trauen. Danke Mario, für den Fotoservice 😉

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Zurück in Bad Harzburg ging es direkt zurück nach Ilsenburg. Zwar fehlten auch hier die Anstiege nicht und ich hatte echt zu kämpfen (und ein bisschen zu schieben). Doch dann war auch der letzte Hügel geschafft und das Eiscafe in Sicht, wo wir alle unsere tolle Tour feierten und bei herrlichem Sonnenschein ausklingen ließen. 🙂

Tourabschluss bei strahlendem Sonnenschein

Ein wunderbares, durchaus anstrengendes Wochenende mit tollen Erinnerungen ging zu Ende. Ein großes DANKE an das Team von TourenHarz und vor allem Mario, unserem Guide, der uns auf tollen Pfaden durch den Harz mitgenommen hat. Es ist durchaus kein Kinderspiel, so eine Tour zu planen, passende Trails zu finden und alles reibungslos zu organisieren. Ich hatte ja etwas Muffensausen, dass ich mit meiner nicht ganz so dollen Kondition einige Schwierigkeiten haben würde. Doch die Tour war auf jeden Fall für sportliche Einsteiger machbar, wenn auch fordernd. Das sollte man wissen, denn reichlich 80 km und 2000 Höhenmeter im Harz in zwei Tagen sind nicht zu unterschätzen.

Ein liebes DANKE an Tino von TourenHarz, der mir die folgende Grobübersicht der Tour und vor allem das Höhenprofil zur Verfügung gestellt hat. So weiß ich wenigstens, wo ich überall rumgekraxelt bin. Es ist schon erstaunlich, was man (Frau 🙂 ) doch so alles schafft, wenn man will … wenn auch langsam. Ich fahre jedenfalls sehr gerne wieder mit.

2flow the Harz - Strecke und Höhenprofil

Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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1 Antwort

  1. Thomas sagt:

    Zwei Tage im Harz sind eine anspruchsvolle Saisoneröfffnung, wenn man im Winter nicht viel getan hat. Aber es hat offenbar alles bei dieser Tour gestimmt und die nächsten Touren können nun kommen.

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