Auf Entdeckungstour im Kirnitzschtal (Sächsische Schweiz)

So langsam hält der Herbst Einzug und nach dem miesen Wetter der letzten Tage wollte ich doch noch mal mit dem Rad raus. Wer weiß, wie oft das in diesem Jahr noch geht (ok … es geht natürlich immer, aber ich bin nun mal eine ausgesprochene Schönwetterfahrerin, und da sieht das schon etwas anders aus 😉 ). Da ich in der letzten Zeit viel mit dem Rennrad unterwegs war, wollte ich endlich mal wieder mit dem MTB und auf dicken Reifen raus. Ab in die Sächsische Schweiz. Eigentlich ist es wirklich ein Armutszeugnis … da wohne ich hier direkt vor den Toren der Sächsischen Schweiz und war – leider – noch nicht wirklich mitten drin. Im Sommer wollte ich bei der ‚Panoramatour Sächsische Schweiz der Sparkasse‚ mit dem MTB eine organisierte RTF-Tour ins Kirnitzschtal über 44 km mitmachen, konnte damals aber nicht fahren. Warum das nicht jetzt nachholen? Die Streckenführung (gps-Daten) im Internet herunterladen und die Tour auf ‚eigene Faust‘ machen? Ich fand das hörte sich nach einer schönen Tour für einen kalten sonnigen Oktobertag an. Und ich war noch nicht mal allein unterwegs. Ich konnte Jens (einen ausgesprochenen Rennradler) bequasseln, sein Tourenrad abzustauben und mitzukommen. 😉

Natürlich weiß ich, dass man im Nationalpark Sächsische Schweiz nicht einfach überall mit dem Rad rumtouren darf. Doch es gibt Radrouten durch den Nationalpark und auf denen führt die geplante Strecke praktisch die ganze Zeit entlang. Allerdings hatte ich bei der Tourvorbereitung ein komisches Gefühl. Das Höhenprofil der Plandungs-GPS-Datei meinte, dass auf dem ersten Kilometer Wegstrecke ein Höhenunterschied von 120 m überwunden werden müsste.

Höhenprofil_Panoramatour_Plan

Wie soll man (Frau) denn auf dieser kurzen Strecke mit dem Rad die Höhenmeter bewältigen? Ich habe das irgendwie für einen Aufzeichnungsfehler gehalten. Das ist bestimmt gar kein Problem…!  Bei sonnig kaltem Wetter (4 Grad waren es, als ich um 9.30 Uhr losgefahren bin) ging es auf nach Bad Schandau zum Treffpunkt. Ich musste echt die Winterradelklamotten rauskramen. Nachdem die Handschuhe übergezogen waren, ging es dann auch schon los. Immer schön den gps-Track nach. Kann ja nicht schwer sein. Doch was sollte das? Nach den ersten kurzen Metern ging es durch einen kleinen Park und dann – laut Track – zwischen den Häusern den Hang hoch. ÜBER TREPPEN!!! 😮 … Neeee. Das konnte nicht der Ernst der Planer sein! Aber nach ein paar verzweifelten hin und her Fahrern kamen wir zu der Einsicht: DOCH … da mussten wir hoch!

Radtragen statt Radfahren

Und so hieß es Rad geschultert und getragen. Am Anfang ging es eine Weile über ’normale‘ Steinstufen hoch, die später von Waldbodenstufen abgelöst wurden. An ein irgendwie geartetes Fahren war echt nicht zu denken. Jetzt wusste ich auch, wie das geht: auf 1000 m Wegstrecke 120 Hm überwinden 🙁 … ein etwas mühsamer Einstieg.

Zum Glück gab es auf halber Strecke nach Ostrau (dort wollten wir in den normalen Nationalpark-Radweg ‚einsteigen‘) einen wunderbaren Aussichtspunkt als Entschädigung: der Personenaufzug von Bad Schandau hoch mit einem herrlichen Blick über das Elbtal. Allein das war die Plackerei des Radtragens wert:

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Das war herrlich. Da hätten wir glatt bleiben können … aber das wäre dann eine echt kurze Tour gewesen. Also hieß es sich aufraffen und weiter gehts. Jetzt konnten wir sogar radeln 😉 Also Jens ist tapfer gefahren … ich habe relativ schnell wieder kapituliert. Das war mir einfach zu steil; so gleich am Anfang der Tour; ohne Vorwarnung 😉

Pause ... schon wieder ;-)

Aber irgendwann hatten wir es hoch nach Ostrau geschafft. Wenn ich diese Tour noch einmal mache, werde ich gleich in Ostrau starten und einfach zu Fuß runter zum Fahrstuhl-Ausblick laufen. Denn den muss man mitnehmen!

Durch Ostrau gings gemütlich auf einem schönen breiten Weg, vorbei an netten Fachwerkhäusern. Entspannung und genießen. Und dann gab es den ersten tollen Ausblick auf die typischen Felsformationen in der Sächsischen Schweiz; auf die ??? … tja, da war er, mein erster peinlicher Moment, wo ich auf die Frage: ‚Und was ist das denn für eine Felsformation?‘ keine Antwort wusste. Aber toll sah es aus 😉 Zum Glück habe ich mir am nächsten Tag sofort passende Lektüre besorgt und kann heute (beim nachträglichen Schreiben dieser kleinen Geschichte) mit Wissen ‚glänzen‘. Links ist der Falkenstein zu sehen und die rechte Felsgruppe sind die Schrammsteine!

Falkenstein und Schrammsteine

Nach einem Fotostopp gings weiter tiefer rein in das Kirnitzschtal. Querfeldein. Ziemlich viele Wurzeln, die den Weg kreuzten. Schon eine Herausforderung. Mit meinen dicken MTB-Reifen kam ich halbwegs gut drüber, aber mit einem Tourenrad hätte ich mich das nicht getraut.

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Doch der Weg blieb nicht lange so relativ schmal und wurzelig. Bald wurde er breiter und das war auch gut so. Das Licht und das Spiel der Farben an diesem herrlichen Herbsttag haben meinen Blick immer wieder in die Gegend schweifen lassen. Ein fieser Weg hätte mich da ganz schön in Schwierigkeiten gebracht. Allerdings waren die in reichlicher Zahl vorhandenen Hügel, Anstiege und sandigen Passagen schon gemein genug. Da musste ich ganz schön kämpfen … ich schiebe meine mangelnde Kondition mal auf eine Erkältung, die mich die Woche vorher im Griff hatte (klingt einfach besser als: ich hab’s nicht geschafft und geschnauft wie ein dickes Walross 😉 )

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Und dann ging es Schlag auf Schlag. Vorbei am Carolafelsen (zum Glück gabs eine Infotafel, so dass ich wusste, wo wir waren 😉 )

Carolafelsen

… und gleich darauf zeigten sich die Affensteine. Fast wäre ich vorbeigefahren, weil ich mich so auf den Weg konzentriert habe, der gerade eine herrlich flotte Fahrt erlaubte . 😉

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Weil durch die vielen Fotostopps und das Genießen der herrlichen Strecke die Zeit leider schon sehr fortgeschritten war und mir die fiesen kleinen Anstiegen ganz schön zugesetzt haben, haben wir darauf verzichtet, bis nach Hinterhermsdorf zu fahren (was uns auch den letzten ziemlich hohen Anstieg ersparte) und haben die Strecke abgekürzt. Das geht auf dem Nationalparkweg ziemlich gut. Da gibt es alle paar Kilometer einen Abzweig von der unteren Waldstrecke hoch auf den Rückweg. Das hintere Kirnitzschtal ist ganz sicher einen Ausflug mit dem Rad wert … ein andermal. Man (Frau) braucht ja immer Ziele 😉 . Doch auch die Abkürzung brachte schöne Blicke, wie hier an der Kirnitzsch:

entlang der Kirnitzsch

Der Rückweg der Tour geht zwar auch noch mitten durch das Kirnitzschtal, aber nicht mehr auf Waldwegen, sondern auf der Landstraße (S165). Das war für mich schon ein kleiner Schock. Aus der Ruhe des Waldes rauf auf die Straße! Nicht so schön, aber einen Vorteil hatte dieser Wechsel auf die Straße allerdings: es gab endlich den von mir lang ersehnten heißen Kakao in der Buschmühle, einem richtig netten Gasthaus an der Kirnitzsch. Auch wenn die Sonne während der Tour ihr Bestes gab – es war den ganzen Tag über ziemlich frisch. Mir war kalt und da kam ein heißes Getränk genau richtig.

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Da der Rückweg praktisch nur bergab ging (den Anstieg haben wir ja im Wald bewältigt) konnten wir ein bisschen Tempo machen. Mitten durch die herbstlichen Farben des Waldes und vorbei an tollen Felsformationen. Einfach schön. Und dann waren wir plötzlich mitten drin im touristischen Trubel. Am Lichtenhainer Wasserfall. So ein Gewusel war nach dieser beschaulichen Tour schon etwas gewöhnungsbedürftig. Doch auch wir haben uns in’s Getümmel gestürzt und einen Stopp eingelegt. Gehört einfach dazu. Der Lichtenhainer Dorfbach ergießt sich hier über Sandsteinfelsen einige Meter abwärts. Die Menge des abfließenden Wassers wird über ein Wehr gesteuert. Als wir da waren, plätscherte der Bach allerdings nur sehr spärlich hinab. Dafür waren um so mehr Touristen da, die mit der Kirnitzschtalbahn von Bad Schandau aus zur ‚Attraktion‘ kutschiert wurden. Es ist fast ein Wunder, dass das Gasthaus und die Straße dem Wasserfall überhaupt noch Platz gelassen haben. Die natürliche Wirkung dieses eigentlich lauschigen Plätzchens ist irgendwie völlig untergegangen.

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Wir sind dann auch relativ schnell weiter gefahren, um dem Trubel zu entfliehen. Es war ja auch nicht mehr weit bis Bad Schandau, unserem Ausgangspunkt der Tour. Auch wenn es am Ende nur etwa 35 km und eine verkürzte Strecken waren, hatten die sonnigen kalten Stunden im Kirnitzschtal fast etwas von einem Kurzurlaub. Ich bin mir sicher, dass ich in Zukunft öfter in dieser herrlichen Oase quasi direkt vor meiner Haustür radeln und auf Entdeckungstour gehen werde. Vielleicht sogar schon wieder am 31.10.2015, denn da habe ich die Radler vom Hallzig Express eingeladen, die Tour mit mir zu fahren. Bin gespannt was wir dann entdecken werden.

Download

Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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2 Antworten

  1. Thorsten sagt:

    Sieht nach einer schönen Tour aus.
    Da wirst du sicherlich noch oft fahren.
    Du wohnst in einer schönen Gegend!

  2. Lothar sagt:

    Hallo Anja, das war wieder ein toller Bericht, klasse, wie du das machst – meine Bewunderung. Man sieht, dass es dir Spaß macht, so zu schreiben. Herzlichen Gruß Lothar.

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