Versprochen ist versprochen

So ist das manchmal, wenn man (ok Frau 😉 ) nicht nein sagen kann. Vor inzwischen schon ziemlich vielen Wochen – genauer gesagt im Mai 2015 – habe ich mich mehr oder weniger breitschlagen lassen, an einem Radrennen teilzunehmen. Maik vom HallzigExpress hat mich so lange bequasselt, bis ich ja gesagt habe. Dabei sind solche Wettbewerbe längst nicht mehr meine Sache. Aber was soll’s … warum nicht mal was Neues probieren?! Die 40 km – Strecke beim Sparkassen HeideRadCup in Torgau am 13.09.2015 sollte es sein.

Die Streckenführung durch die Dübener Heide

Eigentlich fand ich am Anfang den Gedanken nicht soooo schrecklich. 40 km bin ich ja schon gefahren … vielleicht nicht ohne Pause. Aber das würde ich auch noch hinkriegen. Und ein wenig Zeit zum Training blieb ja noch. Wochen vergingen und irgendwie habe ich nicht mehr dran gedacht. Und jeder mit dem ich so mal sprach, meinte ‚Ach was … das ist toll. Und mach dir mal keine Platte! Beim Rennen ist alles anders! Du wirst es mögen!‘ … Na ja … hört sich doch gut an. Und dann formierte sich aus den Hallzigern auch noch ein Team aus vier Jungs und zwei Mädels, mit dem Ziel, gemeinsam das Beste auf der 40er-Strecke rauszuholen. Windschatten spenden war Ziel für die Jungs und wir Mädels sollten radeln was das Zeug hält.

So Ende August fing dann die Phase an, wo ich so langsam etwas Herzrasen kriegte, wenn ich an das Rennen dachte. Meine Form war alles andere als optimal. Ob das wohl gut geht? Zum Glück hat es sich ergeben, dass ich mit Noreen, Jens und Andre Ende August noch eine gemeinsame Trainingsrunde über die Strecke fahren konnte. Doch die Trainingsrunde hat mir gezeigt, wo der Hammer hängt. Da wurde ein Hügel zum Berg und ich bin da hoch wie eine Schnecke im Kriechgang 😉 … OK. Da sollte ich wohl noch ein bisschen Hügel fahren üben. Hier direkt vor meiner Haustür gibt es ja so eine ähnliche hügelige Strecke von Dresden durch die Dresdner Heide nach Radeberg Arnsdorf und zurück. Zumindest zweimal bin ich die noch gefahren … Gewissensberuhigung 😉

Und dann war sie da, die Woche des Rennens. Schon seit Freitag habe ich mich gefragt, ob ich tatsächlich weiß, was ich da tue. Ein WETTFAHREN! Ich! … Wo ich doch ein ausgesprochener Fan vom Radeln mit Pause und vielen Fotos und Genießen bin! 😮 … Aber versprochen ist versprochen. Also los gings. Sonntag morgen war um 9.30 Uhr Treff auf dem Parkplatz. Noreen, Jens, Maik, Andre, Torsten und ich … das 40 km Team der Hallziger

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 … wollten uns die frühen Starts der Gruppen vor uns ansehen

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… und dann noch in Ruhe warm fahren. Das Grummeln in meiner Magengegend war nicht zu ignorieren. Doch das Warmfahren hat sich ganz gut angefühlt. Ein paar Sprints eingebaut … ok. So kann es gehen.

Und dann gings in die Startaufstellung. Um mich rum sah es aus, als wäre ich in einem Schwarm Profis gelandet. Und plötzlich wurden die Sicherheitsbänder zwischen den Startblocks weggenommen und die hinter mir stehenden rückten auf. HILFE … mir klebte schräg hinten so ein Jungradler quasi auf der Pedale. Und Rechts von mir kam auch einer gefährlich nah. Platzangst machte sich ein bisschen breit. Da sollte ich jetzt durch??? Und direkt vor uns eine kurvige Baustellenumfahrung und gleich danach ein Kreisverkehr! … „Die Anja möchte bitte im Startbereich abgeholt werden!

Startaufstellung ... Heideradcup 2015 in Torgau ... Anja, Jens, Maik und AndreVorzählig ... Noree und Torsten

Aber zu spät. Der Countdown wurde eingezählt. 10 Sekunden und es ging los. Überall klickende Pedale (ich hab meinen zweiten Fuß mal wieder nicht in die Pedale gekriegt. Egal, muss jetzt so gehen. Und rundrum schrie andauernd irgendeiner „Los los los … Gas geben! Vorwärts! Schneller!“ Und ich mitten drin. Ich weiß, wir sind zu sechst gemeinsam gestartet, aber nach genau 300 m hatte ich komplett den Überblick verloren, wo alle waren. Jens war neben mir. Maik war wie von der Tarantel gestochen nach vorn in die unglaublich schnelle Gruppe abgedüst. Ich erinnere mich noch, wie ich dachte WOW 😮 !  Aber wo Noreen, Andre und Torsten waren, konnte ich beim besten Willen nicht sagen.

Baustelle vorbei. Kreisverkehr an der Innenseite geschafft und dann ging es erst richtig los. Heute … mit ein bisschen Abstand … bin ich fasziniert, wie so eine Gruppendynamik funktioniert. Wir hatten einen ganz klaren Plan, nicht zu schnell anzufangen. Das eigene Tempo fahren, denn es würden noch fiese Hügel kommen. Und was habe ich gemacht? Stoff gegeben, was das Zeug hält. So unvernünftig … aber so ist das wohl, wenn mir die Erfahrung fehlt und Adrenalin im Spiel ist. Logischerweise ging mir ziemlich schnell (nach etwa 3-4 km) die Puste aus und es begann der frustrierendste Abschnitt der Strecke. Einer nach dem Anderen fuhr an mir vorbei 🙁 Beim Rennradfahren ist das Beste man findet eine Gruppe mit schön viel Windschatten. Macht sich so in der Mitte breit und radelt mit. Spart kraft für den Rest des Weges. Was aber machen, wenn die eigene Kraft gerade Urlaub macht und jeder schöne Windschatten an einem vorbeisegelt? … Genau! Schimpfen wie ein Rohrspatz und sich ganz weit wegwünschen. Zum Glück ist Jens wie verabredet bei mir geblieben, weil ich bereits zu diesem Zeitpunkt meinen ersten Fluchtreflex hatte. So konnte ich mich aber nicht still und heimlich vom Acker machen und musste weiter.

Allmählich kriegte ich wieder etwas Luft und die brauchte ich auch, denn es ging ‚in die Berge‘… 😉 … Na ja, um bei der Wahrheit zu bleiben waren es nur Hügel, über die jeder halbwegs trainierte Rennradler müde lächelt. Aber ich wusste von der Testrunde, dass ich da meine liebe Not haben werde. Also Kette links und irgendwie da hoch. Andere Radler waren weit und breit nicht zu sehen. Ich erinnere mich, dass ich bei einem Auto, das plötzlich (auf einer eigentlich für das Rennen gesperrten Straße) hinter mir war, noch gedacht habe … ‚Das kann doch jetzt nicht ernsthaft schon der Besenwagen sein! Sooo langsam können wir nicht sein‚ . War er aber zum Glück nicht!

Und dann kam endlich die erste Abfahrt und ich kriegte meine schon seit ’zig Kilometern anhaltende Schnappatmung einigermaßen in den Griff. 🙂 Erholung und dann so allmählich den nächsten fiesen Hügel in Angriff nehmen. Oh ja … ich hatte mehr als einmal nicht so ganz jugendfreie Flüche im Kopf und auf der Zunge. Aber es wurde besser … und dann kam doch tatsächlich eine 40er Radlerin von hinten. Huch … bis dahin hatte ich geglaubt, wir sind die letzten und der Besenwagen fegt uns gleich auf. Die Radlerin lächelt mich an und fährt an mir vorbei! Uff … nee … also das ist dann doch zu viel. Das geht gar nicht. Ab jetzt begann so etwas wie die ‚Hasenjagd bei der Senftenberg-RTF‘. Ich musste doch irgendwie in der Lage sein, wenigstens ein bisschen Tempo hinzukriegen. Bis fast zum Schluss ging dieses kleine Spielchen. Und ja … wir waren schneller 😉 😉

mittendrin ... on Tour nach etwa 20 km

Und dann war es soweit. Von hinten näherte sich so ein Sicherheitsfahrzeug, dass die Radlergruppen sicher über die abgesperrte Strecke geleitet hat. Via Megafon wurden wir (zu Recht und zur Sicherheit aller) sehr laut und energisch aufgefordert nur ja rechts zu fahren und dann war es da, dieses unglaubliche Rauschen von heranbrausenden Rennrädern. Keine Ahnung wie viele da im Pulk waren. Vielleicht 40 oder 50 Radler. Und die waren schnell! Ich war am äußersten rechten Rand der Straße, aber als die in diesem Affentempo an uns vorbeifuhren, war ich schwer beeindruckt und hatte auch ein bisschen Angst, dass die mich vielleicht übersehen könnten. 😉 Aber es war alles gut.

Irgendwann war auch der letzte Hügel geschafft und es ging mehr oder weniger flach bis ins Ziel. Ich hatte mich – nicht zuletzt dank der ständigen Motivation von Jens – wieder ganz gut berappelt, um ein bisschen mehr Tempo mitgehen zu können. Nach einer Stunde und knapp 35 Minuten waren wir dann endlich im Ziel. Ich war so froh, dass es vorbei war und wir heil durchgekommen sind.

geschafft ... völlig fertig aber heil wieder im Ziel angekommen Ausruhen ...

Das wir letztlich sogar noch etwa 4 Minuten schneller waren, als bei der Teamtestrunde ist uns irgendwie erst später aufgegangen. Im Ziel warteten unseren Teamkollegen, die auch alle heil und mit tollen Ergebnissen über die Strecke gekommen ist. Noreen hat die Altersklasse (AK) gewonnen und Andre ist bei den Männern zweiter der AK geworden. Und die Zeiten von Noreen, Andre, Torsten und Maik haben gereicht, um den dritten Platz in der Teamwertung zu schaffen!

Norren ... Siegerin der AK (Master 2) ... echt super Die vier besten aus dem HallzigerTeam ... Dritter Platz bei der Teamwertung

Erst viel später habe ich realisiert, dass wir nie die Letzten auf der 40er Runde waren. Zumindest gab es noch 10 von 22 Mädels hinter mir und in der AK hat es für Platz 4 gereicht (ok … waren nur 6 Mädels in der AK am Start) 😉

Das Fazit meines ersten Rennens:
Radrennen und ich werden wohl keine wirklichen Freunde werden. Ich genieße es dann doch mehr in Ruhe mit dem Rennrad oder MTB Gegend zu entdecken. Pause zu machen, wenn mir danach ist und Zeit für meine geliebten Fotos zu haben 😉 Es war ein faszinierender Tag und die Eindrücke werde ich immer behalten. Aber der Stressfaktor des Wettbewerbes und der Vorbereitung ist mir dann doch etwas zu hoch 😉

Und hier gibt es – wie immer – die Strecke zum Nachfliegen und heute noch ein bisschen Streckenstatistik dazu:

Download

Die Streckenstatistik

Und zum Schluss noch ein ausdrückliches DANKE an Jens, der bis zum bitteren Ende mit mir gefahren ist, obwohl alle anderen schon längst über alle Hügel waren 😉 …Ohne diesen Support hätte ich zwischendrin vermutlich das Handtuch geworfen.

Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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2 Antworten

  1. Jens sagt:

    Das hast Du toll gemacht und schön geschrieben…. jederzeit wieder!

  2. Thorsten sagt:

    Meinen Glückwunsch zu Platz 4!
    Da warst du aber tapfer.
    Respekt!

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