Hasenjagd mit Ansage

….keine Sorge, natürlich ist keinem Häschen etwas passiert, aber die heutigen reichlich 110 km durch die Lausitz mit Start am  Senftenberger See hatten durchaus ein wenig Potenzial für eine Hasenjagd. Aber davon später.

Es ist schon zwei Monate her, dass ich mit dem Rennrad mal eine längere Tour über 100 Kilometer bewältigt habe, und heute wollte ich endlich wieder in Senftenberg beim 10. Lausitzer Seenmarathon mitfahren. Zugegeben, Marathon bedeutet eigentlich 200 km am Stück zu fahren, aber das ist mir eindeutig zu viel. Mir reicht schon die Hälfte. Und das war die Strecke:

Nachdem ich vor zwei Monaten so wunderbare Erfahrungen mit Windschatten gemacht hatte, hoffte ich natürlich auf ein paar bekannte Mitradler vom Hallzig Express, bei denen ich mich im Windschatten etwas über die Strecke mogeln konnte. Doch so mitten im Sommer und in den Ferien ist es offensichtlich nicht ganz so einfach an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen. Und so war ich froh, dass wenigstens Jens Lust hatte, mit mir auf die Tour zu gehen. Wir hatten uns gegen 9 Uhr im Start-/Zielbereich verabredet, und da ich etwas früher da war, konnte ich noch ein wenig den glitzernden See und das Spiel der (relativ wenigen) Sonnenstrahlen genießen.

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Aber so richtig allein standen Jens und ich dann doch nicht im Startbereich rum. Ich schätze das mit uns weitere 150 Radler auf die Strecke gehen wollten.

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Ich habe ja bei langen Strecken und dem Fahren im Pulk noch so einige Bedenken, da ich noch nicht richtig abschätzen kann, ob ich in der Gruppe mithalten kann. Doch nach dem Start habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass es geht. Ziemlich gut sogar 😉 Jens und ich hatten ziemlich schnell eine Gruppe gefunden, deren Tempo für uns angemessen war. Und mittendrin in einer Gruppe rollt es sich sehr entspannt! 😉 Zwischendrin bin ich etwas übermütig geworden, weil eine Gruppe vorne wegzog… Jens fragt, ob ich mir zutraue mitzuziehen. Na klar!!! Ich bin doch ein Streber 😉 … Turbo eingelegt – hat aber nicht geklappt. Ich bin echt am Limit gefahren, aber die waren zu schnell. Wir haben uns also wieder schön zurückfallen lassen und sind mit dem Hauptfeld mitgefahren. Auch wenn ich ein paar Kilometer brauchte, bis meine Beine wieder halbwegs im Tritt waren (das fehlende Training hat die Beine etwas einrosten lassen), haben wir den ersten Verpflegungspunkt nach etwa fast 45 km in ziemlich guter Verfassung und ohne Extrapause erreicht … und nicht etwa im Trödelmodus! Jens erzählte etwas von knapp über 30 km/h. Ha! 😉

Nach der Pause zog sich das Feld erwartungsgemäß auseinander, da jeder individuell wieder auf die Tour startete. Jens und ich sind dann leider wieder allein auf die Strecke gegangen. Und das habe ich ganz schön gemerkt. Da war keine Gruppe, in der ich mich hätte mitziehen lassen können. Der Kraftaufwand um dann vorwärts zu kommen, ist um einiges größer. Aber zum Glück gab es nach 20 km den nächsten Verpflegungspunkt. Und bis dahin gab es auch diesen schönen Moment – entstanden bei meinem tatsächlich einzigen (!) Fotostopp während der Etappen:

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Im dritten Abschnitt hatte ich dann meinen Durchhänger. Aus meiner längeren Tour vor zwei Monaten wusste ich, dass ich nach etwa 70-80 km nicht mehr so gut mitfahren kann. Meine Kräfte lassen nach und ich hatte für eine Weile auch keine richtigen Lust mehr. Aber Jens ist ein richtig guter Motivator. Er hat mich ständig wieder angespornt weiterzumachen. Und die lustigste Methode, mich wieder zu aktivieren, war die ‚Hasenjagd‘. Das war wirklich witzig. Immer wenn auf den beiden mittleren Etappen, auf denen wir quasi allein gefahren sind, vor uns ein einzelner Radler, oder eine Mini Gruppe auftauchte, hieß es: ‚So Anja, die da vorne greifen wir uns jetzt. Die schaffen wir locker!“ Das hat echt hat wunderbar funktioniert. Ich wollte wieder ein Erfolgserlebnis haben… Und wir haben jeden, den wir einholen wollten, auch eingeholt (Jens konnte natürlich ziemlich gut einschätzen, was machbar ist und was nicht 😉 ) Und so hatten wir während der Tour unsere ganz persönliche ‚Hasenjagd‘, bei der natürlich niemand zu Schaden kam.

Kurz vor dem dritten Verpflegungspunkt fing es dann leider einen wie aus Eimern zu schütten. Von jetzt auf dann. Natürlich hat der Himmel vorher schon ab und an etwas komisch ausgesehen, aber als die Schleusen  aufgingen, war es dann doch etwas sehr überraschend… und nasse Füße sind alles andere als angenehm! Gegen die Erfrischung hatte ich jedoch nichts. Die Temperatur ist seit dem Morgen auf knapp 30° geklettert, und nach einiger Anfangströdelei kam auch die Sonne raus und brannte auf den Kopf. Da war der Regen echt eine Erlösung.

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Allerdings war der Anblick vor dem dritten Kontroll-/Verpflegungspunkt in Lichterfeld ganz schön skuril. Da war ein riesiger Abraumbagger, der dort als Schaubergwerk aufgebaut war. Das war ein richtiges Monster. Da konnte ich mir ziemlich genau vorstellen, was für ein Loch in die Erde gerissen wird, wenn so ein Ding mal richtig loslegt. Wie ja an so vielen Stellen in der Lausitz. Und  ich musste daran denken, wie lange es dauert, bis all das wieder renaturiert ist.

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Aber beim dritten und letzten Kontrollpunkt hatten wir auch richtiges Glück. Wir haben uns still und heimlich einer größeren Radelgruppe aus Berlin angeschlossen. Praktisch infiltriert 😉 Nun konnten wir im Formationsflug ein bisschen entspannter dem Wind ausweichen und lockerer mitfahren. Diese Verschnaufpause hielt jedoch nur etwa 10 km, da die Berliner sich vorgenommen hatten die 150er Strecke zu bewältigen. Die letzten Kilometer waren wir also wieder allein, aber die Erholung in der Gruppe war so gut, dass wir zum Schluss sogar noch eine allerletzte Sprint-Hasenjagd hingelegt haben. 🙂

Bei herrlichem Sonnenschein sind wir wieder heil und glücklich am Senftenberger See angekommen, wo es natürlich die obligatorische Medaille gab.

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Auch wenn ich am Ende der Tour froh war, dass die letzten Kilometer bewältigt waren, war es eine schöne Runde. Das Wetter hat mitgespielt. Ich hatte einen Mitradler mit großer Geduld und nicht zuletzt, weil ich heute endlich mein neues Radlerdress ausfahren konnte. 🙂 Fotos gab es heute nicht so viele von der Strecke, aber das geht im Formationsflug auch nicht. Wenn ich gemeinsam mit einem oder mehreren anderen Radler(n) fahre, dann kann ich schwer an jedem (wie hat es Jens genannt? Ach ja:) Maulwurfshügel anhalten. Aber zum Glück bin ich ja den größten Teil der Strecke bereits 2014 gefahren, so dass ich mir bei Bedarf dort die Fotos ansehen kann. Damals war es nämlich eine Trekking-Fototour für mich 🙂

Und hier ist die ganze Strecke noch einmal zum Nachfahren:

Download

Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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1 Antwort

  1. Jens sagt:

    Da kannst Du mal sehen was Du alles kannst, wenn Du „musst“. Es hätte auch am Ende eine 3 auf dem Tacho stehen können, wenn wir noch eine funktionierende Gruppe gefunden hätten. Aber so zu zweit mit einer ziemlich platten Anja war nicht viel mehr drin, als knapp unter
    nem 28er Schnitt… Tolle Leistung von Dir Anja!

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