Leithenmühle … 15% Steigung und nicht geschoben!

… dafür hab ich bergauf geschnauft wie ein ziemlich großes Walross 😉 Aber das war erst nach der Hälfte der heutigen Ausfahrt mit den Hallzigern durch das Muldental. Da erzähle ich einfach mal ganz von vorn.

Ich bin immer ziemlich gespannt, wenn ich eine neue Gegend entdecken kann. Und das Muldental habe ich zuletzt vor fast einem Jahr bei der Historica RTF besucht, oder besser: erradelt. Ein bisschen Muffensausen hatte ich schon, denn ich wollte heute mal mit der Rennradgruppe fahren. Und ich hatte keine Ahnung, welche Geschwindigkeit da so ‚erwartet‘ wird. Aber das würde schon irgendwie gehen … hoffte ich. 😉

Die Ausfahrt sollte an der Trabrennbahn in Panitzsch starten und etwa 100 km lang sein. Das war mir bei der zu erwartenden Hitze etwas zu lang, und so ließ ich mich etwa 9 km später am Albrechtshainer See in Kleinsteinberg ‚einsammeln‘. Das würde mir 18 km an diesem heißen Tag ersparen. Der See ist echt lauschig; nur leider direkt an der Autobahn gelegen. Wenn man die Fahrgeräusche ausblendet, ist es dort bestimmt schön zum Baden.

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Das war schon ein ziemliches Rauschen, als die Truppe so angeradelt kam. Hörte sich gut an, aber auch nach einiger Geschwindigkeit. Na mal sehen… Und los gings. Ich war schon eine Weile nicht mehr Rennrad gefahren und es dauerte, bis ich halbwegs eingefahren war. Und ständig wanderte mein Blick zum Tacho. 34 km/h … 36 km/h … Hilfe. Jungs! War das die ‚langsame‘ Version? Das würde ich wohl nicht so lange durchhalten. Aber noch gings und langsam gewöhnte ich mich ans Formationsfahren. Zweierreihe. Nah hintereinander. Und nach ein paar Kilometern pendelte sich die Geschwindigkeit zum Glück auch so knapp unter 30 km/h ein. Wenn ich es schaffe, mir immer einen Windschatten zu reservieren, würde das wohl gut gehen … Uff. Fühlt sich schon viel besser an 😉

Und die Strecke war wirklich schön. Zwar Straße (klar; ist ja Rennradtour), aber doch immer so abgelegen, dass es überhaupt nicht stressig war. Unser Weg führte uns den Mulderadweg entlang, der sich hinter Kössern aufteilt. Wir haben die Variante der Freiberger Mulde gewählt. Sanfte Hügel säumten unseren Weg. Teils ging es über offenes Gelände, und ab und zu auch mal durch geschützte Waldpassagen.  Naunhof, Grethen, Großbardau, Großbothen, Kössern, Marschwietz und hinab zur Leithenmühle in Brösen, wo Halbzeit sein sollte.

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Allmählich war ich nicht mehr nur damit beschäftigt meinen Rhythmus zu finden, sondern auch bereit zum Plaudern. 😉 Und so langsam lernte ich auch meine Mitradler vom Hallzig Express kennen. Bekam Stück für Stück (Nick)Name und Gesicht zusammen. Schön wenn es hieß „ah… du bist das!“ 😉  In der virtuellen Welt von Social Media ist das ja immer nicht so ganz einfach.

Plauderzeit ...

Nur einmal hab ich zwischendrin so etwas wie Schnappatmung gekriegt. Wir fahren einen Hügel hoch und ich war auf ‚Kette links‘ im Schnauf-Schneckengang, als Jens locker flockig von hinten mit seinem Renner an mir vorbeigesaust kam. Kreisch! Das war nicht sonderlich förderlich für meine Motivation 😉 😉 😉 Aber dafür hat er durch sein vornweg radeln immer tolle Bilder gemacht! Danke Jens für die Fotos. Ich bin ja bis zur Halbzeit kein einziges Mal zum Fotografieren gekommen. Das war manchmal echt hart für mich, den Ich-halte-jetzt-an-weil-ich-knipsen-will – Reflex zu ignorieren. Aber das geht eben nicht so gut, wenn man in der Gruppe radelt. Und da gab es so einige schöne Knipsmotive. Die Mulde schlängelt sich durch das Tal. Ein Storch der die Sonne genießt, oder auch ein Haus im Hundertwasser-Stil in Marschwitz. Dieses Haus tauchte so völlig unerwartet auf und ich war viel zu schnell vorbei, als dass ich noch hätte irgendwie ‚Stopp‘ hätte rufen können. Hinterher hab ich mich echt geärgert. Und ich wusste noch nicht mal, wie der Ort hieß, an dem ich das gerade entdeckt habe. Aber dank ortskundiger Mitradler und ein bisschen Recherche konnte ich postum doch noch den Moment festhalten.

Wohnhaus im Hundertwasser-Stil in Marschwitz Hundertwasser Marschwitz

Und dann ging es hinab zur Leithenmühle. Nach einem ordentlichen Anstieg war auch ich endlich oben auf der Anhöhe angekommen und freute mich auf eine schöne Abfahrt runter zur Mühle. Sanftes Rollen … Puls wieder auf Normalniveau bringen. Auf gehts … Doch halt! Was war das? Hab ich das richtig gesehen? Versteckt zwischen den Bäumen. Ein Warnschild. 15% Gefälle!!! Nein! … Und während ich mir so abwärts den Fahrtwind um die Nase wehen lasse, realisiere ich so allmählich, dass ich das ja irgendwie später wieder hoch muss! Steigung 15%! Nicht gut!!! Gar nicht gut! Vor nicht all zu langer Zeit habe ich auf der Saaleradtour bei 16% kapituliert und geschoben. Na das wird ja was werden … erste Ausfahrt mit den Rennern. Da kann ich doch nicht schieben! 🙁 …

Aber erst einmal war Halbzeit und das hieß Trödeln in der wunderbaren Leithenmühle. Ein unglaublich lauschiges Plätzchen, dessen Zauber sich jeder einfach hingab. Schatten suchen unter einem Baum. Plaudern. Schweigend trödeln … Ein kühles Getränk, leckeren Kuchen oder Spargel genießen. Perfekt.

Leithenmühle

Einfach mal die Bilder durchlaufen lassen. Egal wie; ob beim Wandern, mit dem Rad oder auch mit dem Auto … die Leithenmühle ist in jedem Fall einen Besuch wert.

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Nach einer herrlich schönen Genießerpause musste es da auch wieder weiter gehen. Ich stand da ziemlich unentschlossen vor dem Lokal. Die Jungs stiegen locker flockig aufs Rad und kurbelten einfach den Berg hoch. Sollte ich da schieben? Neeeee … das ging ja mal so gar nicht. Also in die Pedale eingeklinkt. Kette links und eine Umdrehung nach der anderen. Sehr langsam habe ich mich Meter für Meter hochgeschoben. Geschnauft wie ein Walross … aber ich habs geschafft! Juhuu!  Und ich habe mal wieder eins gemerkt … wenn du denkst es geht nicht, dann gehts auch nicht 🙂 🙂 🙂 Wenigstens probieren muss ich es.

Danach rollten wir schön weiter durch die Gegend. Ziemlich viel bergab. Richtung Grimma und dann langsam wieder zurück zum Muldentalradweg. Nur Oli hatte echt Pecht. In der Leithenmühle ereilte ihn der erste Platten und dann noch zweimal. Das war echt Pech. Und in Grimma auf der Pöppelmannbrücke vor dem Gymnasium

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… war dann endlich auch das passende Motiv für das Ausfahrt-Gruppenfoto gefunden. Einfach perfekt. Und das waren meine Mitstreiter auf der heutigen Tour durch das Muldental. Schön, dass ich ein Teil davon war

Muldentalausfahrt

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Etwa 25 km vor dem Ziel haben wir dann die Gruppe aufgeteilt. Die Schnellen quasi losgelassen 😉 … und schwups; weg war 2/3 der Truppe. 😉 War aber völlig OK. Ich bin in einer Vierergruppe am Ende gefahren. Doch nachdem Jens verloren gegangen und Oli seinen dritten Platten hatte, bin ich die letzten 15 km allein (macht nach so einer gemeinsamen Ausfahrt nicht so sehr viel Spaß … man kann es mir aber auch so gar nicht recht machen 🙂 ) bis zum Auto gefahren und dann schnurstracks zur Eiszeit in Panitzsch. Schönes kaltes Zitroneneis. Hmmmm … mein Kopf ist bei der Hitze schon ganz schön gewärmt worden. Zugegeben; es war zu erwarten, dass es ein heißer Tag wird, aber so heiß, hätte ich dann doch nicht gedacht. Ich war ziemlich froh, im Schatten zu sitzen.

Es war eine schöne Ausfahrt; etwas wenig Fotostopps, aber trotzdem schön 😉 Auch wenn ich schon ein bisschen ‚Muskelkatze‘ habe. Und vor allem habe ich erlebt, dass ich auch als nicht so schnelle ausdauernde Radlerin in so einer Gruppe mitfahren kann. Und wenn es doch mal zu schnell wurde, hat immer ein aufmerksamer Mitstreiter die Schnellen wieder eingefangen 🙂 Danke dafür. Und hier sind meine 80 (heißen) km der Muldentalausfahrt:

Download

Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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