MTB-Training im Harz – Hilfe! Ich habe nichts anzuziehen!

Diesen Ausruf des Schreckens kennt Man(n von Frau) ja zur genüge, wenn es gilt, sich für einen Abend oder einen Ausflug fertig zu machen, und verzweifelt vor dem Kleiderschrank steht, weil SIE einfach nicht das passende Outfit findet. Aber im Zusammenhang mit einem Radausflug hatte ich das auch noch nicht. Zumal es ja bei mir normalerweise gerade nicht an der Ausrüstung scheitert. Aber irgendwann ist wohl doch immer das erste mal. Was war passiert?

Im Herbst 2014 habe ich meine Liebe zum Mountainbiken entdeckt. Es geht zwar noch ziemlich holprig, aber ich liebe es in der Abgeschiedenheit des Waldes auf kleineren Wegen allein und in Einklang mit der Natur unterwegs zu sein. Auf diesen (Wander)Wegen gibt es oft Wurzeln, Unebenheiten und auch steilere Abfahrten, die es gilt, möglichst entspannt und ohne vorn über den Lenker abzusteigen, zu meistern. Das muss man schon üben. Es ist ja noch nie ein Meister vom Himmel gefallen. Aber wenn einem keiner so richtig sagt, wie es geht, dann wird das auch nichts. Aus diesem Grund hatte ich mich für das Wochenende vom 20./21.06.2015 zu einem MTB-Training im Harz (Ilsenburg) angemeldet. Diesmal bei MTB Touren Harz. Ich hatte so einen Grundlagenkurs schon einmal im April absolviert. Aber nun wollte ich noch eine Schippe drauflegen; mit Level 2 die nächste Stufe zünden. Und das Juniwochenende sollte dazu das perfekte Wetter bieten. Aber das tat es nicht. So ganz und gar nicht! Es waren 8-13 Grad angesagt. Und Regen. Und Schmuddelwetter überhaupt. Und im Wald ist’s gleich noch mal kühler 🙁

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Ich stand völlig ratlos vor meinem Radelklamottenfach und hatte ernsthaft in Erwägung gezogen, die lange Winterhose rauszukramen! Na ja, das wäre dann wohl doch etwas übertrieben. Wir haben ja Sommer und nicht Winter. Aber zumindest habe ich die Beinlinge und einige Lagen Trikot eingepackt… Nur das kleine kurze Schwarze musste im Schrank bleiben. Einfach zu kalt. Völlig mit Übergepäck ausgerüstet ging es endlich bei grauem Himmel auf nach Ilsenburg.

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Pünktlich am Samstag um 9 Uhr war ich beim Berghotel Ilsenburg, wo Treffpunkt und auch die erste Technikeinheit stattfinden sollte.

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18 Teilnehmer … ‚ganz schön viele‘ dachte ich, als ich das Grüppchen so vor mir sah 😮 … Und wie immer fing es mit einer von allen so geliebten Vorstellungsrunde an. 😉 Jeder erzählte was er so macht. Triathlon (!) war die beliebteste Freizeitbeschäftigung der Anwesenden. Und seit vielen Jahren (!) MTB fahren. Uff! Wo bin ich denn hier hingekommen? Lauter Sportcracks. Bin ich hier richtig? Anfängerkurs (Level 1+2). 😮 Na mal sehen, wohin das führt. Zum Glück gab es aber dann doch noch eine Handvoll echter Neulinge. Puh … Glück gehabt. Und die Tatsache, dass es zwei Trainer gab, machte  mir auch Hoffnung, dass eine Mannschaftsteilung Teil der Strategie war 🙂 Nach der Techniktheorie (ich gebe zu, das es reißt mich immer noch nicht vom Hocker 😉 )

… und Bikecheck (schon besser…) auf dem Hotelgelände

.. ging es endlich über einen kleinen Trail durch den Wald

Bergauf geht meist ganz gut … wenn’s nicht zu steil ist

… zu einem schönen Platz am Waldrand, wo heute der größte Teil der Übungen absolviert werden sollte.

Unser Übungsplatz für die nächsten zwei Tage

Trockenübungen quasi 😉 … aber besser ist’s. Wie schnell führen Unachtsamkeit und fehlende Technik zu einem unfreiwilligen und nicht so wirklich kontrollierten Abgang vom Rad. Doch zuerst gab es die (von mir erhoffte) Gruppenteilung. Klar dass ich mich schnurstracks der Anfänger-Anfänger-Gruppe zugesellte … nur kein Risiko eingehen 😉

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Und dann hieß es üben: Grundposition, Aktivpostition, Bremsen auf Ziel; nur vorn; nur hinten; gleichzeitig – und immer wieder versuchen ein Gefühl für das Rad zu bekommen. Da ich das im April 2015 ja schon mal gemacht hatte, war mir das nicht mehr so fremd … aber trotzdem nicht routiniert. Aber einiges ging schon ganz gut. Vielleicht auch durch ein wenig Übungstouren in der Dresdner Heide. 😉

Irgendwann war auch mal Zeit für eine kleine Pause, die wir uns in einem Gasthaus in der Nähe gegönnt haben. Der Weg dahin ging schön durch den Wald. Und schon auf dieser kurzen Strecke wurde mir wieder bewusst, warum ich MTB so mag. Die Natur, der Wald haben es mir einfach angetan. Ich freute mich schon so auf den nächsten Tag, an dem der größte Übungsteil im Wald stattfinden sollte.

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Nach so viel Trockenübung ging es nach der Mittagspause dann auch ins Gelände. Oh je … 18 Leute (mehr oder weniger Anfänger) versuchen im Formationsflug einen relativ schmalen Weg gemeinsam zu bewältigen. 😉 … Da ist es am Besten ganz am Ende zu fahren. War echt witzig. All die Ermahnungen der Trainer ’schön Abstand halten‘ … wie weggeblasen. Als ob jeder zeigen wollte, was er gelernt hat 😉 … Wenn Sie erst mal losgelassen … Aber alles gut gegangen. Christian und Tino (die beiden Trainer) waren irgendwie immer genau da, wo es eng werden könnte und haben geholfen. Die zwei Gruppen waren super aufgeteilt, so dass ich nie das Gefühl hatte, irgendwie der ‚Loser‘ zu sein. 😉 Auf den Pfaden wurden dann all die Aktionen vom Vormittag trainiert. Fühlt sich auf dem Trail und Walduntergrund ziemlich anders an. Es hieß Absätze bewältigen und Kurven fahren. Und ‚Blick nach vorn richten‘ wurde zu dem wohl am meisten gerufenen Satz des Trainings 😉 War schon intensiv und so allmählich war mein Kopf nicht mehr so ganz aufnahmebereit. Zum Glück gab es zwischendrin immer wieder wieder diese kleinen Momente wo das Licht, das Grün der Bäume und der Waldboden ein so intensives Bild gaben. Ich konnte nicht wiederstehen … Fototime 😉 Zum Durchatmen. Genießen… auch wenn es zwischendrin geregnet hat.

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Den Trainingsabschluss bildete eine Trailabfahrt, bei der ich einfach mal ohne Pause am Stück fahren konnte und fast intuitiv machte ich all das, was wir gelernt hatten, fast von selbst. Ganz sicher nicht perfekt, aber es ging schon ganz gut … und ich merkte: ich kann es einfach laufen lassen. Mitgehen. Wie hieß das? Aufmachen! Habe immer noch ziemlichen Schiss vor zu viel Geschwindigkeit bergab, aber es wird besser. Und es ist auch schön zu merken, wie ein kleines Hindernis viel leichter überrollt werden kann, wenn man einfach mal locker in Beinen und Armen mit dem Rad umgeht. Besonders als, wir den Trail ein zweites Mal gefahren sind, hat es sich so angefühlt. Schön … ein Erfolgserlebnis zum Abschluss.

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Der Abend klang noch mit einem super gemütlichen gemeinsamen Grillen aus. Mit anderen Teilnehmern plaudern; sich an Geschichten vom Tag erinnern … fachsimpeln und gutes Essen genießen.

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War schön, auch wenn ich später ziemlich froh war, in meinem Bett zu liegen und entspannt an der Matratze zu horchen. 😉 Mein ‚Basislager‘ hatte ich wieder im Landhaus „Zu den Rothen Forellen“ aufgeschlagen.

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Der Sonntag startete mit einem herrlichen Sonnenaufgang. Ok … es war ziemlich früh, als ich die Augen aufgeschlagen habe, denn um 9 Uhr sollte es ja schon wieder weitergehen. Und wenn ein entspanntes Frühstück und eine nicht all zu große Hektik im Badezimmer das Ziel ist, dann ist 7 Uhr wecken nötig. Aber für einen Sonntag soooooo zeitig 🙁 ). Der Wetterbericht versprach zwar einen nicht wirklich sonnigen, aber auf jeden Fall wärmeren Sonntag. Auch nicht schlecht!

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Nach dem obligatorischen Bikecheck ging es sofort wieder auf unseren Trainingsplatz, wo ein bisschen Wiederholung zur Einstimmung anstand. Ging ganz gut. Und dann wurde es Zeit, die nächste Schwierigkeitsstufe zu zünden. Heute ging es um das Überwinden von Hindernissen. Und wie so etwas aussehen kann, hat uns Tino erst mal gezeigt. Huch! Meine Stauneaugen wurden groß wie Wagenräder! War eine coole Demo 😉

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Bis das allerdings bei mir so aussieht, braucht es wohl noch einige Trainings mehr. Aber ein Mini-Mini-Stöckchen habe ich schon bewältigt! Wenn auch mit ziemlich verbissener Miene und Konzentration … Und das witzige war, dass ich selbst bei den Übungen das Gefühl hatte: ‚Das geht ja gar nicht. Das kriege ich nie hin‘ … und als ich dann die Bilder gesehen habe, war ich ganz schön erstaunt, dass das Rad in der Luft war! 😉 Allez hop!

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Und dann ging es endlich rein in den Harz. Aufwärts! Das ist ja nun mal die Krux beim Mountainbiken: Willste runter, musste vorher erstmal hoch! Und genau das haben wir getan. Durch das herrliche Ilsetal ging es (in meiner Gruppe zugegeben) schön langsam, aber stetig hinauf zur Plessenburg, vorbei an der Prinzess Ilse-Quelle und durch ein tolles Stückchen Harz.

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Vom Waldgasthof Plessenburg, wo wir eine ausgiebig Mittagspause mit sogar etwas Sonne genossen,

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…ging es dann noch ein kleines Stückchen weiter hinauf, bis auf 580 Hm (dem höchsten Punkt unserer heutigen Tour), doch nicht ohne vorher schon mal so zum Wachwerden aus dem ‚Suppenkoma‘ einen Wurzeltrail samt einigen kleinen fiesen Absätzen zu bewältigen. Auf den Fotos und von unten sieht das immer alles überhaupt nicht spektakulär aus, aber auf dem Rad und auf dem Weg nach unten ging mir ab und an ganz schön die Muffe… ach ja; und während ich so meine Mühe hatte, diesen ‚kleinen‘ Weg runter zu kommen, kamen uns zwei MTBler entgegen, die die diesen Trail hoch gefahren sind!!!

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Und so ganz leise, zwischendrin kam dann auch mal der Brocken in unser Sichtfeld. Fast schon ein bisschen heimlich. Kurz vor dem höchsten Punkt unserer Tour. Es war etwas diesig, aber er war zu erkennen! Da musste ein Fotostopp einfach sein … auch wenn alle anderen warten mussten. Egal – ausnahmsweise 😉

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Doch dann war es geschafft, und es ging nur noch runter. Wobei … dieses ‚runter‘ sollte natürlich nicht einfach so sein. Das war natürlich eine einzige Übungsstrecke für all die Fahrtechnik, die wir in den vergangenen 1,5 Tagen gelernt haben. Ich gestehe allerdings, dass ich mich bei den meisten Sachen dann rausgenommen habe, weil mir das doch noch etwas zu schwer war. Tino und Christian haben alles immer perfekt erklärt und vorgemacht, aber das sollten dann mal lieber die anderen machen…

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Ich habe mir alles vom Rand aus angesehen, eingeprägt für die nächste Tour und gestaunt, was alles so geht.

Nur dort, wo es nicht ganz so steil war, habe ich dann auch mal mitgemacht … irgendwie bin ich dann doch noch ein kleiner Schisser 😉

So langsam gingen mir dann aber auch die Kräfte aus. Ich war mir gar nicht so bewusst, wie durchaus anstrengend zwei Tage auf dem MTB sein können. Und ich war dann auch froh, als es hieß, jetzt geht es entspannt abwärts, denn wenn die Konzentration nachlässt, liegt man ziemlich schnell auf der Nase 😉 und das war ein Zustand, auf den ich so gar keine Lust hatte.

Zum Tourabschluss ging es über einen schönen leichten flowigen Trail und sogar die Sonne zeigte sich, als hätte Sie ein Einsehen, dass wir uns zur Belohnung ein paar Sonnenstrahlen verdient hätten…

MTB Wochenende im Harz ... Fahrtechniktraining Level 1+2

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Es war ein wunderbares Wochenende. Ich habe wieder einmal mehr festgestellt, dass mit MTB fahren wirklich Spaß macht, auch wenn so ein Fahrtechniktraining durchaus auch anstrengend ist. Aber darum geht es ja auch … Neues lernen. Sich weiter entwickeln. Das fällt nicht einfach so vom Himmel. Auch die Einsicht, dass ich für Level 2 durchaus noch ziemlich übern muss, ist nicht schlimm. Natur erleben; wahrnehmen … ja, es gibt wirklich schöne Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten. Danke Tino und Christian für dieses wunderbare Wochenende.

Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

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