Und plötzlich war alles anders … Mittwoch: von Eichicht nach Jena

Heute, am Mittwoch, sollte er also sein, der erste Tag, an dem es nicht mehr so bergig ist. Endlich keine dieser fiesen Anstiege mehr, bei denen ich nur noch mit ‚Kette links‘ im Kriechgang vorwärts komme. Ja … so war der Plan 😉 Aber wie das so ist, mit den Plänen … meist kommt es anders; und zweitens als man denkt.

Doch wie jeden Morgen war es erst einmal Zeit zum Sammeln, Packen und das Rad für den Tag vorbereiten. Bereits da strahlte der Himmel in seinem schönsten Blau und die Sonne fing an sich so richtig warm zu laufen. Es war der erste Morgen, an dem ich von Beginn an in kurzem Trikot unterwegs war. Die Sonne wärmte schon am Morgen die Haut und alle hatten Lust, endlich die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.

IMG_1063 IMG_1069

Wie immer ging es im Formationsflug vom Hotel ‚Zur Grünen Eiche‘ in Eichicht los, und alle wollten erst einmal in Ruhe ein wenig die Beine lockern; einfahren. Doch daraus wurde leider so gar nichts! Keinen Kilometer vom Hotel entfernt kam ziemlich unvermittelt ein heftiger Anstieg! Das war echt hart. Gerade gefrühstückt. Eigentlich noch im Tagesbeginn-Trödel-Modus und dann schon so ein Anstieg! Ich denke 10 % sind es gewesen. Hatte nicht jemand gesagt, es geht flach weiter?! 😉

Zuerst bin ich (natürlich 🙂 ) auch mit hoch gefahren. Das ging ja gestern auch ziemlich gut. Aber es dauerte gar nicht lange und ich musste anhalten. Mir taten einfach die Oberschenkel weh. Und (ich gebe es zu) ich habe nur einen kurzen Moment gedacht: ‚ach nö, darauf habe ich jetzt keine Lust‘ … und sofort war es auch vorbei, mit dem Hochstrampeln. Das ist eben doch viel Kopfsache. Ich habe dann etwa 15 m geschoben. Ab in den Schatten. Durchschnaufen. Aber nach einer kurzen Pause hat mich doch wieder der Ehrgeiz gepackt 😉 Ich habe mich wieder aufraffen können und bin bis  hinauf gefahren (ok; gekrochen…) Und der Lohn für diese Mühe war ein phantastischer Ausblick über sanfte Hügellandschaften. Wir waren zwar nicht mehr im Wald unterwegs, aber der Blick von oben auf dem Berg über die Täler und Berge der Umgebung war einfach toll.

So ging es dann noch eine Weile weiter. Immer wieder bergauf und bergab. Und dann waren wir ‚plötzlich‘ unten. Nach etwa 15 km, war dann einfach alles anders! Nichts mehr mit ‚am Berg und weiter Blick über das Tal‘. Plötzlich waren wir ‚unten‘; sollten nach oben schauen. Ungewohnt. Auch schön. Der Blick nur begrenzt durch die Berge, aus denen wir kamen. In denen wir die letzten beiden Tage ‚rumgekraxelt‘ sind. Ich gebe zu, ich brauchte einen Moment, bis ich mich daran gewöhnt hatte und nicht ständig dachte: ‚In den Bergen waren die Aussichten aber reizvoller…‘ .

IMG_1099

In Saalfeld war es dann endgültig mit den Bergen vorbei. Und wie um uns zu besänftigen, zeigte sich die Stadt erst einmal von ihrer schönsten Seite. Sie empfieg uns mit einem Wehr, das ungemein glitzerte. Die Sonne spiegelte sich auf der Oberfläche und lud uns zum Verweilen ein. Was wir dann auch taten.

Allerdings kam dann auch gleich der etwas größere ‚Kulturschock‘. Der Radweg führte uns mitten durch ein Industriegebiet. Schrecklich! Eine riesige Produktionsanlage, die sicherlich nötig ist, aber nach so viel Ruhe und purer Natur in den letzten beiden Tagen war das schon ein kleiner Schock. Wir sind ziemlich schnell weitergefahren, um endlich unser zweite Frühstück zu bekommen. Fred (der wie immer selbstlos unser gesamte Gepäck die ganze Woche über im Transporter kutschierte) hatte schon ein lauschiges Plätzchen gefunden.

IMG_1115 IMG_1114

Ein paar Anstiege gab es im weiteren Streckenverlauf schon noch, aber nicht wirklich spektakulär. 😉 Nun hieß es einfach ‚laufen lassen‘. Es war komisch. Hatte ich am Berg immer wieder alles möglich fotografiert, viel mir das heute im weiteren Etappenverlauf zunehmend schwerer. Oben am Berg gab es immer schöne Motive mit ‚viel Blick‘ und ‚Gegend‘. Davon hatte ich nun irgendwie nichts mehr. Das war nicht schlimm, aber das war unerwartet. Der Radweg war irgendwie … entzaubert. Fast schon ein bisschen langweilig. Und ein- oder zweimal habe ich mich sogar dabei erwischt, wie ich dachte ‚Och; ich will wieder zurück zum Berg‘ 😉 Die Berge und Hügel hatten mit ihrem Auf und Ab und dem Wald irgendwie etwas Schützendes. … Na ja; ganz so schlimm war es sicherlich nicht. Wenn man sich darauf einlässt und einfach auch mal rechts und links vom Wegesrand schaut, ist einiges zu entdecken. Die Landschaft, die Felder (auch hier überall Raps), oder auch ein Wehr, wie kurz vor Kahla.

IMG_1120

Und wenn man genau hinsieht, dann hat man auf den Fotos in der Ferne schon die Leuchtenburg in Kahla gesehen. Sie gilt als eine der schönsten Burgen in Thüringen. Sie hat nur einen Nachteil: Sie liegt – gemessen von der ‚Höhe‘ des Radweges – eben mal auf 400 Höhenmeter oberhalb von Kahla, und das sind schlappe 200 Höhenmeter mehr, als der Radweg. 😉 So richtig hatten die meisten keine Lust auf die Burg zu gehen (also egal mit welchen Mitteln). Mit dem Rad wären wir eh nicht gefahren. Zu hoch. Schon zu viele Höhenmeter in den Beinen. Aber es gab auch keinen Bus o.ä. um auf die Burg zu gelangen. Ich fand das schade, da ich denke, dass sich viele Radfahrer (so wie wir) gern die Burg ansehen würden, aber nicht hinauf kommen. Es gab zwar noch einen Shuttleservice, aber das war ein bisschen kompliziert, da wir nicht vorbestellt hatten.

So kam es, dass 12 von uns in die Altstadt von Kahla gefahren sind, um sich dort an einem lauschigen Plätzchen einen Kaffee zu gönnen. Dietrich, Thorsten und ich wurden aber von Fred hoch zur Burg gefahren. Das war vielleicht ein Luxus! Ich (und auch die anderen beiden Radler) wollte unbedingt die Gegend von oben sehen. Die Burg von innen zu betrachten war mir noch gar nicht mal so wichtig … klarer Himmel und weite Sicht waren mein Wunsch. Und er wurde erfüllt. Der Ausblick von der Leuchteburg über Thürigen war einfach einmalig.

In die Burg selbst kam man nicht einfach so hinein. Da wurden 12 Euro Eintritt verlangt, und das war uns dann doch etwas zu viel. Auch hatten wir ja gar nicht so viel Zeit. Es galt ja noch über 20 km zu bewältigen.

Nach dem Burgenausflug ging es dann durch bis nach Jena, unserem heutigen Nachtdomizil. Die Fahrt zum Hotel durch die Stadt war schon ziemlich anstrengend. Naturgemäß sind da viele Leute und dicker Verkehr. Gerade nach der Ruhe des Radweges war das eine ziemlich stressige Angelegenheit und wir waren alle froh, zügig durch die Fußgängerzone hindurch beim Hotel angekommen zu sein.

Es war ein schöner Tag, auch wenn er ziemlich anstrengend begonnen hat. Die ersten 15 km hatten uns doch schon mal einiges an Anstiegen und Höhenmetern abverlangt. Aber danach sind wir ganz gut gerollt. Und die Sonne hat sich den ganzen Tag von ihrer besten Seite gezeigt. So könnte es echt die ganze Zeit weitergehen…

Und wie immer gibt’s hier zum Schluss die ganze Tour zum Nachfliegen. Den großen Anstieg bei etwa 50 km war der Ausflug zur Leuchtenburg. Da sind wir natürlich nicht mit dem Rad gefahren, sondern mit dem Transporter. Daher müsste man sich die Zusatzkilometer und die Höhenmter wegdenken, aber ich habe vergessen, die Routenaufzeichung abzuschalten. Aber was solls …

Download

Und diesen kleinen ‚Beifang‘ gab es heute auch noch:

Anja Keller

Draußen sein, Radfahren oder Wandern ist ein guter Ausgleich zur Schnelligkeit des Alltags.

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.
Weitere Informationen findest du in der Datenschutzerklärung!

Schließen